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30.11.2015

Absolventengespräch: Johan Hulshof, Internationales Austauschprogramm 2002

Wie war es, einer der ersten Austauschstudierenden an der Bucerius Law School zu sein? Hat sich die Law School seither stark verändert? Alumnus Johan Hulshof (Niederlande) über Bucerius damals und heute.

Als er sein Jurastudium an der European Law School in Maastricht aufnahm, stand ein internationaler Austausch nicht auf seiner Agenda. Doch die Gelegenheit, die brandneue erste Law School Deutschlands kennenzulernen, konnte er sich nicht entgehen lassen. 15 Jahre später ist Johan Hulshof ein erfolgreicher Syndikus und Familienvater. Zeit, zurückzublicken und darüber zu sprechen, wie sich seine Karriere seit seinem Aufenthalt an der Bucerius Law School entwickelt hat.

Sie waren unter den ersten 67 Austauschstudierenden an der Bucerius Law School. Warum haben Sie sich dafür entschieden, eine so junge und neue Hochschule zu besuchen?

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, an einem Austausch teilzunehmen, denn ich hatte mich bereits dafür entschieden, meinen Master im Ausland zu machen. Aber als ich zusammen mit einem Freund an einer Infoveranstaltung über die Bucerius Law School teilnahm, änderte ich meine Pläne. Die Schule hat mich angesprochen, weil sie eine neue Initiative verkörperte, und die hochprofilierten Gründungsmitglieder wie Professor Hein Kötz, einer der weltweit führenden Gelehrten auf dem Gebiet der Rechtsvergleichung, gaben ihr ein hohes Maß an Vertrauenswürdigkeit. Und außerdem – im Gegensatz zu vielen anderen Juristen bin ich nicht wirklich risikoscheu (lacht).

Und – hat sich das Risiko ausgezahlt?

Definitiv! Hervorragende Professoren, ein schöner Campus in einer herrlichen Stadt und talentierte Mitstudierende von Spitzenuniversitäten – was könnte man sich Besseres wünschen? Mit einer so vielfältigen Gruppe an Studierenden aus verschiedenen Rechtssystemen zusammenzuarbeiten, hat mir wirklich die Augen dafür geöffnet, wie wichtig es ist, die Unterschiede zwischen den Rechtskulturen zu erkennen und zu würdigen. Vor allem, weil alles in so einem kleinen Maßstab stattfand – es fühlte sich wirklich an wie eine große internationale Familie, von der man lernen konnte.

Außerdem konnte ich mein Deutsch erheblich verbessern. Ich hatte ausdrücklich darum gebeten, zusammen mit deutschen Studierenden untergebracht zu werden, und meiner Mitbewohnerin sagte ich, sie dürfe ausschließlich Deutsch mit mir sprechen. Das hat auch funktioniert. Von ihr lernte ich sogar, Schwäbisch zu verstehen – das war ganz praktisch, als ich ein paar Jahre später in der Gegend von Stuttgart eine Wagenpanne hatte.

Wie war es, zur 15-Jahres-Alumni-Reunion zurückzukehren?

Eigentlich habe ich schon mehrere Alumni-Treffen besucht. Ich halte gern Kontakt zu Leuten, und es ist jedes Mal toll, wieder in Hamburg zu sein. Diesmal habe ich sogar meine Frau und unsere zwei Kinder mitgebracht. Wir haben meine Freundin Lana besucht, die ich während meines Austauschs kennengelernt hatte – jetzt ist sie mit einem Bucerius-Absolventen verheiratet und hat selbst drei Kinder. Die Kleinen haben sich wirklich prima verstanden, obwohl sie die jeweilige Fremdsprache gar nicht kannten, und als wir uns verabschieden mussten, gab es große Tränen. Ich denke, das ist das typische Law-School-Familiengefühl.

Hat sich die Hochschule seit Ihrem Studium hier stark verändert?

Nun, damals gab es noch kein Auditorium, und mittags mussten wir zum Essen in ein Café in Planten un Blomen gehen, weil die Mensa noch im Entstehen war… Natürlich ist die Hochschule im Lauf der letzten 15 Jahre stark gewachsen: Unsere Gruppe bestand aus 67 Austauschstudierenden, seitdem hat sich die Zahl nahezu verdoppelt. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, die Hochschule hat ihr angenehm familiäres Feeling gewahrt.

Und wohin hat Ihr Berufsweg Sie nach Ihrem kurzen Aufenthalt an der Law School geführt?

Ich habe meinen niederländischen Abschluss in Rechtswissenschaften gemacht und mich dann für das europäische Masterstudium in Law and Economics eingeschrieben, ein europäisches Gemeinschaftsstudium, in dessen Rahmen ich in Bologna, Gent und Wien studieren konnte – alles in einem knappen Jahr.

Nachdem ich meine Masterarbeit über pharmazeutische Registrierungsverfahren geschrieben hatte, bekam ich eine Stelle als Legal Affairs Officer bei einem europäischen Pharma-Branchenverband in Brüssel. Wenn eines der europäischen Mitglieder auf nationaler Ebene Probleme mit einem Registrierungsfall hatte, wurde ich als unterstützender Experte eingeflogen.

Der Job war eine ziemliche Herausforderung für jemanden, der direkt von der Hochschule kam, und zweifellos eine Schnelllektion in den diversen Rechtskulturen Europas. Er hat mir auch vor Augen geführt, wie wichtig es ist, die jeweilige Rechtskultur eines Landes zu berücksichtigen und dabei flexibel zu bleiben. Wenn man darauf achtet, kann man den Rechtsstreit trotzdem gewinnen, selbst wenn der eigene Standpunkt auf dem Papier nicht gerade perfekt aussieht.

Nach einigen Jahren beschloss ich dann, in die Niederlande zurückzukehren und meine Qualifikation als niederländischer Anwalt abzuschließen, daher arbeitete ich ein paar Jahre in einer Privatkanzlei, um als Anwalt zugelassen zu werden. In dieser Zeit begann ich mich auf IP-Recht zu spezialisieren, weil ich in den wissenschaftlich-technologischen Sektor zurückkehren wollte.

Und ist Ihr Plan aufgegangen?

Das kann man wohl sagen. Derzeit bin ich Director IP & Legal bei NXP Semiconductors, einem führenden Halbleiterunternehmen. Die meisten meiner Kollegen sind Ingenieure oder Patentanwälte, da muss man sich mit IP wirklich auskennen, um mitreden zu können. Aber ich schätze die Herausforderung. Ich bin – mit einigen anderen – verantwortlich für alle F&E-Auftragsvergaben innerhalb von NXP, und ich leite das Unternehmensteam für Fälschungsbekämpfung. Wir sind stets auf der Suche nach Möglichkeiten, um Immaterialgüterrechte auf clevere Weise geltend zu machen, sodass unsere Unternehmungen zusätzliche Gewinne generieren können. Es ist ein wirklich vielfältiger Job, in dem es mir nie langweilig wird. Er wird sogar noch interessanter werden, wenn wir die bevorstehende Fusion mit Freescale Semiconductor vollzogen haben, der ehemaligen Halbleiterabteilung von Motorola. Dabei wird sich die Unternehmensgröße verdoppeln, und wir werden noch internationaler sein als bisher schon.