Grünes Licht für eine klimafreundlichere Zukunft

Transformation der Bucerius Law School zur nachhaltigen Hochschule

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Umweltbewusst leben bedeutet mehr als Ökostrom nutzen, Müll trennen und den fleischfreien Freitag einführen. Im Großen wie im Kleinen gibt es Bereiche, die an einer Hochschule nachhaltiger gestaltet werden können. Diese zu identifizieren und entsprechend anzupassen, ist die Aufgabe des im Februar gegründeten Green Office der Bucerius Law School. Wichtige Impulse kommen dabei von der studentischen Hochschulgruppe Klima & Nachhaltigkeit.

Neue Hochschulgruppe schafft Bewusstsein für Nachhaltigkeit 


Sommer 2019 – ein halbes Jahr Klimademonstrationen haben auch die Studierenden auf dem Campus der Bucerius Law School wachgerüttelt und deutlich gemacht, dass die Hochschule in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit über ein großes, weitgehend ungenutztes Potential verfügt. Zwar gab es bereits vereinzelt Aktionen und Projekte, doch Greta hat gezeigt, dass man gemeinsam mehr bewegen kann. Durch den Zusammenschluss einzelner Initiativen wurde die „Hochschulgruppe Klima und Nachhaltigkeit“ ins Leben gerufen und entwickelte sich innerhalb weniger Wochen zu einer der größten Hochschulgruppen an der Bucerius Law School mit über 100 Mitgliedern aus der Studierendenschaft.

Doch längst ist nicht allen die Dringlichkeit zu handeln bewusst: „Wir wollen die gesamte Hochschulgemeinde sensibilisieren und bei unseren Kommiliton:innen ein echtes Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen, indem wir das Thema auf dem Campus sichtbar machen und in die Lehre integrieren. Ähnlich wie Gleichstellungsfragen immer präsenter werden, wünschen wir uns das auch in Belangen des Klimaschutzes“, erläutert Martje Köppen, Head Orga der Hochschulgruppe. Mit Unterstützung des „netzwerk n“, eines von der UNESCO und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgezeichneten Projekts für nachhaltige Entwicklung an Hochschulen, wurden gemeinsam konkrete Ansätze entwickelt. Meinhard Weizmann, Geschäftsführer der Bucerius Law School: „Das Engagement und die Innovationskraft der studentischen Hochschulgruppe ist beeindruckend. Als Geschäftsführung befürworten wir die Idee eines nachhaltigen Campus voll und ganz und wollen in den nächsten Jahren gemeinsam Fortschritte erzielen. Dabei wissen wir sowohl die ZEIT-Stiftung, als auch die Stiftung zur Förderung der Bucerius Law School eng an unserer Seite.”

Gründung des Green Office 


Ein wichtiger Schritt zur institutionellen Verankerung von Nachhaltigkeit an der Hochschule ist bereits erfolgt: Im Februar 2020 wurde unter der Leitung von Thies Hauck ein „Green Office“ gegründet. „Gemeinsam mit der studentischen Hochschulgruppe konnten erste Projekte angestoßen werden: von der schrittweisen Reduzierung des Papierverbrauchs über das Konzept einer Reiserichtlinie einschließlich CO2-Kompensation bis hin zur Vorbereitung eines hochschulweiten Programms zum Umweltmanagement“, berichtet Thies Hauck.

Die Ansatzpunkte bei der Transformation der Hochschule sind vielfältig. Auch die Bewertung der gastronomischen Angebote auf Nachhaltigkeit, zum Beispiel im Hinblick auf die Vermeidung von Verpackungsmüll und Essensabfällen sowie die Reduzierung tierischer Produkte, gehören dazu. Entsprechend wurde jüngst beschlossen künftig bei allen Campus-Veranstaltungen von Hochschulleitung und -management auf Fleisch- und Fischprodukte zu verzichten. „Langfristig ist das übergeordnete Ziel, den Campus klimaneutral zu gestalten und darüber hinaus eine Diskussionsplattform darüber zu schaffen, wie klima- und nachhaltigkeitsrechtliche Inhalte Eingang in die Lehre finden könnten“, fasst der Leiter des Green Office zusammen.
 

„Grüne” Lehre an der Law School


Klima- und nachhaltigkeitsrechtliche Inhalte in die Lehre zu integrieren ist auch ein Aspekt, welcher der Hochschulgruppe besonders am Herzen liegt. „Das Recht kann und wird an ganz vielen verschiedenen Stellen zur Bewältigung des Klimawandels beitragen. Nicht nur im öffentlichen Recht, ebenso im Steuerrecht, im Deliktsrecht und im Umweltstrafrecht gibt es hier zahlreiche wichtige Anknüpfungspunkte“, sagt Martje Köppen. Zu den weitergreifenden Visionen der Studierenden gehören daher auch die Einführung eines Wahlkurses „Ökologische Analyse des Rechts“ sowie die Realisierung einer Tagung  „Schnittstellen JuraxKlima”. Bis es soweit ist, möchte die Hochschulgruppe kontinuierlich ihr Netzwerk zu Expert:innen aus Kanzleien und ThinkTanks sowie zu staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen ausbauen, um Referent:innen für Campus-Veranstaltungen zu gewinnen. So soll es im Mai in Kooperation mit der ZEIT-Stiftung einen (virtuellen) „Zukunftsdialog“ zur Covid-19 Pandemie als Ausgangspunkt für einen nachhaltigen Systemwandel geben. Perspektivisch wird auch das Angebot von Praktikums- und Referendariatsplätzen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz immer mehr erweitert – um so unter den angehenden Jurist:innen Impulse zu setzen, die eigene Gegenwart und Zukunft klimagerechter zu gestalten.
 

Autoren: Lena Johannes & Thies Hauck

Fotos: © HSG Klima & Nachhaltigkeit

Hamburg