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23.09.2016

"Mut, Gemeinschaftssinn, Exzellenz" – Die Bucerius Law School startet in das akademische Jahr 2016/17

Festredner Wolfgang Ischinger spricht über sicherheitspolitische Herausforderungen für Deutschland, Europa und die Welt.

Am Freitag, den 23. September 2016, hat die Bucerius Law School in der Handelskammer Hamburg den Start in das neue akademische Jahr 2016/17 gefeiert.

Professor Dr. Michael Göring, Vorstandsvorsitzender der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, erinnerte eingangs an den kürzlich verstorbenen Altbürgermeister Dr. Henning Voscherau, der verschiedenen Gremien der Stiftung und der Bucerius Law School angehörte, u.a. war er Vorsitzender des Kuratoriums der Hochschule. Göring hieß danach die Gäste herzlich willkommen, insbesondere die 116 neuen Jurastudierenden und deren Eltern, die 44 internationalen Teilnehmer des Bucerius Master of Law and Business und die 94 internationalen Austauschstudierenden der Partnerhochschulen. Er erinnerte an das Gründungsmotto der Bucerius Law School: „We want to make a difference!“, und rief die neuen Studierenden dazu auf, diesen Unterschied aktiv zu gestalten. Göring stellte im Anschluss Meinhard Weizmann vor, der ab dem 1. Oktober 2016 als neuer Geschäftsführer der Hochschule seinen Dienst antritt. „Gemeinsam“, so Weizmann an den neuen Studierendenjahrgang gerichtet, „werden wir unser erstes Jahr beginnen, lassen Sie uns die Zukunft gestalten.“

Die Festrede von Wolfgang Ischinger, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland und Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, hatte das Thema „Zerfällt die Weltordnung? – Sicherheitspolitische Herausforderungen für Deutschland, Europa und die Welt.“ Das europäische Projekt ist gefährdet, so Ischinger. Es sei nicht undenkbar, dass sich Europa zurückentwickelt in nationalstaatliche Egoismen und Chaos. Europa sei aber eine politische und wirtschaftliche Notwendigkeit; innere und äußere Sicherheit könne kein europäischer Nationalstaat allein gewährleisten. Die Gegenwart erweise sich dabei als schwierig und gefährlich wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor 25 Jahren nicht mehr. Mehrere Gründe seien dafür auszumachen: Das Versagen einer Global Governance, der strategische Rückzug der USA aus der europäischen Krisendiplomatie, die neue Rolle Russlands sowie die Entgrenzung von Konflikten. Ischinger konstatierte, dass für Europa vor dem Hintergrund dieser globalen Entwicklungen nur der Weg in die weitere Integration offenstehe. Dazu bedürfe es einem Mehr an gemeinsamer Außen- und Sicherheitspolitik, einer Korrektur mehrerer Schönwetterkonstruktionen in der europäischen Organisation sowie mehr Mut und Initiative. Er wünsche sich ein tatkräftiges Europa, das mehr politische und moralische Verantwortung wahrnehme und das in größerem Rahmen denke und handle. Ischinger resümierte mit der Feststellung, dass die EU eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte ist, auf die wir stolz sein sollten, aber sie ist in Gefahr. Er schloss mit einem Zitat des belgischen Politikers Paul-Henri Spaak, einem der Gründerväter Europas, das die Notwendigkeit der weiteren europäischen Integration veranschaulicht: In Europa gebe es, so sagte Spaak einmal, nur zwei Typen von Staaten: kleine Staaten und kleine Staaten, die noch nicht verstanden haben, dass sie klein sind.

Vor der feierlichen Immatrikulation richtete die Präsidentin der Hochschule, Professor Dr. Dr. h.c. mult. Katharina Boele-Woelki, die Worte an die neuen Studierenden. Es gebe natürlich nicht die typischen Bucerius-Studierenden. Aber es gebe Charaktereigenschaften und Werte, die die Studierenden, Professoren und Verwaltungsmitarbeiter sowie die Freunde und Förderer miteinander verbinden: Mut, Gemeinschaftssinn und Exzellenz. Diese Kernwerte der Bucerius Law School werden von den Menschen an der Bucerius Law School mit Leben gefüllt und gleichzeitig von der Hochschule gefördert. Mutig ist, wer bereit ist neue Wege zu gehen, wer eine positive Einstellung hat und in Möglichkeiten denkt; wer Diversität begrüßt und unterschiedliche Stärken zu schätzen weiß, wer ermutigt und befähigt und mit gutem Beispiel vorangeht. Respekt, Verantwortungsbewusstsein, Unterstützung und ein vertrauensvoller Umgang würden den Kernwert Gemeinschaftssinn ausmachen: „Wir sind offen und ehrlich, setzen uns für andere ein und lassen niemanden mit Problemen alleine. Wir teilen unser Wissen miteinander und mit anderen.“ Beim Kernwert Exzellenz ist das Vorbild Gerd Bucerius. Er stellte hohe Ansprüche an sich selbst. Dieser Wert bedeutet auch, das Beste aus sich herauszuholen, lernbegierig zu sein und leistungsbereit sowie sichtbar begeistert zu sein vom Fach Jura. Die Präsidentin schloss mit den Worten: „Machen Sie von den vielen Angeboten und Anregungen Gebrauch und zeigen und entfalten Sie Ihre Persönlichkeit! Wir bieten Ihnen dazu jede Gelegenheit.“

Im Anschluss fanden mehrere akademische Ehrungen statt. Privatdozent Dr. Mehrdad Payandeh, LL.M. (Yale), wurde zum Universitätsprofessor  ernannt. Er ist neuer Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Recht, Europarecht und Öffentliches Recht an der Bucerius Law School. Professor Dr. Dana Beldiman überreichte danach die Zertifikate in „IP, Media and Technology Law“, die im Rahmen des Studiums an der Bucerius Law School erworben werden können.  Professor Dr. Christian Bumke, Leiter des neu gegründeten Promotionszentrums an der Bucerius Law School, die Präsidentin Professor Dr. Katharina Boele-Woelki und Bundesminister a.D. Professor Dres. h.c. Manfred Lahnstein, ehrten im Anschluss die Promovierten des vergangenen Jahres. Die Rede von Christian Bumke steht hier zum Download bereit...

Fotos von der Veranstaltung...