News

30.10.2015

Menschenrechtstag zur Radikalisierung von Jugendlichen

Hamburger Oberstufenschüler und -schülerinnen vertiefen ihr Wissen über die Menschenrechte anhand der aktuellen Problematik der Radikalisierung von jungen Muslimen.

50 Schüler allein aus Hamburg sollen mittlerweile islamistischen Gruppen beigetreten und in Kriegsgebiete gereist sein. 13 von ihnen sind gestorben. Woher kommt dieser Trend zur Radikalisierung? Wie lässt sich dieser Entwicklung, insbesondere an den Schulen, entgegentreten? Und welche Rolle spielen bei dieser Diskussion die Menschenrechte? Diese Fragen standen beim diesjährigen Menschenrechtstag im Vordergrund, den die Initiativgruppe „Menschen für Menschenrechte“ (Verena Hüser, Theresita Lieben-Seutter und Karsten Gaede) abermals an der Bucerius Law School für die Hamburger Oberstufe organisiert hatte. Dazu fanden sich am 12.10.2015 rund 300 Hamburger Oberstufenschüler und -schülerinnen und einige Studierende der Bucerius Law School im Auditorium unserer Hochschule ein.

Nach einer kurzen Begrüßung eröffnete Professor Dr. Karsten Gaede die Veranstaltung mit einer allgemeinen Einführung in die Entwicklung, die Bedeutung und die Probleme der Menschenrechte. Dabei nahm in diesem Jahr das Spannungsfeld zwischen persönlicher Freiheit des Einzelnen und der Verantwortung des Staates für die Sicherheit der Allgemeinheit einen großen Raum ein.

Nachdem die Studierenden Rebecca Krause, Mert Gülmez und Till Schmid die Amnesty International Gruppe der BLS vorgestellt hatten, sprach Frau Dr. Irmgard Schrand, Islamwissenschaftlerin am Landeskriminalamt Hamburg. Sie ordnete unter dem Schlagwort „Faszination Aufstand“ die Tendenzen zur Radikalisierung jugendlicher Muslime in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext ein und zog Parallelen zu anderen Fällen von Protestkultur und Abweichung von der sozialen Norm. Dabei verdeutlichte sie, wie islamistische Gruppen derzeit typische Vorgänge und Erscheinungsweisen von Jugendkultur unter anderem mittels sozialer Medien gezielt nutzen, um die Zielgruppe anzusprechen. Im Rahmen dessen ging sie auch auf das Problem ein, dass Fälle übersteigerter Terrorismusbekämpfung, bei der die Grundrechte nicht beachtet worden sind, Wasser auf die Mühlen der Propaganda radikaler Gruppen darstellen. All dies wurde dem Publikum durch Bild- und Videomaterial plastisch dargestellt.

Den Schluss bestritt Herr Kurt Edler, Pädagoge des Hamburger Netzwerks Prävention und Deradikalisierung. Er griff die Thematik der Vorrednerin auf und schilderte die konkreten Vorgänge an den Schulen sowie Möglichkeiten der Früherkennung von gefährdeten Jugendlichen. Zudem stellte er mögliche Reaktionsmethoden für Lehrer und Mitschüler vor. Er zeigte auf, welche Stellen zurate gezogen werden sollten. Grundsätzlich betonte er, dass ein fachübergreifender Diskurs über Sozial- und Rechtsbeziehungen innerhalb des Schulalltags ein Teil eines Lösungsansatzes sein müsse. Die Schlüsselfrage bilde ein gutes Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler.

Während der gesamten Veranstaltung beteiligten sich die Schüler und Schülerinnen durch Nachfragen und kritische Anmerkungen. Die große Resonanz legt Folgeveranstaltungen nahe.

Johannes Wölfel, wissenschaftlicher Mitarbeiter