5 Minuten mit: Professor Felix Hanschmann

Prof. Hanschmann übernimmt den Stiftungslehrstuhl für Kritik des Rechts

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Zum 1. Mai 2021 übernimmt Professor Dr. Felix Hanschmann den neu eingerichteten Lehrstuhl „Kritik des Rechts – Grundlagen und Praxis des demokratischen Rechtsstaates“. Damit wird an der Bucerius Law School ein zweiter Grundlagenlehrstuhl geschaffen.

Gestiftet wird der Lehrstuhl von Dieter Hubertus Pawlik. Pawlik ist Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei „wuertenberger Rechtsanwälte“ in Stuttgart, wo er im Öffentlichen Wirtschaftsrecht tätig ist. Er ist Vorstandsmitglied der Europäischen Buchmacher Vereinigung und Mitglied des Wirtschaftsrates Deutschland. Der Lehrstuhl wird von Dieter Pawlik persönlich gestiftet, nachdem zunächst geplant war, eine Stiftung zu gründen.

Zur Person

Felix Hanschmann hat Rechtswissenschaften und Soziologie in Frankfurt und Darmstadt studiert. Nach der Promotion in Frankfurt war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht und am Bundesverfassungsgericht tätig. Zuletzt hatte Felix Hanschmann eine Professur für Öffentliches Recht, insbesondere Verfassungsrecht und Rechtsphilosophie, an der Humboldt-Universität zu Berlin inne.

Die Präsidentin der Bucerius Law School, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Katharina Boele-Woelki, lobt Hanschmann als „dynamischen, inspirierenden und breit aufgestellten Kollegen, der als Dozent und Wissenschaftler eine hervorragende Reputation genießt“. Auch der Stifter des Lehrstuhls, Dieter Hubertus Pawlik, freut sich sehr über die Berufung Professor Hanschmanns und würdigt ihn als „sensationell kritischen und klugen Geist“.

„Kritik des Rechts“ als persönliche Haltung

Professor Hanschmann wird an der Bucerius Law School den Lehrstuhl für „Kritik des Rechts“ übernehmen. Danach gefragt, was er hierunter versteht, sagt Hanschmann: „Der Begriff verweist auf eine Vielzahl von theoretischen und methodischen Zugängen zum Recht. Allen gemein ist aber, das Recht nicht einfach hinzunehmen, sondern es kritisch zu befragen.“ Zentral dafür sei es, das Recht als Produkt gesellschaftlicher Auseinandersetzung und unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessen zu sehen.

Neben diesem wissenschaftlichen Verständnis bedeutet „Kritik des Rechts“ für Professor Hanschmann aber auch eine Haltung. Diese Haltung gebiete es, das Recht immer wieder daraufhin zu hinterfragen, wo es Machtverhältnisse perpetuiert und Ungleichheiten versteckt oder sie sogar produziert. Dieses Verständnis deckt sich mit dem Wunsch des Stifters: „Recht soll gestaltet und nicht einfach blind angewendet werden“, sagt Pawlik.

Bedarf nach dem Lehrstuhl „Kritik des Rechts“

Für diese Herangehensweise an das Recht gibt es in Deutschland noch keinen eigenen Lehrstuhl – und dass, obwohl sie aus wissenschaftlicher und praktischer Sicht enorme Bedeutung habe, meint Hanschmann. Auch Dieter Pawlik hält den Lehrstuhl für dringend nötig: Er habe aus seiner eigenen Geschichte gelernt, dass es viele strukturelle Probleme im deutschen Justizsystem gebe, welche zu falschen Urteilen führen.

Professor Hanschmann hat bereits eine Vorstellung für den praktischen Nutzen seines Lehrstuhls: Er wolle sich nicht in das wissenschaftliche System zurückziehen, sondern sich dem öffnen, was in der Stadt und der Gesellschaft passiert. Ziel sei es, die Gesellschaft in die Hochschule hereinzuholen und gleichzeitig mit der Hochschule sensibel in die Gesellschaft hineinzugehen.

Vorteile der Bucerius Law School

Dafür sieht Hanschmann an der Bucerius Law School optimale Voraussetzungen: Als private Hochschule sei sie weniger bürokratisch und habe ein höheres Innovationspotential als andere Hochschulen. Dies erlaube ihm, anders in die Gesellschaft hinein zu intervenieren.

Die ersten Erfahrungen an der Bucerius Law School hätten ihn in dieser Auffassung bestärkt. So sagt Hanschmann: „Ich glaube, dass es hier insgesamt eine Atmosphäre ist, die sich unterscheidet von juristischen Fakultäten an staatlichen Hochschulen“.

Zu den Gründen hierfür hat Dieter Pawlik eine klare Meinung: In Deutschland gehe man grundsätzlich davon aus, der Staat solle bezahlen. Dies führe heute zu Qualitätsverlusten in der universitären Ausbildung. Die besonderen Gegebenheiten der Bucerius Law School führten dazu, dass nur wirklich interessierte Studierende die Ausbildung begännen. „Das Engagement der Studierenden ist spürbar größer, wenn für die Ausbildung bezahlt wird. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen wider“, meint Pawlik.

Vorteile der Stadt Hamburg

Danach gefragt, was ihm besonders an der Stadt Hamburg gefällt, nennt Hanschmann zunächst das Wasser. Er liebe es, am Wasser spazieren oder laufen zu gehen. Auch schätze er die Vielfältigkeit der Hamburger*innen und ihrer Szenen. Und er verrät: „Musikalisch bin ich über Hip Hop sozialisiert werden. Da hat Hamburg keine ganz unbedeutende Rolle gespielt, was den deutschen Hip Hop angeht.“

Aber ihn reizten auch der einzigartige Lehrstuhl, den es in der Bundesrepublik sonst nicht gebe. Für ihn sei es eine traumhafte Möglichkeit, in dem Bereich zu arbeiten, der ihn persönlich und wissenschaftlich am meisten interessiere.

Hanschmanns Fazit: „Hamburg ist eine wunderschöne Stadt. Ich glaube, dass man hier sehr, sehr gut leben kann.“

Autor*in

Florian Helwich, Arne Lemke

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