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15.02.2017

Was kann ich glauben? – Glaubens-Kriege

Zur Rolle der Religion als politisches Konfliktfeld in Europa

Prof. Dr. Wolfgang Palaver, Prof. Dr. habil. Sabine Riedel und Dr. Stephan Loos

Am 8. Februar 2017 fand der dritte Teil der gemeinsamen Veranstaltungsreihe "Was kann ich glauben?" des Studium generale der Bucerius Law School, des Kulturbüros der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Katholischen Akademie Hamburg und der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg im Helmut Schmidt-Auditorium der Bucerius Law School statt.

Nach einer Begrüßung von Dr. Ulrike Pluschke moderierte Dr. Stephan Loos, Direktor der Katholischen Akademie Hamburg, das Gespräch zwischen Prof. Dr. Wolfgang Palaver, Professor für Christliche Gesellschaftslehre und Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Innsbruck, mit Prof. Dr. habil. Sabine Riedel, die als außerplanmäßige Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Magdeburg und in der Forschungsgruppe Globale Fragen der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin tätig ist.

Nachdem die ersten beiden Abende der Veranstaltungsreihe sich biographischen Glaubens-Wegen und medialen Glaubens-Bildern gewidmet hatten, war Thema des dritten Teils die Rolle der Religion als politisches Konfliktfeld in Europa. Riedel beschrieb, dass das Verhältnis von Religion und Politik im Allgemeinen und die bevorzugte Behandlung von Religionsgruppen in europäischen Ländern im Besonderen regelmäßig zu Konflikten geführt hätten. Dabei betonte Palaver, dass viele Konflikte zwar religiöse Dimensionen hatten, aber nicht genuin religiös gewesen seien. Vielmehr würden viele politische Debatten religiös aufgeladen und der Religion im Nachhinein enormes Gewaltpotential zugeschrieben.

Aktuelles Beispiel sei die Flüchtlingskrise. Zunächst werde sich mit der Frage der erfolgreichen Integration von Geflüchteten beschäftigt, bevor dann die Meinung auftauche, Schwierigkeiten mit der Integration rührten daher, dass die Geflüchteten größtenteils Muslime seien. Abschließend wurde diskutiert, ob nicht jeder der monotheistischen Religionen aufgrund ihres jeweiligen Absolutheitsanspruchs ein Gewaltpotential innewohne. Palaver hielt dem entschieden entgegen, dass dann jede Meinung mit Wahrheitsanspruch zu Gewalt führe. Solche Meinungen seien aber gerade wegen postfaktisch geführter Debatten unerlässlich. Nicht die Religion sei maßgeblich für Gewalt verantwortlich (gewesen), sondern der Missbrauch der Religion von Politikern zur Sicherung und Legitimation ihrer Macht.

Text: Leon Blacher; Foto: Leonhard Sonner