News

24.10.2017

30 Jahre „Fall Barschel“ – Tote schweigen nicht

Lesung und Diskussion über die Barschel-Affäre

Auf Einladung von Professor Dr. Karsten Gaede, Inhaber eines Lehrstuhls für Strafrecht an der Bucerius Law School, sind am 5. Oktober 2017 hochkarätige Gäste in das vollbesetzte Helmut Schmidt-Auditorium der Hochschule gekommen, um 30 Jahre nach Uwe Barschels Tod über die nach wie vor packende Affäre zu diskutieren. Eingeladen waren Professor Dr. Klaus Püschel, Rechtsmediziner vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der an der Obduktion Barschels teilgenommen hat, und die Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher vom Hamburger Abendblatt, die zusammen mit Püschel bereits zwei Bücher über Fälle der Rechtsmedizin ("Tote lügen nicht" und "Tote schweigen nicht"), verfasst hat. Neben einer Lesung aus "Tote schweigen nicht" wurde die Affäre unter Moderation des ehemaligen Sternreporters Sebastian Knauer dsikutiert. Knauer hatte Barschel im Hotel Beau Rivage in Genf in der Badewanne gefunden und das Foto angefertigt, das zu Barschels Tod um die Welt ging.

Zentraler Gesprächspunkt war die Erforschung von Barschels Todesursache. Püschel hat verdeutlicht, dass einerseits gewichtige Indizien für einen Suizid sprächen. So sei die Kombination der verschiedenen bei Barschel nachgewiesenen Medikamente – einige zentral dämpfende Substanzen wie Tranquilizer zusammen mit einem Antihistaminikum, das typischerweise dazu genutzt wird, einem etwaigen Erbrechen vorzubeugen – entspreche "Kochrezepten" von Sterbehilfevereinigungen für eine kontrollierte Selbsttötung. Auch sei es typisch für Suizidenten, sich angekleidet in die Badewanne zu legen und die von vielen Seiten angeführten Anzeichen für eine Fremdeinwirkung seien sämtlich als nicht stichhaltig zu entlarven. Andererseits betonten die Diskutanten auch, keine endgültige Aussage über die zahlreichen und nur schwer widerlegbaren Thesen bezüglich Barschels Tod treffen, sondern lediglich die medizinischen Befunde und sozialen Umstände auswerten zu können; insofern sei eine abschließende Benennung der Todesursache nicht möglich.

Nach Lesung und Diskussion wurde die Runde schließlich für Fragen des Publikums geöffnet, welches von der Möglichkeit, mit den mit dem Fall befassten Experten ins Gespräch zu kommen, lebhaft Gebrauch gemacht hat.

Leon Blacher