Warum Jura?

Juristischer Glossar – sprichst du Jura?

Sprichst du Jura?

Juristinnen und Juristen haben ihre eigene Sprache, das merkt man bereits vor Beginn des Studiums. Schon während der Studienorientierung begegnen einem unbekannte Ausdrücke, die man sich erst einmal aneignen muss. Dieser kleine Glossar hilft dir dabei, dich in der Welt der studienbezogenen juristischen Fachausdrücke zurechtzufinden.


Freischuss

Zu einem so genannten „Freischuss“ für die Erste Juristische Prüfung können sich Jurastudierende melden, die sich gem. § 26 des Hamburgischen Juristenausbildungsgesetztes einen Monat vor Ablauf des 13. Trimesters, bzw. einen Monat vor Ablauf des 9. Semesters zur Prüfung gemeldet haben. Ist man mit seinem Prüfungsergebnis im Rahmen dieses Freischusses nicht zufrieden, kann man sich noch einmal zur Prüfung melden. Am Ende gilt dann der insgesamt bessere Versuch. Sollte also der Zweitversuch nach dem Freischuss schlechter sein, gilt das Ergebnis des Freischusses.

Das Studium an der Bucerius Law School ist so konzipiert, dass die Mehrheit aller Studierenden sich innerhalb der Freiversuchsfrist zum Examen melden kann und somit zwei Versuche auf eine besonders gute Note in der Ersten Prüfung hat.

» Mehr über die Abschlussnoten unserer Studierenden


Moot Court

Moot Courts (zu Deutsch: Scheingerichte) sind simulierte Gerichtsverhandlungen. Es handelt sich dabei also um eine Art juristisches Rollenspiel. Die Teilnehmenden haben dabei die Chance, einen juristischen Standpunkt unter simuliert-realen Bedingungen einmal bis zum Ende durchzufechten.

Moot Courts kommen aus dem anglo-amerikanischen Raum, in dessen Rechtssystem juristische Plädoyers und Rhetorik eine ausgeprägtere Bedeutung haben als im kontinentaleuropäischen Rechtssystem. Es gibt national und international bedeutende Wettbewerbe, an denen Bucerius-Studierende regelmäßig erfolgreich teilnehmen.

» Mehr Informationen zu Moot Courts an der Bucerius Law School


Prädikatsexamen

Unter Prädikatsexamen versteht man ein besonders gutes Staatsexamen. Die Ergebnisse in den beiden Staatsexamina sind noch immer ausschlaggebende Einstellungskriterien auf dem juristischen Arbeitsmarkt, weshalb ein Prädikatsexamen als besonders wertvoll angesehen wird.

Als Prädikatsexamen bezeichnen Juristinnen und Juristen diejenigen Examina, die mit mindestens „vollbefriedigend“ abgeschlossen wurden. Im Rahmen des juristischen 18-Punkte-Systems ist „vollbefriedigend“ alles ab 9 Punkten aufwärts. Warum bereits ab der Hälfte der Notenskala ein „Prädikatsexamen“, also ein besonders gutes Examen? Jura-Professorinnen und Professoren bewerten sehr streng, so dass 18 Punkte sowieso, aber auch alles ab 9 Punkten äußerst selten vergeben wird. Es gibt bei den Juristinnen und Juristen also keine Noteninflationen im oberen Bereich.

An der Bucerius Law School erreichen durchschnittlich 80 % aller Studierenden ein Prädikatsexamen in der Ersten Prüfung und haben somit beste Berufschancen.

» Mehr über Berufschancen und das juristische Notensystem


Rechtsgebiete

Eine gängige Unterteilung des Rechts erfolgt in die drei Säulen

  • öffentliches Recht,
  • Privatrecht, und
  • Strafrecht.

Das Öffentliche Recht (unter Studierenden häufig als ÖffRecht abgekürzt) regelt die Rechtsverhältnisse Einzelner oder juristischer Personen dem Staat gegenüber, wie zum Beispiel das Steuerrecht.

Das Privatrecht regelt die Rechtsverhältnisse privater Akteure untereinander, beispielsweise, wenn man einen Kaufvertrag abschließt oder einen Konflikt mit der Vermieterin/dem Vermieter hat.

Das Strafrecht umfasst diejenigen Rechtsnormen, durch die bestimmte Verhaltensweisen verboten und, bei Nichteinhaltung dieses Verbots, mit einer Strafe als Rechtsfolge verknüpft sind.

