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27.05.2016

Bucerius Greater China Talk – China verstehen

Spannender Vortrag des ehemaligen deutschen Botschafters in Peking über die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen Chinas.

China verstehen: Erster „Greater China Talk“ an der Bucerius Law School

Im fernen Osten leben unglaubliche 1,35 Milliarden Menschen in einem Land: China, das für viele Deutsche nur ein weißer Fleck auf der Weltkarte ist. Um Neugierigen ein besseres Verständnis von China zu bieten und Insidern ein Forum zum Vertiefen und Austauschen, hat der Bucerius Alumni e.V. die Vorlesungsreihe „Bucerius Greater China Talk“ ins Leben gerufen. Zum Auftakt lud er am 12. Mai 2016 Dr. Michael Schaefer ein, von 2007 bis 2013 deutscher Botschafter in Peking, und heute Vorsitzender des Vorstands der BMW Stiftung Herbert Quandt.

Der Redner stellte seine Denkanstöße vor, um China und das chinesische Selbstverständnis zu verstehen. Gleich am Anfang beschrieb er eindrücklich die Größe des Landes und die beachliche wirtschaftliche Entwicklung, die China seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik 1979 gemeistert hat. Hunger und Armut wurden aus eigener Kraft bekämpft, das Wirtschaftswachstum in den vergangenen drei Jahrzehnten ging weit über das deutsche Wirtschaftswunder nach dem zweiten Weltkrieg hinaus und die Infrastruktur reicht nun in fast jede Ecke dieses riesigen Landes.

Doch jetzt stehe das Land erneut vor enormen Herausforderungen: Statt der Wirtschaft wachse nun die Unzufriedenheit in der Bevölkerung, was zu einem größeren Legitimationsdruck der autoritären Regierung führe. Diese könne der wachsenden Unzufriedenheit nur entgegnen, indem sie wirksam Korruption, Umweltprobleme und die soziale Ungerechtigkeit bekämpfe. Als zwingende Voraussetzung hierfür sah Schaefer die Einführung eines rechtsstaatlichen Systems - auch wenn westliche Staaten endlich akzeptieren müssten, dass China sich wohl nie zu einer Demokratie nach ihrem Vorbild entwickeln werde. Gewaltige Aufgaben – aber wenn das eine Regierung schafft, so ist Schaefer sicher, – dann die Chinesische. Insbesondere, da sich diese immer mehr von einer stark ideologisierten zu einer „gnadenlos pragmatischen“ Regierung entwickle.

Präzise skizzierte Schaefer ein Bild von einem Land voller „Prinzen und Prinzessinnen“, ehrgeiziger Einzelkinder mit einem stark ausgeprägten Streben nach Reichtum und Erfolg; einem Land mit einem drohenden Werteverlust; einem chaotischen, beeindruckenden und faszinierenden Land. Mindestens genauso beeindruckend war der Redner mit einem Vortrag, in dem jeder Satz gehaltvoll war, der einen großen Bogen spannte von chinesischem zu „westlichem“ Selbstverständnis und dabei seine Nahbarkeit und eine Prise Humor nie verlor. Kein Wunder, dass sich bei den anschließenden Brezeln und Wein eine große Traube Studierender um ihn bildete.

Isabella Naujoks, Studentin