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29.01.2016

Legal Engineering

Dr. Gernot Halbleib über sein Wirken an der Schnittstelle zwischen Recht und IT.

Was ist ein Legal Engineer und wie passen die beiden Bereiche Recht und Informatik überhaupt zusammen? Unter anderem auf diese Fragen ging Dr. Gernot Halbleib, Alumnus der Bucerius Law School, Legal Engineer und Gründer von "Recht ohne Risiko", am Abend des 22. Januar 2016 im Moot Court ein.

Halbleib erzählte, dass für ihn nach seinem Jurastudium klar war, dass er keinen der klassichen juristischen Berufe ausüben wollte. Er wollte seiner Leidenschaft für die IT und das Unternehmertum folgen und wurde schließlich ein Teil der Berliner Start-Up-Szene, ehe er sich wieder mehr mit dem rechtlichen Bereich befasste und begann, als Legal Engineer zu arbeiten.

Er brennt für die Frage, wie man juristische Arbeitsabläufe durch Technik effizienter und schneller machen kann. Voraussetzungen dafür, dass sich juristische Sachverhalte technisch erfassen lassen, sind standardisierbare, einfach zu beweisende Sachverhaltsmerkmale sowohl auf der Tatbestands- als auch auf der Rechtsfolgenseite. Als Beispiel nannte Halbleib Massenverfahren, bei denen die Rechtslage oftmals von Fall zu Fall annähernd identisch ist. Anwälte verschwendeten zu viel Zeit mit Aufgaben, die eine von Informatikern entwickelte Standardsoftware für sie übernehmen könnte, wie zum Beispiel dem Verfassen von Anspruchsschreiben oder der Verarbeitung und Aufbereitung der sich im Sachverhalt befindlichen Informationen. Noch, so bedauert Halbleib, gebe es allerdings keine Software, die alle nötigen Komponenten vereint und den Kanzleien einige Arbeit erspart.

Der Hauptgrund dafür sei, dass die Kommunikation zwischen Juristen und Informatikern schwierig ist. Ein Jurist versteht ebenso wenig die Fachsprache eines Informatikers wie umgekehrt. Genau an dieser Stelle kommt der Legal Engineer ins Spiel. Er arbeitet an der Schnittstelle zwischen Informatikern und Juristen und ist Fachmann in beiden Bereichen. Er digitalisiert die durch den juristischen Experten entwickelten Zusammenhänge und spezifiziert sie so, dass sie durch den IT-Experten in ein wissensbasiertes IT-System umgesetzt werden können, das juristische Arbeit automatisiert.

Man darf gespannt sein, inwieweit sich Halbleibs Visionen verwirklichen und ob die Kanzleien schon bereit sind für diesen Schritt hin zu mehr Effektivität und Optimierung der Arbeitsabläufe.

Im Anschluss an den interessanten Vortrag gab es bei Brezeln und Wein noch weiterhin Möglichkeit zum regen Austausch. 

Silas Jansen, Student