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03.12.2017

Bußgeldlos auf einen Klick?

Jan Ginhold erklärt die Geschäftsidee seines Legal Tech Unternehmens Geblitzt.de

Jan Ginhold, Gründer und Geschäftsführer von Geblitzt.de, während seines Vortrags an der Bucerius Law School

Wie schön wäre es, wenn ein Bußgeldbescheid einfach wieder aus der Welt wäre – und das ohne einen einzigen Anwalt aufsuchen zu müssen oder einen Cent zu zahlen? Was wie die Wunschfantasie einiger deutscher Autobahnraser klingt, hat Jan Ginhold, Gründer und Geschäftsführer von Geblitzt.de, längst in die Tat umgesetzt.

Wie sein Legal Tech basiertes Portal zur kostenlosen Prüfung von Bußgeldverfahren funktioniert, ist ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis, das bis auf die Vorstände der Bundesrechtsanwaltskammer bis jetzt nur wenigen Menschen außerhalb des Unternehmens bekannt war. Doch bei einer Veranstaltung des Studium professionale am 02. November 2017 gewährte Ginhold den Studierenden der Bucerius Law School im Rahmen der Legal Tech Lecture Reihe einen exklusiven Einblick in das Herz seiner Software.

Denn Geblitzt.de ist neben Flightright – das Unternehmen macht die Ansprüche auf Entschädigungen bei Flugstörungen geltend –  das größte und erfolgreichste Legal Tech-basierte Unternehmen am deutschen Markt. Über ein automatisiertes System werden die Erfolgsaussichten eines Bußgeldverfahrens juristisch geprüft. Dazu müssen sich die Kunden lediglich über die Website anmelden und alle erforderlichen Unterlagen hochladen. Daraus werden Datensätze erstellt, die anschließend an eine der beiden kooperierenden Verkehrsanwaltskanzleien weitergeleitet werden. Mit der Übergabe des Falls an den Anwalt wird bei der zuständigen Bußgeldstelle automatisch die betreffende Akte bestellt.

Für alle weiteren juristischen Schritte muss der Anwalt lediglich eine bestimmte Aktion anklicken. Dann werden per Knopfdruck vorgefertigte Dokumente an die Bußgeldstelle geschickt, die dort um die Variablen ergänzt werden, die bereits im Datensatz des Mandanten angelegt sind. Schließlich hat der Anwalt eine vollständige Akte vorliegen und nimmt anhand dessen eine vollständige Prüfung der juristischen Erfolgschancen vor. Abhängig davon wird der Mandant auch vor Gericht vertreten. Doch egal, wie eine juristische Prüfung ausgeht, der Mandant muss in keinem Fall zahlen. Das übernimmt in der Regel die Rechtsschutzversicherung bzw. Geblitzt.de. In einem Viertel der Fälle zahlt die Staatskasse, nämlich wenn der Fall vor Gericht gewonnen wird.

In Zukunft soll das System so ausgebaut werden, dass möglichst alle erforderlichen Verfahrensschritte wie eine Kettenreaktion automatisch ablaufen und von Anwälten nur noch überwacht und am Ende bewertet werden. Außerdem sollen durch umfassendere Datenanalysen auch verfahrensunabhängige Informationen in anonymisierter Form für statistische Bewertungen genutzt werden. Damit können Fehler im System schneller aufgedeckt werden, z.B. wenn der Straßenbeschilderungsplan falsch ist oder Messbeamte nicht vorschriftsmäßig geschult sind.

Gerade im Verkehrsrecht kann Legal Tech somit Routinevorgänge ersetzten und Anwälte bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Doch Ginhold ist sich sicher: Legal Tech lässt sich auch in anderen Rechtsbereichen einsetzten – vielleicht heißt sein nächstes Projekt also Gekündigt.de?

Charlotte von Fallois, Studentin