News

29.01.2016

Rechtsnische Privates Baurecht

Graf von Westphalen-Anwälte über das spannende Berufsbild des Baujuristen.

Das Ziel der vom Studium professionale ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe ("Rechtsnische…") ist es, Rechtsgebiete vorzustellen, auf die man im Laufe des Jurastudiums nicht zwangsläufig stößt und die sich daher unter den Studenten eher geringer Bekanntheit erfreuen.  Ein solches Rechtsgebiet ist auch das Private Baurecht. Zwar ist das Öffentliche Baurecht fester Bestandteil des Lehrplans, der private Teil wird allerdings meist nur sehr kurz abgehandelt und als nicht examensrelevant ad acta gelegt.

Aus genau diesem Grund kamen am Abend des 21. Januar 2016 Melanie Eilers und Christian Esch, LL.M., zwei Anwälte der Kanzlei Graf von Westphalen, an die Bucerius Law School und berichteten von ihrer Arbeit im Privaten Baurecht. Sie überraschten die Zuhörer zunächst mit der Größe des finanziellen Bauvolumens in der Bundesrepublik, welches stolze 309,4 Mrd. Euro beträgt. Verglichen damit wirkt das finanzielle Volumen der Tourismusbranche mit nicht einmal 100 Mrd. Euro fast gering.

Bei der Arbeit eines Baujuristen werde man oft mit technischen Fragen konfrontiert, so Eilers und Esch. Es sei also wichtig, technisches Interesse mitzubringen. Auch sei man auf die enge Zusammenarbeit mit Ingenieuren und ähnlichen Sachverständigen angewiesen. Dabei dürfe man sich nicht zu schade dafür sein, auch einmal zuzugeben, wenn man etwas nicht verstanden hat und nachzufragen.

Besonders deutlich wurde, dass das Baurecht kein isoliertes Rechtsgebiet ist. Es entstehen viele Wechselwirkungen mit anderen Rechtsgebieten, wie zum Beispiel dem Vergaberecht, dem Öffentlichen Baurecht oder auch dem Gesellschaftsrecht. Ein Baurechtler muss also einen möglichst guten Überblick über verschiedene Rechtsgebiete oder zumindest "immer jemanden zum Anrufen" haben, so Esch.

Baurechtliche Prozesse sind meist langwierig und reichen von Mängeln bis hin zu Bauzeitprozessen. Aufgrund der extremen Länge der Verfahren werden immer weniger dieser Fälle vor Gericht entschieden und immer mehr durch außergerichtliche Lösungen wie der Mediation oder der Adjukation.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Arbeit eines Baujuristen sei die Praxisnähe, stimmten die beiden Anwälte überein. Es handle sich zwar um juristische Arbeit, diese sei aber auch sehr pragmatisch. So dauert es beispielsweise bei den Referendaren nicht lange, bis sie das erste Mal mit auf die Baustelle genommen werden. "Manche Probleme kann man nur dann verstehen, wenn man sie sich vor Ort selbst angeschaut und erklären lassen hat!", erläutert Esch.

Silas Jansen, Student