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23.10.2015

Auf der Suche nach der Wahrheit

Zwei verfolgte Journalisten aus Libyen und dem Kosovo erzählen von ihrer Arbeit.

Endlich können Visar Duriqi aus dem Kosovo und Salah Zater aus Libyen mal wieder gut schlafen: Mit einem Stipendium der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte können sie sich ein Jahr lang in Hamburg von den Strapazen ihrer Arbeit erholen. Denn sie sind Journalisten auf der Suche nach Wahrheit - ein Wunsch, den sie in ihrem Land oft mit dem Preis von Angriffen und Todesdrohungen bezahlen müssen. Zusammen mit der Hamburger Stiftung organisierten Till Schmid und Mert Gülmez von der Amnesty-International-Hochschulgruppe am 7. Oktober 2015 einen Vortragsabend im Rahmen des Studium generale, in dem die Journalisten von den Risiken ihrer Arbeit erzählen konnten und dem Grund, warum sie trotz Gefahren immer weiter machen.

Duriqis Arbeit ist motiviert von seinem Schock über die stetige Islamisierung und Extremisierung seiner Heimat Kosovo. Mindestens 300 seiner Landsleute bekennen sich zum "Islamischen Staat". So hat er es sich zur Aufgabe gemacht, über die islamischen Extremisten in seinem Land zu schreiben. Die Arbeit wird ihm dadurch erleichtert, dass er als früherer Imam Kontakte zu Leuten aufleben lassen kann, die jetzt Mudschaheddins sind, und daher exklusive Einblicke in die Szene gewinnen kann. Doch seine Kritik an den Gruppierungen bringt ihm gefährliche Feinde ein - auch solche, die ihm mit seiner Enthauptung drohen.

Ähnlich bedroht lebte Zater in Libyen. Nach dem arabischen Frühling verschlechterte sich die Situation für freie Journalisten in seiner Heimat stetig. Inzwischen gehören Bedrohungen und Angriffe für ihn zur Tagesordnung. Seine Fahrer trauen sich nicht mehr mit ihm aus dem Auto; seine Freunde wenden sich aus Angst von ihm ab. "Bist du verrückt?", fragen sie. "Warum tust du das?" Zater zögert nicht mit einer Antwort: Er will für die Wahrheit kämpfen. Und Bestärkung bekommt er immer dann, wenn Menschen auf ihn zukommen und ihm dafür danken, dass er ihr Leben durch seine Arbeit ein kleines Stückchen gerechter gemacht hat.

Anders als Duriqi hat Zater die Hoffnung noch nicht verloren, dass es mit seiner Heimat irgendwann wieder bergauf gehen wird. Doch trotz seiner positiven Einstellung überwiegt während der Vorträge ein bedrückendes Gefühl ob der Ungerechtigkeiten in dieser Welt. Eine Stimmung voll Ehrfurcht und Respekt für den Einsatz und Determinismus der beiden Männer prägt auch nach dem Ende der Vorträge die anschließenden Gespräche bei Brezeln und Wein.

Isabella Naujoks, Studentin