Die Genauigkeit des Gedankens ist die des Wortes

Tonio Walter erklärt, wie auch Juristen "Recht verständlich" schreiben können.

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Die Juristensprache ist verpönt: lange Schachtelsätze voller Nominalisierungen, die das Verständnis juristischer Texte nicht nur für Laien zu einer Herausforderung machen. Daher hat sich Professor Dr. Tonio Walter, Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Europäisches Strafrecht an der Universität Regensburg, schon lange einem Projekt verschrieben: die juristische Sprache verständlicher zu machen. In seinen Rhetorikbüchern für Juristen gibt er Tipps für eine verständlichere Sprache, die er auf Einladung des Studium generale und Professor Dr. Matthias Jacobs, Inhaber des Lehrstuhls für Arbeitsrecht an der Bucerius Law School, am 17. Juni 2015 den Studierenden vorstellte.

Gleich zu Anfang musste Walter eine schlechte Nachricht überbringen: Er könne seinen Vortrag leider nur auf Deutsch halten. Bereits ab diesem Punkt, da Walter sich mit amerikanischem Akzent über die Anglizismen in der deutschen Sprache lustig machte, hatte er die ungeteilte Aufmerksamkeit des voll besetzten Hörsaals. Mit viel Charme machte er sich über die Eigenheiten der (juristischen) Sprache lustig und amüsierte mit unverständlichen Beispielen aus der Schachtelsatz-Rechtsprechung des EuGH. Sein Kommentar hierzu: "Zerschlagt das Schachtelmonster!" Dies war eine der vier Regeln, die er den Studierenden überbrachte. Weiter ermunterte er dazu, ordentlich über das nachzudenken, was man schreibt, um so das treffende Wort zu finden. Er kritisierte ferner die ständige Nominalisierung in der Juristensprache, auch wenn er zugab, dass es einfacher sei, in Nomen als in Verben zu denken. Und zuletzt gab er den Tipp, Überflüssiges zu streichen –denn je weniger der Leser verstehen müsse, desto leichter falle es ihm. Er erklärte, dass insbesondere Juristen dazu neigen würden, durch hochgestochene Sprache möglichst "fachmännisch" klingen zu wollen. Ein Trugschluss - denn so verschleiere man oft sein eigenes Unwissen. Doch auch solle man nicht zum "Sklave der Stilregeln" werden – nur eben solle man sich Verstößen bewusst sein.

Im Anschluss an den Vortrag hatten die Studierenden die Gelegenheit, unter der Moderation von Jacobs die Meinung von Walter zu einzelnen Stilfragen einzuholen. Bei den anschließenden angeregten Diskussionen bei Brezeln und Wein konnten die Studierenden ihren neu erlernten Stilregeln den letzten Feinschliff geben.

Hamburg