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15.11.2016

Interdisziplinäres Seminar zum Medizin(straf-)recht

Zum zweiten Mal fand in diesem Herbst das erneut mit 40 Anmeldungen aus einem einzigen Jahrgang stark nachgefragte interdisziplinäre Seminar zum Medizin- und Medizinstrafrecht statt.

Prof. Dr. med. Rainer Thomasius und Prof. Dr. med. Jan Sperhake

Unter der Leitung von Prof. Dr. Karsten Gaede gaben 23 BLS-Studenten aus dem Jahrgang 2015 nicht nur einander, sondern auch Studenten der Medizin (Asklepios Medical School und UKE) Einblicke in vielfältige Fragestellungen des Medizinrechts. Das Seminar konnte von dem Wissen verschiedener Gäste aus der medizinischen Praxis und Forschung profitieren. So nahm Dr. med. Constantin Blanke-Roeser, Absolvent der BLS, am gesamten Seminar teil. Er trug, wie die anderen Gäste, dazu bei, zwischen Juristen und Medizinern eine Brücke zu schlagen, damit die oft stark differierenden Fachsprachen und Perspektiven einem gemeinsamen Verständnis nicht entgegenstehen.

Das Seminar startete mit drei Abendveranstaltungen an der Bucerius Law School. Der erste Abend war insbesondere von Einblicken geprägt, die Prof. Dr. med. Jan Sperhake, Oberarzt am Rechtsmedizinischen Institut des UKE, zur realen Berufswelt von Rechtsmedizinern und Pathologen ermöglichte. Intensiv debattierten die Teilnehmenden insbesondere die Frage, wo strafwürdige ärztliche Fahrlässigkeit beginnt und wo Unglücke und Systemversagen schwere Folgen nach sich ziehen.

Am zweiten Abend war Prof. Dr. med. Rainer Thomasius, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendsucht am UKE, zu Gast. Dank des Inputs, den Herr Thomasius insbesondere zu den Gefahren für Kinder und Jugendliche einbrachte, war eine medizinwissenschaftlich fundierte Debatte über die Freigabe von Cannabis möglich. Ebenso standen der ärztliche Umgang mit Drogen und damit die Abgabe von Drogenersatzstoffen sowie der Einsatz von Cannabis als Medizin im Mittelpunkt.

Der dritte Abend wurde von Oberstaatsanwältin Cornelia Gädigk und von der Justiziarin des UKE, Dr. Frauke-Leonie Doch, bereichert. Zu allen Themen des Abends, wie zum Beispiel zur Garantenstellung des Arztes für ihre Patienten und der Eltern hinsichtlich der medizinischen Versorgung ihrer Kinder, konnten die Rechtsfragen dank ihrer Beiträge besonders lebensnah und zugespitzt diskutiert werden.

Die weiteren Vorträge fanden in zwei Tagesveranstaltungen im Goßlerhaus in Blankenese statt. Hier wurden zahlreiche weitere Themen gemeinsam mit Dr. med. Mortimer Gierthmühlen erörtert, der als Neurochirurg des Universitätsklinikums Freiburg an der Veranstaltung mitwirkte und die Seminarthemen in konkrete Fälle der medizinischen Praxis übersetzte. Die Themen reichten vom Schutz der menschlichen Psyche über die Probleme der Fortpflanzungsmedizin und der Transplantationsmedizin bis hin zu Fragen der Patientenrechte und der Korruption im Gesundheitswesen.

Lara Blume, Wissenschaftliche Mitarbeiterin