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11.02.2019

Club der Visionäre

Claire Demesmay und Jaqueline Hénard über Perspektiven deutsch-französischer Zusammenarbeit

Carolin Ollivier (Moderation), Dr. Claire Demesmay und Jaqueline Hénard

Laut dem Eurobarometer aus dem Herbst 2018 finden nur vier von zehn Europäern die EU positiv – im Auditorium der Bucerius Law School waren es am 30.01.2019 bei einer eine Veranstaltung des Studium generale in Zusammenarbeit mit „arabesques // dem Deutsch-Französischen Kulturfestival“ und der Deutsch-Französischen Gesellschaft Cluny e.V. wohl eher zehn von zehn der Befragten.

Zum Thema „Ein Europa – zwei Versionen? Deutsch-Französische Perspektiven zur Zukunft der Europäischen Union“ diskutierten dort Dr. Claire Demesmay, Leiterin des Programms Frankreich/deutsch-französische Beziehungen bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik
(DGAP), und die Journalistin und Publizistin Jaqueline Hénard, Managing Director der Unternehmensberatung CNC Communications & Network Consulting AG, über die deutsch-französische Zusammenarbeit und ihre Rolle für die EU.

Nach einer Einführung durch Dr. Ulrike Pluschke vom Studium generale begann die Moderatorin des Abends, Carolin Ollivier vom "Arte Journal", die Diskussion mit einem kurzen Publikumsblitzlicht: Was stört die Leute momentan an der deutsch-französischen Zusammenarbeit? Was sollte man verbessern?

Konkrete Vorschläge kamen zurück: So wünschte sich das Publikum zum Beispiel französisches Fernsehen auch in Deutschland empfangen zu können, das deutsche und französische Steuerrecht oder Arbeitsrecht zu harmonisieren oder den Fremdsprachenunterricht in Frankreich und Deutschland zu verbessern.

Laut Demesmay seien es genau solche konkreten Themen, die die Menschen nicht nur hier in Hamburg, sondern auch auf beiden Seiten der deutsch-französischen Grenze bewegen. Leider hätten aber die Themen, die medienwirksam auf europäischer Ebener besprochen werden, zum Beispiel die Krim-Krise, wenig mit den konkreten Ideen der Bürgerinnen und Bürger zu tun.

„Visionen sind nicht das Problem, Lösungen sind es!“ – damit brachte Hénard die Herausforderungen deutsch-französischer Zusammenarbeit in der Europäischen Union wohl gut auf den Punkt. Das Podium kamm dann auf den Vertrag von Aachen zu sprechen, welchen Angela Merkel und Emmanuel Macron am 22.01.2019 unterzeichnet hatten. Beide Podiumsteilnehmerinnen glaubten zwar nicht, dass mit dem Vertrag alle Probleme gelöst werden konnten, allerdings fand Hénard es sehr positiv, dass die Zivilgesellschaft im Aachener Vertrag explizit einen Platz bekommen habe. Demesmay betonte, dass in dem Vertrag auch ganz konkrete Pläne dazu entwickelt wurden, wie Grenzregionen von Europa profitieren sollten.

Der Aachener Vertrag sei somit ein wichtiges Symbol grenzüberschreitende Zusammenarbeit und gerade jetzt vor der anstehenden Europawahl ein wichtiges Zeichen. Denn nicht nur der Einfluss der nationalistischen Kräfte in den Mitgliedsstaaten selbst machte den Expertinnen Sorgen; sollten sich diese Kräfte auf europäischer Ebene zu einem Bündnis zusammenschließen und mehr als ein Drittel der Abgeordneten stellen können, wären sie zum Beispiel dazu in der Lage, Strafsanktionen gegen nationalistisch regierte Staaten zu verhindern.

Nachdem abschließend noch das Podium für Fragen des Publikums geöffnet wurde, gab es anschließend – ganz im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft – einen Empfang bei Brezeln und Wein.

Charlotte von Fallois