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28.10.2019

Studium professionale: Was ist Legal Technology?

Warum es sich für Juristen lohnt, sich mit Technologie zu beschäftigen

Am 17. Oktober 2019 lud das Studium professionale der Bucerius Law School zur Legal Technology Lecture. Es sprach Dirk Hartung, Executive Director Legal Technology an der Hochschule, um eine Frage zu beantworten: Was ist Legal Technology?

Es folgten im ersten Teil des Vortrages Einblicke in die Herausforderungen und Ziele von Legal Technology und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen. Die Rechtsbranche stehe vor dem großen Problem, mit rasant steigender Komplexität fertig werden zu müssen, so Hartung. Die Zahl relevanter Entscheidungen und Gesetze, mit denen sich Rechtssuchende auseinandersetzen müssen, steige jedes Jahr an. Gleichzeitig führe jeder Querverweis in neuer Gesetzgebung und jede neue höchstrichterliche Entscheidungen zu Konsequenzen bei der Auslegung bisheriger Gesetze und Entscheidungen. Die Folge: Ein starkes Wachstum an Komplexität.

Zwar sei wachsende Komplexität auch eine Chance für bestehende (Groß-)Kanzleien. Immerhin sei die Konsequenz grundsätzlich erstmal mehr Arbeit und somit mehr Umsatz für Juristen. Jedoch sei die Relation von Wirtschaftswachstum und Zuwachs an Komplexität in der Rechtsbranche nicht linear. Die Konsequenz sei, dass Juristen entweder immer effizienter oder für weniger Geld arbeiten müssten. Gerade hier könne Legal Technology und Legal Operations neue Lösungen schaffen, um mit den wachsenden Herausforderungen fertig zu werden.

Insgesamt, so Hartung, verändere sich daher das Geschäftsmodell vieler Kanzleien. Automatisierung könne einen Teil der heute anfallenden Personalkosten ersetzen. Legal Technology könne es ebenfalls möglich machen, kleinere Mandate zu standardisieren. So könnten große Kanzleien, die gegenwärtig fast ausschließlich Unternehmen beraten, zukünftig auch die rechtlichen Interessen kleinerer Kunden wahrnehmen. Das heutige Geschäftsmodell, das auf einen hohen Personalbestand und eine Bearbeitung von Mandaten ausschließlich im eigenen Hause beruhe, sei langfristig nicht sinnvoll.

Auch die massenhafte Vertretung von Verbraucherrechten sei eine weitere lukrative Seite der Legal Technology-Branche, so Hartung. So bestünden viele Start-Ups, wie z.B. Flightright, geblitzt.de oder wenigermiete.de, die mithilfe von durchdachter User Experience und effizienten Arbeitsabläufen in der Lage seien, Kleinstmandate für Kunden massenhaft zu bearbeiten. Diese seien eine attraktive Lösung für Verbraucher, welche vorher aus Bequemlichkeit oder mangelnder Expertise ihre Ansprüche nicht geltend gemacht hätten. Insofern könne Legal Technology nebenbei auch effektiven Zugang zum Recht schaffen.

Im zweiten Teil seines Vortrages sprach Hartung über Prozessoptimierung in Rechtsabteilungen und Kanzleien, bekannt unter dem Namen Legal Operations. Außer durch Technologie können Käufer von Rechtsdienstleistungen dem Kostendruck und dem Druck durch steigende Komplexität auch dadurch entgegentreten, dass sie strategischer vorgehen. Das können sie beispielsweise, indem sie ausführliches Knowledge Management betreiben, um zu verhindern, dass die gleiche Rechtsfrage mehrfach bearbeiten (lassen).

Im letzten Teil des Vortrags erklärte Hartung die Strategie der Bucerius Law School in der Technologieausbildung. Neben dem Technologiezertifikat mit Kursen in Programmierung, Informatik und Statistik bietet die Hochschule ein dreiwöchiges Summer Program zu Legal Technology and Operations, eine Teilnahme am Institute for the Future of Law Practice (IFLP) und ein Projektstudium zu Machine Learning in Law.