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25.06.2019

Algorithmen statt Paragraphen?

Legal Tech Lecture mit Professor Daniel M. Katz

Professor Daniel M. Katz

Der Roboter-Anwalt ist ein Schreckgespenst, das durch die internationale und deutsche Medienlandschaft wandert. Doch werden Computer die normale Anwaltsarbeit tatsächlich ersetzen? Oder liegt die Zukunft nicht vielmehr darin, klassische anwaltliche Dienstleistungen mit Digital-Produkten zu verbinden? Um diese und viele weitere Themen ging es in der Legal Tech Lecture von Professor Daniel M. Katz, Professor am Illinois Tech – Chicago Kent College of Law, am 13. Juni 2019 im Moot Court der Bucerius Law School.

Katz gab zunächst eine Einführung dazu, wie Prozessoptimierung inzwischen nicht nur in der Industrie, sondern auch im Dienstleistungssektor den Sprung zur Digitalisierung notwendig macht. Legal Tech Produkte spielen dabei eine wichtige Rolle und bringen neue Dynamiken in das Rechtsberatungsgeschäft: Denn während man z.B. Anwaltskanzleien einfach wechseln kann, ist dies bei Legal Tech Software, die einmal im Unternehmen integriert ist, nicht so leicht der Fall. Damit kommt Legal Tech Unternehmen insbesondere eine hohe Kundenbindung zu Gute. Dass sich dahinter ein hohes Marktpotential verbirgt, haben laut Katz alle großen Kanzleien begriffen, das zeige sich allein schon daran, dass beinah jede Kanzlei inzwischen ihren eigenen Incubator für Legal Tech habe.

Auch wenn die Bedeutung von Legal Tech für die Zukunft des Anwaltsberufs inzwischen auch in Europa akzeptiert sein sollte, sind die Möglichkeiten, die Legal Tech Produkte bringen, noch lange nicht vollständig ausgeschöpft: Künstliche Intelligenz, Expertensysteme, die sich laut Katz zu juristischen Chatbots entwickeln werden, und Sprach-, Texterkennungs- und Analysetools sind nur einige Beispiele für technische Lösungen, die sich hinter dem Begriff Legal Tech verbergen. Allen Legal Tech Produkten gemeinsam ist jedoch das Problem, wie sich die präzise juristische Fachsprache in Code übersetzen lässt. Doch obwohl Sprache momentan noch das wichtigste Werkzeug der Juristen ist, prophezeit Katz, dass dies in Zukunft anders sein könnte und Verträge irgendwann teilweise aus Algorithmen und teilweise aus Text bestehen werden.
Über die Fragen, wie dies unser Verständnis von Recht verändert und was für Auswirkungen das für unsere Gesellschaft hat, konnten die TeilnehmerInnen anschließend noch bei Brezeln und Wein mit dem amerikanischen Gast ins Gespräch kommen.

Charlotte von Fallois