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07.03.2017

Bucerius Greater China Talk – Digitales China

Chance oder Risiko – China als Labor für die Zukunft?

In Sachen Digitalisierung hinkt Deutschland etlichen Ländern hinterher – allen voran der Volksrepublik China. Die Journalistin Sonja Peteranderl hat auf Einladung der Bucerius Greater China Initiative am 28. Februar 2017 ein hypermodernes digitales Land vorgestellt. Ein Land, in dem Start-Ups, Innovation und Förderung der IT als Garant für eine erfolgreiche Zukunft präsentiert werden. Gleichwohl versucht die chinesische Regierung die Kontrolle über das Internet zu behalten und steht damit vor einer großen Herausforderung: der Balance zwischen Innovation und staatlicher Einflussnahme. Die Referentin war im Rahmen eines Stipendiums der Robert-Bosch-Stiftung als Medienbotschafterin in China und präsentierte ihre Einblicke in das digitale China.

Für die inzwischen über 720 Millionen Internetnutzer in China bieten die zahlreichen digitalen Dienstleistungen viele Erleichterungen in der Lebens- und Arbeitswelt. So werden Taxifahrten oder Restaurantbesuche mit dem Handy statt mit Bargeld gezahlt. Kehrseite der rapiden Digitalisierung sind die Gefahr der ständigen Überwachung durch den Staat und die steigende Marktmacht weniger Digitalkonzerne. Das Bewusstsein für Datenschutz sei dabei innerhalb der chinesischen Bevölkerung deutlich schwacher ausgeprägt als in Deutschland.

Mit der "Internet Plus"-Strategie fördert der Staat den Ausbau der digitalen Infrastruktur und Start-Ups. Mit neuen regulatorischen Vorgaben wie einer Klarnamenpflicht für Nutzer, einer Registrierungspflicht sowie Haftpflicht für Betreiber von Online-Plattformen sowie einem neuen Cybersicherheitsgesetz verstärkt die Regierung aber auch die Informationskontrolle. E-Commerce und neue Medienangebote wie Livestreaming-Plattformen boomen, doch das chinesische Internet, "Chinternet", unterliegt stets der staatlichen Aufsicht.

Sonja Peteranderl erörterte das spannende Thema äußerst kenntnisreich und kurzweilig. Die lebhafte Diskussion mit dem Publikum setzte sich bei „Brezeln und Wein“ noch lange fort.

Text: Maximilian Kunzelmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter; Fotos: Martin Hejma