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20.11.2015

"Ich biete an."

Pastorin Atze über Religion und Glaube.

Erneut lud Professor Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem in Zusammenarbeit mit dem Studium generale am 4. November 2015 zu seiner beliebten Gesprächsreihe "Was ist wichtig" ein. In lockerer und gemütlicher Atmosphäre befragte Jonathan Schramm aus dem Jahrgang 2014 Julia Atze, Pastorin am Hamburger Michel – laut Hoffman-Riem der "Bucerius Law School der Kirchen" – über ihren Werdegang als Pastorin und die Herausforderungen, die damit einhergehen.

Atze kam in einem Alter, als sich andere kritisch zur Religion stellten, zu ihrem Glauben: Im Alter von 13 Jahren fing sie an, sich intensiv mit Religion zu beschäftigen und in der Bibel zu lesen. Den Religionsunterricht in der Schule fand sie jedoch nicht sehr spannend – sodass die Neugierde sie dazu trieb, ein theologisches Studium aufzunehmen. 2013 wurde sie dann zur ersten weiblichen Pastorin im Michel ernannt – eine Position im Scheinwerferlicht. Die mediale Aufmerksamkeit war ihr am Anfang sehr unangenehm. Keine Überraschung, denn die Pastorin lebt von Authentizität, die in einem Zeitungsartikel kaum vermittelt werden kann. Von ihrer Kanzel predigt sie nur das, wovon sie wirklich überzeugt ist – auch wenn eine schwierige Predigt manchmal erst unter steigendem Zeitdruck am späten Samstagabend fertig wird. Viel wichtiger als die Predigt vor einer anonymen Masse ist für sie als Pastorin allerdings der Kontakt mit Menschen – ein Spagat zwischen Beruf und Privatleben, der sie immer wieder vor Herausforderungen stellt. Zum Beispiel eine Grenze zu ziehen zwischen der Pastorin, die von allen als allverfügbar angesehen wird, und der Privatperson, die auch mal Ruhe und Zeit mit ihrer Familie benötigt. Und wenn sie für manche Lebensschicksale keine Erklärung finden kann, lässt sie das auch zu. "Es gibt halt keine Antwort auf dieses 'Warum'. Diese Frage darf man auch mal stehen lassen."

Die Studierenden merkten früh, dass vor ihnen eine Frau sitzt, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. In der intimen Atmosphäre stellten sie persönliche und auch kritische Fragen über Glaube und Religion, die Atze überlegt und aufrichtig beantwortete. Ein sehr ehrliches und mitreißendes "Gruppengespräch" über ein sensibles und persönliches Thema: Glauben.

Isabella Naujoks, Studentin