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09.05.2017

Sprichst du Jura? Gutachtenstil

Fälle, die du während des Studiums lösen musst, musst du in einer ganz bestimmten Form, dem so genannten Gutachtenstil verfassen. Aber was ist das, "Gutachtenstil"?

Jura und juristisches Arbeiten ist anders als alles andere, was du aus der Schule kennst: Jura ist ein hochformalsiertes Denk- und Arbeitssystem – und das schlägt sich auch insbesondere in der Form der schriftlichen Arbeiten, Klausuren und Hausarbeiten, nieder, die du während des Jurastudiums anfertigen musst. Die Form, in der du während des Studiums schreiben musst, nennt sich "Gutachtenstil".

Der Gutachtenstil folgt einem streng formalisierten Aufbau, der Studienanfängern in seiner Kleinteiligkeit und insbesondere vermeintlichen Selbstverständlichkeit Schwierigkeiten bereitet. Anders gesagt: Im Gutachtenstil muss man oft ganze Gedankengänge niederschreiben, die man eigentlich nicht als erwähnenswert betrachtet. Aber gerade das zwingt dazu, Gedanken sauber nachvollziehbar zu machen. Oft wird man sich bei dieser Arbeitsweise auch Denkfehlern erst bewusst.

Sinn und Zweck dieser Arbeitsweise ist es, Tatbestände und die Anwendbarkeit der gesetzlichen Regelung richtig zu prüfen und die juristische Argumentation nachvollziehbar zu machen. Jeder Jurist muss sich an diesen formalisierten Aufbau halten, was es letztlich auch leichter macht, juristische Argumentationen miteinander zu vergleichen.

Der Gutachtenstil folgt einem viergliedrigen Schema: Zunächst beginnt man mit dem Obersatz, danach wird der Tatbestand definiert, dann folgt die Subsumtion und am Ende die Konklusion. Wir wollen dich hier nicht mit einer langatmigen schriftlichen Erklärung überstrapazieren – du wirst den Gutachtenstil früh genug im Studium lernen. Es lohnt sich aber, sich mit dem Gutachtenstil schon früh genug auseinanderzusetzen. Schau dir am besten das sehr gute Erklärvideo einer unserer wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen an: http://buceri.us/gutachtenstil

Der Gutachtenstil ist übrigens eine große Besonderheit der deutschen juristischen Ausbildung. In anderen Ausbildungen und Rechtssystemen spielt dieser Stil nur eine untergeordnete Rolle. Das ist aber alles andere als ein Nachteil: Gerade die zwingend konsequente Anwendung des Gutachtenstils schult das Denken.

 

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