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03.12.2017

Arbeitsleben 2.0

Wie die Digitalisierung unsere Arbeitswelt auf den Kopf stellt

Wir wollen keine dauerhafte Erreichbarkeit, kein Leben im Homeoffice und keine Wegrationalisierung unserer Arbeitsplätze. Aber was genau wollen wir dann von der Digitalisierung? Und lässt sich das wirklich so einfach umsetzten oder stoßen wir nicht heute schon immer wieder an Grenzen zwischen analoger und digitaler Welt, die sich nicht so einfach überbrücken lassen?

Diesen Problemstellungen ging die Veranstaltung „Mensch und Arbeit im digitalen Zeitalter: Was wir fordern!“ der Bucerius Lab Lecture der ZEIT-Stiftung in Kooperation mit dem Studium generale der Bucerius Law School nach. Dr. Ole Keding, Innovationsmanager bei der Digital-Agentur Pilot, und Philipp Riederle, einer der jüngsten Unternehmensberater Deutschlands, versuchten dabei unter Moderation von Jan Ehlert (NDR) der Frage auf die Spur zu gehen, wie wir in Zukunft arbeiten werden.

In den Augen von Riederle ist es dabei momentan noch eine Herausforderung für die meisten Unternehmen, ihr volles Digitalisierungs-Potential auszuschöpfen. Denn am Arbeitsplatz begegnen sich jeden Tag Vertreter der sogenannten Generation X, die im analogen Zeitalter aufgewachsen sind, und solche der Generation Y und Z. Für diese Menschen ist es von Kindheit an normal, durch einen Mausklick auf Informationen aus der ganzen Welt zuzugreifen oder Menschen rundum die Uhr kontaktieren zu können.

Doch auch in diesen Generationen fehlt es häufig noch an ausreichender Kompetenz im Umgang mit dem Medium Internet. Laut Riederle ist die größte Herausforderung in Bezug auf die Digitalisierung deswegen nicht die Automatisierung von Fahrzeugen oder die Gewährleistung ausreichender Infrastruktur, sondern die mangelnde Wissensvermittlung über den richtigen Wissenszugang über das Internet. Außerdem geht die Digitalisierung auch mit einem Wertewandel einher: Statt wie die Vertreter der Generation X nach Geld, Status oder Macht zu streben, lautet das Motto der jungen Generation „Wachsen ist das neue Ankommen“.  Die Anforderungen der Arbeitnehmer an ihre Arbeitsplätze haben sich damit verändert. Auf der Suche nach Sinnhaftigkeit kommt es zu häufigen Jobwechseln, jedoch auch zu einem Gefühl der Überforderung und häufiger auftretenden psychische Erkrankungen schon in jungem Alter.

Nicht nur die Anforderungen und Bedürfnisse der Arbeitnehmer, sondern auch die Funktionsweisen der Unternehmen müssen sich ändern. Dabei kann der Trend allerdings nicht uneingeschränkt hin zu mehr Digitalisierung gehen. Schließlich zeige das Beispiel Spotify, dass z.B. durch zu viel Homeoffice die Teamarbeit schlechter funktioniert, weil zu wenige Menschen physisch gleichzeitig im Unternehmen anwesend sind und es dadurch zu Abstimmungsproblemen kommt.

Auch die Rolle des Chefs wird wohl den Wechsel zwischen Generation X und Y überleben, meint Keding, schließlich zeigt schon der Terminfindungsversuch in einer Whatsappgruppe, dass ein gewisses Maß an Hierarchien nötig ist, um effizient Entscheidungen zu fällen.

Doch das größte Dilemma der Digitalisierung wird wohl tatsächlich die Frage sein, was diese Generation Z arbeiten soll. Wird die Welt in 50 Jahren nur noch von ITlern regiert? Und vor allem – verbessert die Digitalisierung unser Arbeitsleben wirklich? Denn wenn Google und Apple durch die Digitalisierung einerseits möglichst viel Arbeit abschaffen möchten, aber auch an Maßnahmen zur Lebensverlängerung forschen, und gleichzeitig auf der anderen Seite der Welt in einem japanischen Dorf die ältesten Menschen leben, weil sie bis an ihr Lebensende arbeiten, dann beschreibt dieses Paradox ziemlich gut die Probleme, die uns in der Arbeitswelt aufgrund der Digitalisierung erwarten werden.

Charlotte von Fallois, Studentin