Moot Courts an der Bucerius Law School

Um was geht es dabei? Und wie fördert die Hochschule diese praxisorientierte Übung?

Jurastudium |

Ein Moot Court ist die möglichst praxisnahe Simulation einer (Schieds-)Gerichtsverhandlung. Die Studierenden vertreten dabei die Prozessparteien in einem fiktiven Fall, der in aller Regel aktuelle Probleme aus der Praxis behandelt. Moot Courts mit ihrer starken Betonung auch des mündlichen Plädoyers sind traditioneller Bestandteil der Juristenausbildung im angloamerikanischen Raum.

Mooting in Deutschland

In immer stärkerem Maße finden „Moots“ aber auch Eingang in die Juristenausbildung in Deutschland. So existieren inzwischen eine Vielzahl von Moot Courts, die die unterschiedlichsten Rechtsgebiete abdecken. Neben den renommierten internationalen Moots wie dem „Willem C. Vis“ (Internationales Handelsrecht), dem „Philip C. Jessup“ (Völkerrecht), dem ICC Commercial Mediation Competition, der Frankfurt Investment Arbitration MootCourt und dem Oxford IP-Moot, gibt es auch nationale Moot Courts.

Dazu zählen unter anderem:

  • der Arbeitsrechtliche Moot Court
  • der BFH Moot Court (Steuerrecht)
  • der HanseMoot (Verfassungsrecht)
  • der MOVE Moot (Asyl- und Migrationsrecht)
  • und der Soldan Moot (Zivilrecht, anwaltliches Berufsrecht).

Die Bucerius Law School nimmt regelmäßig an den relevanten Moot Courts teil. Dabei wird „Mooting“ an der Hochschule aktiv gefördert. So wurde 2020 durch eine Spende des Bucerius Alumnivereins die Gründung des „Mooting Centers“ ermöglicht. Dieses steht unter der akademischen Leitung der Präsidentin der Bucerius Law School, Prof. Dr. Dr. h.c. Katharina Boele-Woelki und dient der Beratung und Unterstützung der Mooting-Teams.

Mooting als Bestandteil juristischer Ausbildung

Diese Unterstützung kommt nicht zuletzt daher, dass Mooting an der Bucerius Law School als wertvoller Teil der juristischen Ausbildung geschätzt wird. Denn die Teilnahme bietet nicht nur eine – seltene – Gelegenheit, das im Studium theoretisch Gelernte praktisch anzuwenden. Mooting bietet Teilnehmenden auch die Gelegenheit, Fähigkeiten zu erlernen, die im Beruf äußerst wichtig sind, in der klassischen Juristenausbildung aber oft zu kurz kommen. Dazu zählen rhetorische Fähigkeiten, aber auch Verhandlungsmanagement, Teamarbeit und die Fähigkeit zur leidenschaftlichen, aber sachlichen Auseinandersetzung mit dem Gegenüber.

So wird Mooting vom Präsidenten des Alumni-Vereins, Ruben Rehr, als „wichtiger Bestandteil einer praxisnahen Ausbildung“ gelobt. Die Präsidentin der Hochschule ergänzt: „Während der juristischen Ausbildung sollte die Teilnahme an einem Moot Court eigentlich verpflichtend sein. Eine einzigartige Erfahrung!“. Diese Einschätzung teilt auch Prof. Kröll, einer der Direktoren des Vis-Moot. Er berichtet, dass viele der studentischen Teilnehmer den Moot als ein „life changing experience“ beschreiben, das Ihnen völlig neue Aspekte des Jurastudiums aufgezeigt hat. Aus seiner Sicht trägt auch das Wettbewerbselement der Moot Courts dazu bei, dass „viele der Studenten noch einmal die Extrameile gehen, um sich in beeindruckender Tiefe in die juristischen Fragestellungen und ihre ökonomische Einbettung einzuarbeiten.“  

Mooting an der Bucerius Law School

Aufgrund dieser Ausrichtung konnten die Hochschulteams bereits einige Erfolge bei nationalen Moot Courts erzielen:

  • Viermaliger Gewinn des Soldan Moots
  • Gewinn des HanseMoots 2017
  • Gewinn des MOVE Moots 2019
  • Dreimaliger Gewinn des Arbeitsrechtlichen Moot Courts am BAG
  • Gewinn des Steuerrechtlichen Moots am BFH 2017
  • Gewinn des Frankfurt Investment Arbitration Moot Court 2016

Auch bei internationalen Wettbewerben haben die Teams der Bucerius Law School bereits gewonnen:

  • Zweimaliger Gewinn der nationalen Runde des Jessup Moots
  • Mehrere erfolgreiche Teilnahmen mit individuellen Auszeichnungen bei den Model United Nations
  • Gewinn des Oxford International IP Moots 2017
  • 2. Platz bei der ICC International Commercial Mediation Competition 2020

Der wahrscheinlich größte Erfolg in der Hochschulgeschichte liegt allerdings erst kurze Zeit zurück: Im April 2021 gewann ein Team der Hochschule den internationalen Vis Moot, an dem mehr als 380 Teams und 1200 Schiedsrichter*innen aus über 60 Staaten der ganzen Welt teilnahmen.

Die Teilnehmerin Manyedi Lieck berichtet: „Für mich hat die Teilnahme am Moot Court eine völlig neue, praktische Perspektive auf das Studium und die juristische Arbeit gegeben. Einen Fall aus der Perspektive eines Mandanten zu präsentieren und auch an juristisch schwierigen Stellen Argumente für die eigene Position zu finden, hat mir gezeigt, wie die juristische Arbeit nach dem Studium aussehen könnte. Auch persönlich hatte der Moot Court für mich einen großen Mehrwert. Von den anderen Teams und dem wertvollen Feedback der Praktiker und Akademiker konnte man unglaublich viel lernen.“

Autor*in

Arne Lemke

Hamburg