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14.11.2018

Video: Vortrag über effektive Strafverteidigung im NSU-Prozess

Zschäpe-Pflichtverteidiger Wolfgang Stahl und Anja Sturm zu Gast an der Bucerius Law School

Wolfgang Stahl, Anja Sturm und Professor Dr. Karsten Gaede

Am 1. November 2018, folgten Anja Sturm und Wolfgang Stahl, zwei der Pflichtverteidiger von Beate Zschäpe, der Einladung von Professor Dr. Karsten Gaede in das Helmut Schmidt Auditorium der Bucerius Law School. Thema des Abends war die Freiheit und Notwendigkeit effektiver Strafverteidigung, und ob eine solche im Verfahren wie dem sogenannten NSU-Prozess nötig, möglich und wünschenswert ist.

Zunächst stellte Gaede die Gäste des Abends vor: beide haben als Pflichtverteidiger von Zschäpe am NSU-Prozess teilgenommen, und diesen maßgeblich mitgeprägt. Anschließend begann Sturm mit seinem Vortrag über seine Erlebnisse mit dem Verfahren, welchen er mit einer Vielzahl von Beispielen, die sich so zugetragen haben, schmückte. Er gab zu Bedenken, dass die aus seiner Sicht erfolgte Vorverurteilung der Angeklagten durch sowohl Presse als auch Exekutivorgane rechtsstaatlich bedenklich sei, und prozessuale Probleme mit sich bringen könnte. Auch führte er aus, wie aus die Angeklagte aus Sicht der Verteidigung durch das Verhalten der Behörden in ihrem Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen, teilweise eingeschränkt wurde. Hieraus wurde dem interessierten Publikum deutlich, dass eine rechtsstaatlich gebotene Verteidigung in einem solchen Prozess schwierig ist. Darauf folgend stellte Sturm dar, welchen Auswirkungen Maßnahmen wie die Dauerbegutachtung durch einen Psychiater auf die Angeklagte hatte, und welchen Hindernissen sich die Pflichtverteidiger während des Prozesses ausgesetzt sahen.

Im Anschluss an diese persönlichen Erfahrungsberichte hatte das Publikum noch die Möglichkeit, in einer durch Gaede moderierten Diskussion Fragen an die Verteidiger zu stellen. Hierbei ging es unter anderem um die Frage, ob und warum das Mandat angenommen wurde, ob sie dies noch einmal machen würden, und wie sie mit den zuvor geschilderten Situationen umgegangen sind. Insgesamt war es ein sehr interessanter Vortrag, durch den das Publikum einen weiteren Blickwinkel auf einen der größten Prozesse in Deutschland der vergangenen Jahre gewinnen konnte.

Christoph Ludwig, Student