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26.04.2016

Unternehmerbeirat: Sounding Board für angehende Start-ups

Unter den Absolventinnen und Absolventen der Bucerius Law School gibt es so manche späteren Firmenchefs. Wie wichtig Jura für den Weg in die Selbständigkeit sein kann, erzählen Verantwortliche von Unternehmerbeirat und studentischer Unternehmerinitiative, unter ihnen Fabian Heilemann, Alumnus und DailyDeal-Gründer.

Alexander Focke, Dr. Fabian Heilemann, Dr. Hariolf Wenzler (v.l.n.r.).

An der Bucerius Law School gibt es sowohl einen Unternehmerbeirat als auch eine Unternehmerinitiative. Worin unterscheiden sie sich?

Alexander Focke (Mitglied des Vorstands der Unternehmerinitiative): Die im Jahr 2007 gegründete Initiative ist das studentische Sprachrohr des Unternehmerbeirats. Studierende und Promovierende, die sich für eigene Unternehmensgründungen begeistern, sind darin Mitglied.

Dr. Fabian Heilemann (Alumnus, Vorsitzender des Unternehmerbeirats, Seriengründer, u.a. DailyDeal, und Early-Stage VC-Investor): Den Beirat gibt es seit November 2014, auch hier sind nur Alumni der Bucerius Law School vertreten, alle Vertreter sind auch unternehmerisch tätig. Da er aus dem Ehemaligen-Kreis rekrutiert wurde, ist er empirisch gewachsen.

Wozu bedarf es an einer Jura-Hochschule dieser Art von Unternehmerförderung?

Dr. Hariolf Wenzler (Geschäftsführer der Bucerius Law School): Weil es einen Bedarf dafür gibt. Das Thema entstand aus einer kleinen, aber signifikanten Gruppe, die Jura studierte, um denken, strukturieren und sich organisieren zu lernen, die nach dem Studium aber das Ziel des eigenen Start-up verfolgte. Mittlerweile sind unter den Alumni viele Unternehmer. So kam die Idee auf, einen Unternehmerbeirat einzurichten. Damit binden wir gleichzeitig Ehemalige an unsere Hochschule, die uns helfen, dieses unternehmerische Element weiterzuentwickeln.

…und die somit nützliches Fachwissen und wertvolle Erfahrungen weitergeben.

Hariolf Wenzler: Richtig. Die Absolventen fungieren als Ansprechpartner für die derzeitigen Studierenden. Und sie sind Vorbilder. Wir nehmen zudem Entrepreneurship als Schwerpunkt in unser Masterprogramm auf. Der Master of Law and Business qualifiziert für ein Tätigkeitsspektrum an den Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Recht.

Wie viele Ihrer Absolventen wagen den Schritt in die Selbständigkeit?

Hariolf Wenzler: Das ist nicht so einfach zu beantworten. Manche arbeiten anfangs zunächst als Angestellte in Kanzleien oder Unternehmen und machen sich erst einige Jahre nach dem Studium selbständig. Wenn wir von reinen Unternehmern ausgehen und diejenigen mit eigenen Kanzleien nicht einrechnen, sind das etwa fünf bis zehn Absolventen pro Jahrgang.

Fabian Heilemann: Ja, das trifft es ganz gut. Oft findet die Gründung eben wirklich nicht gleich nach dem Studienabschluss statt.

Ist es dann aber nicht besser, gleich ein Wirtschaftsstudium zu wählen, wenn ich mich später selbständig machen will?

Fabian Heilemann: Das kann man so nicht sagen. Grundsätzlich befasst sich Betriebswirtschaftslehre mit thematischer Kompetenz. Ein BWL-Alumnus hat Management studiert, hat Know-how in Marketing, Vertrieb und Bilanzierung. Jura dagegen befasst sich mit methodischer Kompetenz. Das ist für die Selbständigkeit sehr hilfreich. Aber natürlich ist der Weg über Jura zur eigenen Firma ein längerer als der mit einem BWL-Studium. Ich selber habe mein erstes Staatsexamen gemacht, dann promoviert. Klar, ein Umweg, der aber viele Vorteile bietet.

Welche im Detail?

Fabian Heilemann: Mit Jura baut man unter anderem die Fähigkeit zum logischen Denken aus.

Alexander Focke: Man lernt im Studium schnell, sich in unbekannten Gebieten zurechtzufinden und diese systematisch zu durchdringen.

Fabian Heilemann: Fragen zu zerteilen und zu erörtern, wird im Jurastudium kultiviert, und genau das gehört zum Unternehmertum. Als Rechtswissenschaftler erfasst man schneller, was Thema ist und worum es geht. Und man lernt, präziser zu formulieren. Das ist ein gewisser USP. Juristisches Arbeiten setzt außerdem Fokussierung voraus. Teilweise muss man fünf bis zehn Stunden am Tag still dasitzen und arbeiten können. Ein weiterer Vorteil: Man braucht nicht für alles einen Anwalt. Ich selber habe in der GmbH-Thematik promoviert und kann so 80 Prozent der Rechtsfragen selber abdecken.

