Tarifplanspiel 2021 – Schwerpunkt Arbeitsrecht

SPB III simuliert Tarifverhandlung – fiktive Tarifrunde zwischen ver.di und AGV Großhandel NRW

Privatrecht III / Jurastudium |

Hitzige Debatten, Streiks und am Ende doch eine Einigung: Im Schwerpunkt Arbeitsrecht ging es hoch her. Die Situation: Die Lohn- und Gehaltstarifverträge zwischen ver.di und dem AGV Großhandel in NRW wurden gekündigt, neue mussten schnellstmöglich verhandelt werden.

Das vergangene Corona-Krisenjahr hat bei den Unternehmen und den Arbeitnehmern Spuren hinterlassen. Einige Unternehmen stehen kurz vor dem Bankrott, manchen hat die Krise kaum geschadet, viele Arbeitnehmer fühlen sich als Corona-Helden nicht genug gewürdigt. Auf Basis dieser verschiedenen Positionen war von den Tarifkommissionen ein Kompromiss zu finden.

Verhandlungsauftakt

Den Auftakt machte die Gewerkschaft, indem sie am ersten Verhandlungstag ihre Forderungen vortrug. Schnell wurde klar, dass es noch ein weiter Weg zu einem Kompromiss sein würde. So forderte die Gewerkschaft unter anderem eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 7 %, was auf Arbeitgeberseite schlechthin auf Unverständnis und Ablehnung stieß. Diese Forderungen seien laut Pressemitteilung ein „Todesstoß“ für viele Unternehmen.

Die Fortsetzung folgte

Nach weiteren Erläuterungen der Gewerkschaft machte die Arbeitgeberseite ein Angebot. Dieses beinhaltete im Gegensatz zur Forderung der Gewerkschaft nur minimale Lohnerhöhungen knapp über der Inflationsrate und darüber hinaus eine Klausel, die effektiv zu einer Lohnkürzung führen würde. Dies erzürnte die Gewerkschaft derart, dass sie in den Arbeitskampf trat und fast alle Unternehmen bestreikte. Der Streik zeigte Wirkung, Presse und Politik waren entsetzt. Nach einigen Vier-Augen-Gesprächen beruhigten sich die Gemüter, man traf sich wieder am Verhandlungstisch.

Die Nacht der Nächte

In der finalen Verhandlungsrunde, der Nacht der Nächte, wurde an verschiedenen Fronten verhandelt. Nach zähen Auseinandersetzungen kamen alle zusammen, um in freudiger Erwartung das Ergebnis der Verhandlungen in Augenschein zu nehmen. Doch das Angebot des Arbeitgeberverbandes schockierte die Arbeitnehmerseite. Vieles war im Vier-Augen-Gespräch anders verhandelt worden, als es im Angebot stand, manche verhandelten Aspekte suchte man dort vergeblich. Nach kurz anhaltender Empörung konnten jedoch Missverständnisse aufgeklärt und Taktiken entschärft werden. Eine Einigung war schon in Sicht, als der Arbeitgeberverband die Laufzeit des verhandelten Tarifvertrages plötzlich änderte. Nur erneute Vier-Augen-Gespräche einzelner Parteien konnten den Abbruch der Verhandlungen verhindern. Im Ergebnis kam man zu einem Abschluss, der für beide Seiten wohl gleich (un)günstig war – ein erfreuliches Ergebnis für die erbitterte 11-stündige Verhandlungen.

Im Laufe dieser Stunden konnte der Schwerpunkt nicht nur theoretisch erlerntes Wissen anwenden, sondern auch lernen welch eine Dynamik Tarifverhandlungen aufnehmen können und wie auch Verhandlungsteilnehmer emotional von den Geschehnissen erfasst werden. Nach allgemeinem Feedback: eine tolle und einzigartige Erfahrung.

Wir möchten Professor Dr. Matthias Jacobs, Dr. Wolfram Konertz, Dr. Philip Merten, Judith Röder sowie Simon Bösken für die Durchführung und Planung der Veranstaltung danken. Und freuen uns, dass auch kommende Schwerpunkte ähnliche Veranstaltungen erleben können.

Fans des rheinischen Frohsinns und des Paarreims finden hier einen etwas anderen Veranstaltungsbericht.

Autor*in

Amelie Hoffmann

Hamburg