Alle drei oben genannten Rechtsgebiete sind Pflichtfächer in einem Jurastudium. Man muss sich nicht auf ein bestimmtes Rechtsgebiet festlegen. Ganz im Gegenteil: du lernst alle Rechtsgebiete kennen.


Referendariat

Als Referendariat bezeichnet man die zweijährige Praxisperiode, die man nach der Ersten Prüfung absolvieren muss, wenn man Volljuristin/Volljurist werden möchte. Dabei durchläuft man verschiedene Stationen und lernt somit unterschiedliche juristische Berufsfelder kennen. Es gibt vier so genannte Pflichtstationen und zwei Wahlstationen.

Nach Abschluss des Referendariats meldet man sich generell zur Zweiten Prüfung an. Man kann die Zeit zwischen der Ersten und der Zweiten Prüfung allerdings zusätzlich noch dazu nutzen, ein Auslandsstudium zu absolvieren, zum Beispiel in Form eines Master of Laws.

» Mehr über den Aufbau der juristischen Ausbildung


Repetitorium

Bevor du dich zur Ersten Prüfung meldest, besuchen 90 Prozent aller Jurastudierenden in Deutschland ein so genanntes Repetitorium, in dem sie mit Hilfe von Repetitorinnen/Repetitoren den gesamten Stoff des Studiums noch einmal wiederholen und somit intensiv auf die Prüfung vorbereitet werden.

Ein Repetitorium ist privatwirtschaftlich organisiert, das heißt, ausgebildete Juristinnen und Juristen bieten die Prüfungsvorbereitung als Dienstleistung an. Man muss für ein solches Repetitorium, das etwa ein Jahr dauert, also zahlen. Vom Grundsatz her ist ein Repetitorium im Rahmen des Jurastudiums durchaus sinnvoll, weil sich Jura durch eine enorme Stoffülle auszeichnet.

An der Bucerius Law School ist das Repetitorium in das Studium integriert. Hier heißt es Examensvorbereitungsprogramm (EVP) und wird von der Hochschule organisiert.

Die Vorteile dieses integrierten Repetitoriums:

  • Es ist Teil der Studienzeit und muss nicht noch an das Studium drangehängt werden.
  • Die Kosten sind in den Studiengebühren mit inbegriffen.
  • Es wird von deinen eigenen Professorinnen und Professoren durchgeführt, die dich und deine Stärken und Schwächen gut kennen.

» Mehr über das Examensvorbereitungsprogramm


Schwerpunktstudium

Auch wenn der Name es suggeriert, ist das Schwerpunktstudium keine klassische Spezialisierung – in Deutschland bleiben Volljuristinnen und Volljuristen zunächst einmal ein juristisches Multitalent. Erst nach dem Studium fängt man wirklich an, sich zu spezialisieren, zum Beispiel auf Arbeitsrecht oder Steuerrecht.

Während des so genannten Schwerpunktstudiums kannst du dir jedoch trotzdem schon mal einen juristischen Fachbereich aussuchen, der dich besonders interessiert. Dazu belegst du so genannte Wahlfächer aus einer Wahlfachgruppe, wie zum Beispiel dem Wirtschaftsrecht oder dem Sozialrecht. An der Bucerius Law School kannst du zwischen neun Schwerpunktbereichen auswählen. In dem von dir gewählten Schwerpunktbereich absolvierst du am Ende deines Studiums auch die Universitäre Schwerpunktbereichsprüfung.

» Mehr über das Schwerpunktstudium


Volljuristen

Als Volljuristen bezeichnet man in Deutschland Juristen und Juristinnen, die

  • ihr Jurastudium mit der Ersten Juristischen Prüfung (früher: Erstes Staatsexamen) beendet haben,
  • anschießend ein Referendariat absolviert haben, und zu guter Letzt
  • das Zweite Staatsexamen abgeschlossen haben.

Die klassischen juristischen Berufe wie Rechtsanwältin/Rechtsanwalt, Staatsanwältin/Staatsanwalt oder Richterin/Richter setzen diesen Ausbildungsgang voraus. Sie werden deswegen auch "volljuristische Berufe" genannt. Juristinnen und Juristen, die nur die Erste Staatsprüfung absolviert haben, oder auch nur einen Bachelor haben, können demnach nicht in volljuristischen Berufen arbeiten.

