Von Campusschildkröten und Toilettenampeln

Interview mit Anja Brink, Mitarbeiterin des Studierendensekretariats, zu ihrem 20. Arbeitsjubiläum

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Für Anja Brink, Mitarbeiterin der Abteilung für studentische Angelegenheiten an der Bucerius Law School, ist 2020 ein besonderes Jahr – und das nicht nur wegen Corona. Seit 20 Jahren – und damit ihr halbes Leben lang – arbeitet die Verantwortliche für das Auswahlverfahren nun bereits an der Hochschule. Was sich seit ihrem ersten Arbeitstag am 01.08.2000 verändert hat, warum sie immer noch so gerne hier ist und welche lustigen Erlebnisse ihr während des Auswahlverfahrens widerfahren sind, erzählt sie im Interview.

Wie kamen Sie an die Bucerius Law School?

Nach meiner Ausbildung als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, bewarb ich mich auf die Anzeige der Bucerius Law School im Hamburger Abendblatt und wurde sofort eingeladen – zu meinem ersten Bewerbungsgespräch nach der Ausbildung! Das Gespräch ist auf Anhieb gut gelaufen, sodass ich bald zunächst als Assistentin für Maike Lütkens, heute Geschäftsführerin der Bucerius Conference & Event, anfing zu arbeiten. Ziemlich schnell bekam ich dann die Verantwortung für das Auswahlverfahren zugewiesen. Damit wurde ich ganz schön ins kalte Wasser geworfen, aber im Nachhinein betrachtet, war es das Beste, was mir passieren konnte!

Was machte damals die Arbeit an der Law School so attraktiv?

Ähnlich wie jetzt wegen Corona, war das eine Zeit, in der Vieles neu war und man viel ausprobieren durfte. Das Law School Team war damals winzig, umfasste ca. 12 Leute, weswegen wir fast immer gemeinsam Mittagspause machten. Und auch zu den Studierenden war der Kontakt eng: Mit gerade mal 20 war ich im gleichen Alter und wurde sogar zu den ersten Law School Partys eingeladen, von denen teilweise noch heute gesprochen wird.

Hat sich das Auswahlverfahren und Ihre Arbeit stark gewandelt? Was ist gleichgeblieben?

Was sich vor allem verändert hat ist die Technik! Damals lief das ganze Auswahlverfahren noch analog per Post ab, da war noch viel Handarbeit nötig.

Dieses Jahr hat aufgrund der Corona-Situation das Auswahlverfahren zum ersten Mal komplett digital stattgefunden. Wie haben Sie das Verfahren erlebt?

Es hat alles super funktioniert! Nur das Zusammenkommen mit den Prüfer:innen und Bewerber:innen hat mir gefehlt, das traditionelle „Bewerberbier“ und dann natürlich das Feeling auf den Fluren der Hochschule: die Aufregung, die am Wochenende des mündlichen Auswahlverfahrens in der Luft liegt.

Sind die Bewerber:innen heute anders als vor 20 Jahren?

Tatsächlich habe ich den Eindruck, dass die Studierenden heute abenteuerlustiger sind als früher. Viele waren bereits nach der Schule im Ausland und haben aufregende Dinge erlebt. Wenn Bewerber:innen heute anrufen und sich nicht sicher sind, ob sie ein Gap Year machen sollten, raten wir ihnen inzwischen dazu, diese Chance wahrzunehmen.

Sie sind eines der ersten Hochschulmitglieder, mit denen die Bewerber:innen in Kontakt kommen. Haben Sie ein Bauchgefühl dafür, welche Kandidat:innen genommen werden?

Eher dafür, welche Kandidat:innen nicht genommen werden. Es gibt immer mal wieder Bewerber:nnen, die während des Verfahrens negativ auffallen.

Gab es auch lustige Situation während des Auswahlverfahrens, an die Sie sich erinnern?

Oh ja, an eine Situation erinnere ich mich jedes Mal, wenn ich auf dem Weg zur Toilette an unserer Notausgangstür vorbeikomme. Dort brennt ein rotes Licht. Bei einem mündlichen Auswahlverfahren stand eine Bewerberin mitten im Weg und als ich sie fragte, ob sie auf jemanden warte, antwortete sie etwas hilflos: „Ja, hier ist doch die Ampel rot“.

Ihr heißer Tipp für die schriftliche und/oder mündliche Prüfung?

Lesen hilft, auch noch während des Studiums. Ruhig bleiben und sich nicht verstellen, das finde ich noch immer das Wichtigste. Und: Wir vom Team Studentische Angelegenheiten beißen nicht!

Was ist für Sie der Bucerius Spirit?

Tatsächlich sind einige Kolleg:innen an der Hochschule für mich schon so etwas wie eine Familie, weil man so viel Zeit miteinander verbringt und sich schon so viele Jahre kennt. Man ist einfach so sehr zusammengewachsen. Es gab immer spannende Herausforderungen, die wir gemeinsam gemeistert und erlebt haben. Und so wie die Hochschule immer weiterwächst, wachsen wir alle miteinander. Außerdem liebe ich meinen Weg zur Arbeit, die Natur in Planten un Blomen, die Campus-Enten Ebelin und Gerd, die Eichhörnchen, die Hasen, die über die Wiese hoppeln. Vor einigen Jahren hatten wir sogar eine Schildkröte auf dem Campus, deren Eiablage ich mit einer langjährigen Kollegin und Freundin beiwohnen durfte. Ein unvergessliches Erlebnis!
 

Das Interview führte Charlotte von Fallois.

Hamburg