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27.05.2016

Was Blinde sehen können

Dörte Maack erzählt in „Was ist wichtig“ von ihrer Erblindung

Dörte Maack (mitte).

Was sieht man eigentlich, wenn man blind ist? Nicht das, was man sich vorstellt. Nämlich keine Dunkelheit, kein Schwarz, sondern – nichts. Die Dimension „Sehen“ gibt es nicht. Schwer vorstellbar für die anwesenden Studierenden, denen Dörte Maack, Leiterin des Bereichs Bildung von „Dialog im Dunkeln“, am 18. Mai 2016 im Rahmen der von Professor Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe „Was ist wichtig“ von ihrem Leben mit einer Sehbehinderung berichtete.

Mit 26 Jahren wurde bei Dörte Maack eine unheilbare Augenkrankheit festgestellt, die zu ihrer Erblindung führte. Für Maack war die Akzeptanz dieser Diagnose ein langer Weg. Zunächst kämpfte sie als ausgebildete Artistin lange Zeit gegen ihr Schicksal an und suchte verzweifelt nach Möglichkeiten, die Krankheit doch zu heilen. Notwendige Dinge wie Blindenschrift erlernte sie erst, als sie es wirklich musste. Und war dann begeistert davon, wie viele Möglichkeiten ihr doch verblieben.

In dem von Jakob Rehder (Jahrgang 2015) moderierten Gespräch erzählte Maack aufrichtig von dem Prozess über Verzweiflung, Hilflosigkeit, Trauer und Wut bis hin zu der Erkenntnis, dass durch ihre Sehbehinderung das Leben nicht einfach vorbei ist. Hierdurch wurde sie von Familie und Freunden bestärkt, aber auch von ihrem Mann und nicht zuletzt ihren Kindern, die mit einer kindlichen Selbstverständlichkeit mit ihrer Sehbehinderung umgehen.

Maack gibt Seminare und trainiert im Dunkeln mit führenden Wirtschaftskräften aus aller Welt unter anderem den Umgang mit Unsicherheiten und Kommunikation. Für diese ist der Ausflug in die Blindheit etwas Aufregendes und Spannendes, für Maack eine Realität, der sie sich nicht entziehen kann. Mit dem Verlust der Sehkraft hätten sich ihre anderen Sinne verstärkt, berichtete Maack: So können sie inzwischen viel mehr aus einer Stimme herauslesen. Außerdem sei ihre Welt vermutlich viel schöner als die sehender Menschen, denn Menschen stelle sie sich wahrscheinlich oft viel hübscher vor, als sie es in Wirklichkeit sind.

Isabella Naujoks, Studentin