Herr Heilemann, Sie sind Alumnus der Bucerius Law School und erfolgreicher  Geschäftsmann, haben unter anderem die Gutscheinplattform DailyDeal gegründet. Wie haben Sie sich Ihr BWL-Wissen angeeignet?

Fabian Heilemann: Ich war in der Promotionszeit in einer Unternehmensberatung tätig. Danach war alles für mich Pionierarbeit, was ich in meiner Firma geleistet habe. Vorbilder hatte ich noch nicht. Aber: Mein Bruder Ferry, komplementärer Co-Founder bei DailyDeal,
studierte an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar mit Fokus Entrepreneurship, Marketing und Finance, und er sammelte bereits während des Studiums Berufserfahrung in den Bereichen Industrie und Unternehmensberatung.

In welchen Geschäftsbereichen machen sich Absolventen der Bucerius Law School selbständig?

Fabian Heilemann: Vorrangig in der Digitalwirtschaft. Im Internet ist der Einstieg leichter als in der produzierenden Industrie; hier kann man schneller aus dem Stand etwas aufbauen.

Wie werden Studierende mit Unternehmergeist von der Initiative unterstützt?

Alexander Focke: Die Initiative nimmt in erster Linie die Hemmschwelle zur späteren Firmengründung, was der wichtigste Faktor ist. Ein beträchtlicher Teil der Studierenden schließt aber erstmal das Studium ab. Dazu raten wir auch. Es ist ein großes Risiko, sich selbständig zu machen. Als Mitglied in der Unternehmerinitiative durchläuft man dann nicht nur die klassische, juristische Ausbildung, sondern erweitert das eigene Blickfeld. Dazu trägt auch der Beirat bei, in dem viel Know-how steckt. Ich selber bin jetzt im fünften Trimester und wirtschaftlich interessiert. Daher war es für mich klar, dass ich mich in der Unternehmerinitiative engagiere. Wir sind Mitglied im bundesweiten Netzwerk „Gründermagnet“, der die Gründungszene an Hochschulen miteinander verbindet.

Wie treffen Mitwirkende von Unternehmerbeirat und -initiative aufeinander?

Fabian Heilemann: Es gibt gemeinsame Events wie das Kick-off im vergangenen November. Zudem haben wir eine Datenbank mit allen Beiratsmitgliedern eingerichtet, die für die Mitglieder der studentischen Unternehmerinitiative zugänglich ist.

Hariolf Wenzler: Die Unternehmerinitiative lädt außerdem Referenten aus dem Kreis des Beirats ein, die über spezifische, gründungs- und unternehmensbezogene Themen sprechen.

Ein guter Wissenstransfer. Was bietet der Unternehmerbeirat angehenden Start-ups oder Unternehmern von morgen noch als Vorbereitung auf die Selbständigkeit?

Fabian Heilemann: Mal vom Know-how abgesehen eignet er sich prima für den Berufseinstieg. Über den Beirat lässt sich unter anderem ein Praktikum organisieren, damit sich Interessierte schon im Studium stärker fokussieren können. Außerdem können wir aus dem Netzwerk heraus potenzielle Investoren für Start-ups generieren.

Egal wie viel Hilfe es gibt – vor Stolperfallen sind Start-up-Gründer nicht gefeit. Welche gibt es im Jungunternehmertum, und wie beugen Sie vor?

Fabian Heilemann: Die größte Schwierigkeit liegt in der Umsetzung, nicht in der zündenden Idee. Dabei zeigt sich, ob die Person unternehmerische DNA besitzt oder nicht. In den ersten drei Jahren der Selbständigkeit gibt es mindestens zehn Themen, mit denen man sich auseinandersetzen muss und an denen man scheitern kann – ein Beispiel: Man bekommt keine Finanzierung. Eine weitere Herausforderung: Den „fit“, also die Passung der eigenen Idee oder des eigenen Produktes mit dem Markt herzustellen. Was tun, wenn das Produkt in der Form nicht angenommen wird, die Anlaufverluste höher sind oder es länger dauert als im Businessplan projektiert? Dann ist das Produkt so nicht umzusetzen, man muss Zeitpläne strecken oder sich ganz von einer Idee verabschieden. Diese Fallstricke gilt es zu vermeiden.

Alexander Focke: Wir Studenten haben jederzeit die Möglichkeit, uns an erfahrene Gründer aus dem Unternehmerbeirat zu wenden. Diese können uns mit ihrem Know-how bei etwaigen Probleme unterstützen. Das spart meist sehr viel Zeit und Mühe. Durch die hochkarätigen Mitglieder im Unternehmerbeirat hat man auch immer die Möglichkeit, sich wertvolle Tipps geben zu lassen, um Probleme schon im Voraus zu vermeiden.

Dr. Hariolf Wenzler (notiert): Das Thema Stolpersteine merke ich für unsere nächste Sitzung vor…

Nehmen Sie Studierende bei der Umsetzung ihrer Geschäftsidee an die Hand?

Fabian Heilemann: Nein, wir sind das Sounding-Board der Jungunternehmer. Genau das ist der Wert des Unternehmerbeirats. Er ist sichtbar und ansprechbar für die Studierenden. Auf lange Sicht wollen wir daraus echte Mentorenbeziehungen entwickeln.

Interview: Anja Reinbothe-Occhipinti