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05.02.2016

Der "acht-Sterne-Vollzug"

Dr. Hilde van den Boogaart über ihre Arbeit in der Justizvollzuganstalt Lübeck.

Am 20. Januar 2016 lud Professor Wolfgang Hoffmann-Riem erneut zu seiner Reihe "Was ist wichtig" ein, die er zusammen mit dem Studium generale organisiert. Diesmal war Dr. Hilde van den Boogaart zu Gast, welche unter der Moderation von Moritz Ahlers (Jahrgang 2012), von ihrer Arbeit in der Justizvollzugsanstalt erzählte und auch, wie sie zu diesem eher ungewöhnlichen Beruf gekommen ist.

Wie viele der Persönlichkeiten, die Professor Hoffmann-Riem bereits eingeladen hatte, ist auch van den Boogarts Lebenslauf von Umbrüchen durchzogen. Nach ihrem abgeschlossenen Lehramts-Studium bekam sie mangels Angeboten keinen Arbeitsplatz, stieg dann auf Soziologie um und hätte sich auch hier eine Professoren-Laufbahn vorstellen können - wären nicht kurz nach ihrer Dissertation alle Habilitations-Stellen gestrichen worden. Nach einem erneuten Umschwung, diesmal auf den Strafvollzug, fand sie auch in diesem Bereich ihren Weg, indem Hoffmann-Riem ihr in seiner damaligen Position als Justizsenator für die Stadt Hamburg die Leitung des Frauenvollzugs in der Vollzugsanstalt Billwerder übergab. Mit der Leitung der Sozialtherapeutischen Abteilung in Lübeck, die sie zurzeit inne hat, hat van den Boogart erneut die Chance bekommen, eine komplette Abteilung neu zu gestalten. Diese Gestaltungsfreiheit ist auch das, woraus sie die Kraft für ihren Beruf zieht.

Auch wenn van den Boogart Institutionen und insbesondere die Institution "Gefängnis" äußerst kritisch sieht, macht sie lieber aktiv mit um Dinge zu verändern um zu zeigen: "Es geht auch anders." So wird die sozialtherapeutische Abteilung von einigen kritisch gesehen, da der dort gebotene Standard eher einem "Acht-Sterne-Vollzug" anstatt einer harten Gefägnisstrafe gliche. Doch das sieht sie anders: Die ständige Überwachung und Therapie sei für die Bewohner äußerst anstrengend. Doch die Behandlung mit Respekt und konstante Hilfe sieht sie als Schlüssel zum Erfolg für eine erfolgreiche Resozialisierung. So berichtete sie von einem Bewohner, der das Ausbleiben eines Wutanfalls bemerkte und freudestrahlend ausrief: "Es wirkt!"

Unter der humorvollen Moderation von Ahlers bot van den Boogart spannende Einblicke in das Leben in einer Justizvollzugsanstalt, die Resozialisierung von Straftätern und woher Kriminalität eigentlich kommt. Neugierige und kritischen Fragen aus dem Publikum zeugten von dem großen Interesse der Studierenden, die im Februar bereits van den Boogarts Einladung folgen und sich die JVA Lübeck persönlich anschauen.

Isabella Naujoks, studentische Hilfskraft