» Mehr über juristische Berufe


"Vier gewinnt!"

Ab wann gilt in Jura eine Klausur oder gar das Examen als bestanden? Die Antwort: "Vier gewinnt".

Das 18-punktige juristische Bewertungssystem ist im Grunde genommen mit dem 15-Punkte-System aus der Oberstufe vergleichbar – allerdings mit dem Unterschied, dass im Jurastudium nochmal eine eigenständige dreipunktige Note mit dazukommt, das so genannte "vollbefriedigend".

Alles unter drei Punkten gilt als "durchgefallen". Vier Punkte bedeuten entsprechend "gerade noch bestanden". Daher der Ausdruck "Vier gewinnt!".

An der Bucerius Law School ist das allerdings nur eine theoretische Diskussion. Natürlich fällt man auch einmal während des Studiums durch eine Klausur, bzw. besteht gerade noch mit vier Punkten. Im Examen allerdings geht es eher darum, ob man ein "Vollbfriedigend" erreicht, und nicht, ob man überhaupt besteht.

Ein "Vollbefriedigend" ist bei Juristinnen und Juristen nämlich eine ganz besondere Notenstufe. Schafft man im Examen ein solches "Vollbefriedigend" (alles ab der Note 9), dann hat man ein so genanntes "Prädikatsexamen" – und rutscht damit in einen Premium-Arbeitsmarkt.

Ein "Prädikatsexamen" ab der Hälfte der Notenskala? Ja, die Leistungen werden sehr streng bewertet. Anders gesagt: 18 Punkte sind möglich, das aber eher nur theoretisch. Und wenn das einmal vorkommt, wird sich auch die Jura-Professorin/der Jura-Professor den Tag rot im Kalender anstreichen.

Absolventinnen und Absolventen der Bucerius Law School erreichen im Schnitt über 10 Punkte in der Ersten Prüfung. Dieser Trend setzt sich im Zweiten Staatsexamen fort. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt erreichen Jura-Absolventinnen und Absolventen etwa 7 Punkte. Das heißt, Absolventinnen und Absolventen der Bucerius Law School sind im Schnitt über eine Note besser.

Wirft man einen Blick auf den Anteil der Prädikatsexamina, dann liegt der an der Bucerius Law School bei rund 80 Prozent, bundesweit schaffen es nur 33 Prozent. Berücksichtigt man dabei, dass praktisch alle Bucerius-Absolventinnen und Absolventen die Freischussregelung wahrnehmen kann, dies aber nicht statistisch erfasst wird, wird die Prädikatsexamensquote der Bucerius Law School letztlich sogar noch höher ausfallen.


BGB, EuGH, ZPO, RflEttÜAÜG

Was bedeuten eigentlich diese komischen juristischen Abkürzungen und was soll das überhaupt?

Auch als Nicht-Juristin/Jurist kennt man so manche gebräuchliche Abkürzung: "GG" für "Grundgesetz" oder "BGB" für "Bürgerliches Gesetzbuch". Einige juristische Abkürzungen haben es sogar in den Alltagsgebrauch geschafft, etwa die "GmbH" ("Gesellschaft mit beschränkter Haftung"), die "GbR" ("Gesellschaft bürgerlichen Rechts") oder "MdB" ("Mitglied des Deutschen Bundestages"). Andere sind weniger bekannt, aber man hat sie das ein oder andere Mal vielleicht schonmal gehört: "EuGH" steht für "Europäischer Gerichtshof", "ZPO" für "Zivilprozessordnung".

Auch "BAföG" ist eine juristische Abkürzung, die es als Akronym in den Alltagsgebrauch geschafft hat. Es handelt sich dabei um staatliche Unterstützung während der Studien- oder Ausbildungszeit. Den Ausdruck "Ich bekomme BAföG" hat sicher jeder schon einmal gehört. "BAföG" bedeutet vollständig "Bundesausbildungsförderungsgesetz". Insofern müsste es richtiger eigentlich heißen "Man bekommt Leistungen nach dem BAföG".

Warum das Ganze? Gerade wenn es um die Bezeichnung von Gesetzen geht, neigen diese manchmal dazu, sehr lang zu sein. Doch auch kürzere Gesetzesbezeichnungen werden gerne in der abgekürzten Version benannt. Das hängt mit der Natur der Sache zusammen – Juristinnen und Juristen müssen schriftlich und mündlich mit Gesetzen arbeiten und um da sprachlich effektiv zu sein und nicht unnötig Zeit und Platz zu verschwenden, werden eben gerne die Abkürzungen verwendet.

