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03.07.2017

Wie wir leben wollen – Podiumsdiskussion über die Bundestagswahl 2017

Spitzenpolitikerinnen und -politiker sprechen über Deutschlands Zukunft

In weniger als drei Monaten ist es soweit – die Bundestagswahl steht vor der Tür. Insbesondere auch aus diesem Grund luden die politischen Hochschulgruppen in Kooperation mit dem Studium Generale der Bucerius Law School auch dieses Jahr zur politischen Podiumsdiskussion mit Vertretern der jeweiligen Parteien ein. Im Helmut Schmidt Auditorium bot sich deswegen ein seltener Anblick: Auf jedem einzelnen der 420 Plätze drängelten sich Studierende sowie ProfessorInnen und BesucherInnen, um den Diskussionsbeiträgen der sechs PolitikerInnen zuzuhören. Nach einem kurzen Grußwort von Professorin Dr. Dr. h.c. mult. Katharina Boele-Woelki, der Präsidentin der Bucerius Law School, widmete sich die Debatte, moderiert von Professor Dr. Mehrdad Payandeh, Inhaber des Lehrstuhls Öffentliches Recht II – Internationales Recht, Europarecht und Öffentliches Recht, ganz einer Frage, die Zuschauer und Redner wohl nicht nur vor der Wahl bewegt: Wie wollen wir leben?

Dabei wurden brisante aktuelle Themen diskutiert, aber auch Fragen aufgeworfen, die im Moment noch nach Zukunftsmusik klingen: Während Anna Galina, Vorsitzende des Landesverbandes Hamburg BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und Fabio de Masi, Hamburger Spitzenkandidaten der Partei DIE LINKE, das Bundestagswahlrecht ab 16 forderten, äußerte sich Günther Flott, Mitglied des Landesverbands Die PARTEI, dazu, das Wahlalter lieber nach oben hin zu begrenzen.

Zum Thema Bildungspolitik forderte Wolfgang Kubicki, stellvertretener Bundesvorsitzender der FDP, gerade auch mit Blick auf die bessere Integration von Geflüchteten besseren Sprachunterricht und die verstärkte Ausbildung von Lehrern. Ole von Beust, ehemaliger Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg und CDU-Politiker, betonte die Wichtigkeit von Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem und riet deswegen zu einer verstärkten Förderung der frühkindlichen Erziehung. Kritisch gegenüber dem deutschen Bildungsföderalismus zeigte sich Peer Steinbrück, ehemaliger Bundesfinanzminister und SPD- Kanzlerkandidat, und rechnete mit der Inkonsequenz der Bildungspolitik der letzten Jahre ab.

Nach diesem relativ konsensfähigen Thema nahm die Diskussion rasch an Fahrt auf, als es um die Zukunft Europas, die Etablierung eines europäischen Sozialsystems und die gesellschaftlichen Fortschritte im Gleichstellungsprozess ging. Als Professor Payandeh die Fragerunde eröffnete, hakten die Studierenden sogleich bei Themen wie dem Dauerbrenner Vereinbarkeit von Job und Familie sowie Entgeltgleichheit genauer nach und stellten außerdem kritische Fragen zum Rentenkonzept der jeweiligen Parteien.

Nach dieser hitzigen Diskussion kühlte man sich auf dem Campus bei dem ein oder andern Cocktail in den jeweiligen Parteifarben wieder ab und debattierte die aufgeworfenen Fragen bis in den späten Abend weiter.

Charlotte von Fallois