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17.12.2014

”Gelebt wird nach vorn”

Gyula Trebitsch, einer der wichtigsten deutschen Filmproduzenten, als Hamburger Kopf

Gyula Trebitsch (1914 – 2005) ist gebürtiger Ungar – und schon früh ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Fasziniert von bewegten Bildern erwirbt er das Diplom als ”Königlich Ungarischer Filmvorführer”, arbeitet als Platzanweiser und gründet seine erste Filmproduktionsfirma.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wird der als ”wehrunwürdig” geltende Jude Trebitsch zum Arbeitsdienst eingezogen. Flucht und Deportation nach Norddeutschland treffen ihn schwer. Im Mai 1945 befreit, kommt er entkräftet und unterernährt ins Krankenhaus in Itzehoe. Voller Tatendrang setzt er sich schon bald für die Wiedereröffnung der beiden dortigen Kinos ein und übernimmt deren Leitung. 1947 zieht er nach Hamburg und gründet die Produktionsfirma ”Real Film”. Schauspieler wie Zarah Leander, Romy Schneider, Liselotte Pulver und Heinz Rühmann arbeiten für die mittlerweile bedeutendste Filmgesellschaft der Bundesrepublik. ”Der Hauptmann von Köpenick” wird für den Oskar nominiert, einer der größten Erfolge der ”Real Film”. Angesichts des Kinosterbens verlegt Trebitsch sich 1960 auf das Medium Fernsehen. So entsteht ”Studio Hamburg”, einer der Marktführer der deutschen Film- und Fernsehlandschaft. Der Zweiteiler ”Die Geschwister Oppermann” und erfolgreiche Serien wie ”Diese Drombuschs” stammen von dort.

Nicht ohne Bewunderung schildern Michael Töteberg und Volker Reißmann den Weg des Gyula Trebitsch, der treu seinem Motto ”Gelebt wird nach vorn” weit über die Grenzen Hamburgs hinaus Film- und Fernsehgeschichte geschrieben hat.

Michael Töteberg, Volker Reißmann – Gyula Trebitsch, im Rahmen der Hamburger Köpfe herausgegeben von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2014, 152 Seiten mit 45 Abbildungen, ISBN 978-3-8319-0585-0, 14,90 EUR