Und was ist nun das "RflEttÜAÜG"? Aufgelöst bedeutet der Buchstabensalat "Rindfleisch­etikettierungs­überwachungs­aufgaben­übertragungs­gesetz", das im Jahre 1999 in Mecklenburg-Vorpommern Teil eines Gesetzesvorhabens war – mit dem ebenfalls rekordverdächtigen vollständigen Namen "Rinderkennzeichnungs- und Rindfleisch­etikettierungs­überwachungs­aufgaben­übertragungs­gesetz", abgekürzt "RkReÜAÜG".

Allerdings geht es – unglaublich, aber wahr – tatsächlich noch etwas länger: Die "Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gungs­zu­stän­dig­keits­über­tra­gungs­ver­ord­nung", abgekürzt "GrundVZÜV", gilt sogar als das längste deutsche Wort.

Keine Panik: Die meisten juristischen Abkürzungen gehen während des Studiums in Fleisch und Blut über, den Rest kann man nachschlagen.


Gutachtenstil

Fälle, die du während des Studiums lösen musst, musst du in einer ganz bestimmten Form, dem so genannten Gutachtenstil verfassen. Aber was ist das, "Gutachtenstil"?

Jura und juristisches Arbeiten ist anders als alles andere, was du aus der Schule kennst: Jura ist ein hochformalsiertes Denk- und Arbeitssystem – und das schlägt sich auch insbesondere in der Form der schriftlichen Arbeiten, Klausuren und Hausarbeiten, nieder, die du während des Jurastudiums anfertigen musst. Die Form, in der du während des Studiums schreiben musst, nennt sich "Gutachtenstil".

Der Gutachtenstil folgt einem streng formalisierten Aufbau, der Studienanfängerinnen und Studienanfänger in der Kleinteiligkeit und insbesondere vermeintlichen Selbstverständlichkeit Schwierigkeiten bereitet. Anders gesagt: Im Gutachtenstil muss man oft ganze Gedankengänge niederschreiben, die man eigentlich nicht als erwähnenswert betrachtet. Aber gerade das zwingt dazu, Gedanken sauber nachvollziehbar zu machen. Oft wird man sich bei dieser Arbeitsweise auch Denkfehlern erst bewusst.

Sinn und Zweck dieser Arbeitsweise ist es, Tatbestände und die Anwendbarkeit der gesetzlichen Regelung richtig zu prüfen und die juristische Argumentation nachvollziehbar zu machen. Alle Juristinnen und Juristen müssen sich an diesen formalisierten Aufbau halten, was es letztlich auch leichter macht, juristische Argumentationen miteinander zu vergleichen.

Der Gutachtenstil folgt einem viergliedrigen Schema: Zunächst beginnt man mit dem Obersatz, danach wird der Tatbestand definiert, dann folgt die Subsumtion und am Ende die Konklusion. Wir wollen dich hier nicht mit einer langatmigen schriftlichen Erklärung überstrapazieren – du wirst den Gutachtenstil früh genug im Studium lernen. Es lohnt sich aber, sich mit dem Gutachtenstil schon früh genug auseinanderzusetzen. Schau dir am besten das sehr gute Erklärvideo einer unserer wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen an: http://buceri.us/gutachtenstil

Der Gutachtenstil ist übrigens eine große Besonderheit der deutschen juristischen Ausbildung. In anderen Ausbildungen und Rechtssystemen spielt dieser Stil nur eine untergeordnete Rolle. Das ist aber alles andere als ein Nachteil: Gerade die zwingend konsequente Anwendung des Gutachtenstils schult das Denken.

Bewerbung für das Jurastudium

Die Bewerbung für das Jurastudium 2018 ist am 15. Mai 2018 abgelaufen.

Die Bewerbung für das Jurastudium 2019 wird spätestens ab Anfang 2019 möglich sein. Abonniere unseren "Newsletter Jurastudium", du bekommst dann zum Start des Bewerbungsverfahrens 2019 eine Benachrichtigung von uns und andere interessante Informationen zum Jurastudium und zur Bucerius Law School. Hier Newsletter abonnieren...

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