News

06.07.2016

Jura… und dann? Strafverteidigerin

Dr. Ramona Francuski (Jahrgang 2005) arbeitet in der Kanzlei ROXIN Rechtsanwälte LLP, eine Boutique-Kanzlei, die auf Wirtschafts- und Steuerstrafrecht spezialisiert ist.

Was ist eine Boutique-Kanzlei?

Eine Boutique-Kanzlei ist eine Kanzlei, in der mit relativ wenigen, dafür aber hoch spezialisierten Anwälten gearbeitet wird. Am Standort Hamburg sind wir hier bei ROXIN beispielsweise augenblicklich zu sechst und alle Rechtsanwälte sind ausschließlich im Bereich des Wirtschafts- und Steuerstrafrechts tätig.


Was macht man als Rechtanwältin im Bereich Wirtschafts- und Steuerstrafrecht?

Wir beraten und verteidigen in diesem Gebiet sowohl Individualpersonen als auch Unternehmen. Dabei sind die Arbeitsbereiche sehr vielfältig: angefangen bei der Beratung von Unternehmen bei der Vermeidung von strafrechtlichen Risiken über die Begleitung der Mandanten in wirtschafts- und steuerstrafrechtlichen Ermittlungsverfahren bis hin zur klassischen Strafverteidigung vor Gericht.


Wie wird man Strafverteidiger/in, wenn man an der Law School fertig ist?

Um Strafverteidiger zu werden, muss man zunächst beide Staatsexamina ablegen. Will man im Wirtschafts- und Steuerstrafrecht tätig werden, so sollte man unbedingt schon während des Studiums, unter Umständen in einer Promotion und im Referendariat entsprechende Schwerpunkte setzen. Denn nur wenige Kanzleien sind in diesem Bereich spezialisiert und gute Vorkenntnisse helfen einem beim Berufseinstieg enorm.

Ich selbst habe schon im Studium an der Law School den Schwerpunkt Wirtschaftsstrafrecht gewählt, weil mein Herz schon sehr früh für das Strafrecht geschlagen hat. Nach meinem ersten Staatsexamen habe ich dann bei Professor Rönnau in diesem Bereich promoviert und zwei Jahre lang an seinem Lehrstuhl (für Strafrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht) gearbeitet.

Im Rahmen des zweijährigen Referendariats habe ich meine Stationen, soweit das möglich war, ebenfalls strafrechtlich ausgestaltet: Ich war bei der Staatsanwaltschaft, bei der Polizei, beim 1. Strafsenat des Oberlandesgerichts in Hamburg und auch bei ROXIN. In dieser Zeit konnte ich für mich noch einmal „in der Praxis“ testen, ob ich mich beruflich endgültig dem Strafrecht verschreiben soll – und ich bin dabei geblieben!


Was ist das Tolle an deinem Job?

Das Tolle an meinem Job ist, dass jeder Tag anders aussieht: Vielleicht ruft morgens ein Mandant an, weil die Staatsanwaltschaft vor seiner Tür steht und seine Wohnung durchsuchen will. Möglicherweise steht eine Besprechung an, in der man für den Mandanten nicht nur rechtlicher Berater ist, sondern auch versucht, ihm den persönlichen Druck eines Strafverfahrens etwas zu nehmen. Oder man hat als Verteidiger oder Beistand für einen Zeugen einen Termin bei Gericht. Selbst die Rechtsfragen können von Steuerhinterziehung bis zur Tötung von Fledermäusen reichen. Mein Alltag ist und bleibt einfach sehr bunt!


Was ist für dich die größte Herausforderung?

Als größte Herausforderung in meinem Job empfinde ich die verschiedenen Kommunikationssituationen, mit denen man umgehen muss. Es ist nicht immer einfach, einem Mandanten zu vermitteln, dass sein Handeln rechtlich möglicherweise verboten und sogar strafbar war, oder mit einem Staatsanwalt über die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens zu diskutieren. Man lernt einfach nie aus; wir haben im Strafrecht viel mit Menschen zu tun und auf diese Menschen muss man sich eben immer wieder neu einstellen.


