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29.01.2016

Faszination Dschihad

Warum in den Glaubenskrieg ziehen?

Diese Frage beschäftigt schon seit jeher Bürger, Soziologen und Nachrichtenreporter. Woher kommt es, dass sich Jugendliche von dem grausamen Krieg, der gerade in Syrien und im Irak tobt, anziehen lassen und die sichere Heimat Europa dafür verlassen? Zu dieser Frage lud die ZEIT-Stiftung am 18. Januar 2016 ausgewählte Gäste ein, die unter der Moderation von Yassin Musharbash, Redakteur von DIE ZEIT, zum Thema "Faszination Dschihad - Warum ziehen Jugendliche in den Krieg?" Stellung nahmen: Lamya Kaddor, Religionspädagogin und Islamwissenschaftlerin; Elmar Theyeßen, stellvertretender ZDF-Redakteur und Terrorexperte; Wolf Walther, Leiter der Beratungsstelle Radikalisierung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge; und Prof. Dr. Andreas Zick, Sozialpsychologe und Extremismusforscher.

Im vollen Auditorium berichteten die Gäste, was für - teilweise auch persönliche - Erfahrungen sie schon mit Jugendlichen gemacht haben, die in den Glaubenskrieg gezogen sind. So erzählte Kaddor, dass fünf ihrer Schüler nach Syrien gereist seien. Mit einem der vier Rückkehrer hatte sie sogar ein Gespräch und erzählte, dass er nach seiner Rückkehr die strenge islamische Lebensweise ganz schnell wieder aufgab. Walther berichtete, was für Anzeichen Familie und Freunde darauf aufmerksam machen sollten, dass Jugendliche sich radikalisierten, und berichtete, dass bis Ende Dezember 2015 ca. 780 Menschen aus Deutschland nach Syrien gereist waren. Zick sah eine der größten Herausforderungen darin, Radikalisierung durch soziale Medien zu unterbinden. Die große Magnetwirkung des IS sah er in seiner greifbaren Utopie und dem Kultstatus, den der Krieg in bestimmten Kreisen hätte. Einig waren sich alle Gäste darüber, dass es sich bei den jungen Dschihadisten allesamt und Persönlichkeiten mit vielen Brüchen handelte. Um Jugendliche, die Antworten und eine Identität suchten - und denen radikale Muslime einfach verständliche Antworten geben würden. Daher sei ein effektiver Kampf gegen Dschihadismus nur durch den zweigleisigen Weg "Fordern/ Sanktionieren und Fördern" möglich.

Eine spannende und hochaktuelle Diskussion zu einem faszinierenden Thema, der die Zuhörer gebannt folgten. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion gab es die Gelegenheit, vertiefte Fragen zu stellen, bevor die Diskussionen im lockeren Rahmen bei Brezeln und Wein fortgesetzt wurden.  

Isabella Naujoks, Studentin