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01.10.2016

Ein Verteidigungsintellektueller von Weltrang

Buchvorstellung „Helmut Schmidt – der Weltkanzler“

Im November vergangenen Jahres verstarb Helmut Schmidt, ehemaliger Bundeskanzler und einer der wichtigsten und angesehensten deutschen Politiker des 20. Jahrhunderts.

Kristina Spohr, Historikerin und Autorin, hat nun ein Buch über sein Wirken veröffentlicht, das vom Ersten Bürgermeister Olaf Scholz am 15. September 2016 in der Bucerius Law School vorgestellt wurde. 

Scholz selbst erlebte den politischen Aufstieg Schmidts als junger Sozialdemokrat. Helmut Schmidt sei ein Kanzler gewesen, der Deutschland nach den Weltkriegen wieder Anerkennung in der Welt verschafft hätte. Neben seinen Leistungen als Krisenmanager während der Sturmflut 1962 als Hamburgs Innensenator oder während der Zeit der Roten Armee Fraktion als Bundeskanzler habe er vor allem die weltwirtschaftliche Bedeutung Deutschlands erkannt und ausgebaut. Er sei einer der ersten gewesen, die die Wirtschaftspolitik zu einem Faktor der Außenpolitik gemacht habe. So sei insbesondere der G7-Gipfel seine Schöpfung gewesen. Auch gelte er als Architekt des Rüstungsgleichgewichts.

An der anschließenden Diskussion beteiligten sich neben der Autorin selbst und Scholz auch Peer Steinbrück, ehemaliger Bundesfinanzminister, und Paavo Lipponen, ehemaliger Premierminister Finnlands und Freund von Helmut Schmidt. Die Moderation übernahm Matthias Naß von der ZEIT. 

Auf dem Podium stellte Spohr zunächst heraus, dass das Bild des „Machers“, das viele hierzulande von Altkanzler Schmidt hätten, ihm nicht ganz gerecht werde. Schmidt sei eben nicht nur „Macher“ sondern auch ein Intellektueller gewesen, der früh erkannt hätte, dass nationale politische Strategien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung verloren. 

Was die Weltwirtschaftsgipfel G7/G20 betreffe, so Steinbrück, könne man diese getrost abschaffen. Sie hätten nichts mehr mit dem gemein, was Schmidt an ihnen schätzte. Vielmehr handele es sich um vollständig durchgeplante, aufgeblasene Veranstaltungen, die lediglich den Sicherheitsapparat in den Austragungsorten unverhältnismäßig belasteten.

Im Hinblick auf aktuelle weltpolitische Entwicklungen kam das Podium schließlich noch auf die Beziehungen Europas zu Russland zu sprechen. Scholz betonte, dass Russland vor der EU und der NATO keine Angst haben dürfe. Man müsse sich klarmachen, dass deutsche Politik eben auch Auswirkungen auf andere Staaten habe. Diesbezüglich forderte er mehr kritische Reflexion. Steinbrück hielt entgegen, Russland sei kein militärisches Problem, sondern ein Systemproblem. Putin versuche ein autokratisches Gegenmodell zum demokratischen Westen aufzubauen.

Pablo Cardenal, Student