Wem würdest du empfehlen, diesen Beruf zu ergreifen? Was braucht man dafür?

Mal abgesehen vom fachlichen Interesse muss man für den Job als Strafverteidiger vor allem gerne mit Menschen arbeiten. Wir sitzen deutlich weniger im Büro über Akten, als das in anderen Rechtsgebieten und in großen Kanzleien der Fall sein mag. 


Warum hast du dich damals für die Law School entschieden?

Ich hatte von der Law School schon relativ früh gehört. Die Bewertungen in den Uni-Rankings waren 2004 schon klasse und das Konzept des Lehrens und Lernens in deutlich kleineren Gruppen als an staatlichen Universitäten fand ich gut. Außerdem reizte mich die Internationalität; ich habe beispielsweise während meines Studiums neben den verpflichtenden Englischkursen noch Französisch belegt und angefangen Russisch zu lernen. Das war ein großartiger Ausgleich zum Jura-Alltag! Die Law School bot einfach schon von außen mehr als „nur“ Jura.


Für wen ist die Law School eine gute Wahl – und für wen vielleicht nicht?

Die Law School ist sicher nicht der „einzige richtige Weg“. Sie ist vor allem für diejenigen gut geeignet, die gerne in kleinen Gruppen lernen und die Veranstaltungen, die im Studium angeboten werden, auch nutzen wollen. Denn dadurch, dass an der Law School vor allem in den Kleingruppen viele Alumni unterrichten, werden die Studierenden eben nicht nur gefördert, sondern auch gefordert. Außerdem muss man Lust darauf haben, ein bisschen über den Tellerrand zu schauen; neben Jura gibt es an der Law School gerade Sprachkurse, BWL- und VWL-Vorlesungen und so vieles mehr.  


Was war dein erster Eindruck von der Law School?

Mein erster Eindruck war: Wow, ist das schön hier! Bis heute denke ich das, wenn ich mal wieder auf dem Campus bin. Es lässt sich – gerade im Sommer – einfach gut dort aushalten.


Wie hast du damals das Auswahlverfahren erlebt?

Das Auswahlverfahren habe ich als sehr anstrengend erlebt. Ich war mir nach dem schriftlichen Teil auch fast sicher, dass das nicht gereicht haben kann, weil ich mit nahezu keinem Aufgabentyp vollständig fertig geworden bin. Auch der Tag des mündlichen Auswahlverfahrens war sehr lang und nervenaufreibend. Neben den beiden Gruppengesprächen hatte ich meine Einzelgespräche mit zwei Law School-Professoren, was mich noch nervöser gemacht hat. Im Laufe des Tages hat sich die Atmosphäre unter den Bewerbern aber deutlich entspannt. Wir saßen gemeinsam in der Sonne auf dem Rasen und haben nette Gespräche geführt. 


Was ist deine schönste Erinnerung an deine Zeit an der Law School?

Es gibt viele sehr schöne Erinnerungen an meine Zeit an der Law School. Ich habe dort viele meiner engsten Freunde kennengelernt. Besonders schön waren immer die gemeinsamen Grillabende auf dem Campus. Wir haben an der Law School nicht nur studiert, wir haben auf dem Campus auch gelebt und viele sehr schöne Stunden genossen!


Was hat dir die Law School mitgegeben? Wovon hast du im Rückblick besonders profitiert?

Ich habe im Rückblick davon profitiert, dass die Law School so herausfordernd war. Ich musste dort erst einmal herausfinden, wie ich überhaupt Jura lernen und mich auf die Klausuren vorbereiten soll; aber so ging es uns allen und unser Jahrgang hat immer zusammengehalten. Außerdem hat mir die Law School ein sehr wertvolles Netzwerk vor allem in der Hamburger aber auch insgesamt in der deutschen Juristenwelt mitgegeben.