Was ist wichtig? – mit Benjamin Adrion von Viva con Agua

Gründer von Viva con Agua erzählt Studierenden, wie aus einer „Schnapsidee“ ein internationales Netzwerk wurde

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Am 1. Juli 2020 um 19 Uhr war es wieder einmal soweit: Die von Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem gemeinsam mit dem Zentrum für Studium generale und Persönlichkeitsentwicklung organisierte Veranstaltungsreihe „Was ist wichtig“ ging in die nächste Runde. Zu Gast war dieses Mal der ehemalige Profifussballspieler Benjamin Adrion, der während seiner Zeit beim FC St. Pauli das Projekt Viva con Agua gründete. Die Organisation, die sich für eine weltweite Grundversorgung mit sauberem Trinkwasser einsetzt, ist heute ein internationales Netzwerk. Moderiert wurde die Veranstaltung von Fabian Wegener aus dem Jahrgang 2018 der Bucerius Law School.

Wasserspender für kubanische Kindergärten
 

Zunächst erzählte Adrion von den Anfängen der Organisation. Sein damaliger Verein, der FC St. Pauli, befand sich 2005 im Trainingslager auf Kuba. Der Trip, welcher politisch hochaufgeladen gewesen sei und auch ein Spiel gegen die kubanische Nationalelf beinhaltete, habe auf Adrion einen enormen Einfluss gehabt. Durch die Konfrontation mit den Zuständen und den Herausforderungen der Wasserversorgung vor Ort, sei in ihm der Wunsch gereift, sich sozial zu engagieren. Dabei habe es allerdings nicht den einen augenöffnenden Moment gegeben. Das erste Projekt war dann – zusammen mit der Deutschen Welthungerhilfe – die Sammlung von 50.000€ für Wasserspender in kubanischen Kindergärten. Dieses sei man noch sehr aktivistisch und ohne jeglichen „Businessplan“ angegangen. Trotzdem sei die Summe schnell zusammengekommen, da beim FC St. Pauli das soziale Engagement Teil der Vereinsidentität sei. Ein konkretes Engagement eines aktuellen Spielers sei daher sehr positiv aufgenommen worden – eine „Aktivierungsenergie“, die Viva con Agua von Anfang an getragen habe.

Spendensammlung mit Spaß statt „Armutskommunikation“
 

In der immer noch andauernden Entwicklung der Organisation waren Adrion und seinen Mitstreitern zwei Dinge aber besonders wichtig: Zunächst wies er darauf hin, dass bei Spendenaufrufen oft mit Bildern hungernder und armer Menschen gearbeitet werde, die Mitleid hervorrufen sollen. Diese klassische „Armutskommunikation“ funktioniere zwar gut, transportiere allerdings ein Bild des ausschließlich armen und hilfsbedürftigen Afrikas. Diese Botschaft habe Adrion nicht weiterverbreiten wollen – vielmehr gehe es bei Viva con Agua um universelle Sprachen, die kein „arm oder reich, mächtig oder schwach“ kennen würden, wie Musik, Kunst und Sport. Exemplarisch dafür stehe die Aktion der Organisation, auf Konzerten, Festivals und Fußballspielen Pfandbecher für den guten Zweck zu sammeln. So werde die Spendensammlung mit Spaß verbunden.

Viva con Agua – „love and play“
 

Zuletzt sprach Adrion noch über die Schwierigkeiten, eine dezentrale Organisation wie Viva con Agua zu entwickeln. Dabei sei es wichtig, die einzelnen Organisationen nicht in allen Facetten zu kontrollieren, allerdings einige Grundpfeiler vorzugeben, die unverrückbar seien. So sei es für ihn zum Beispiel unvorstellbar, dass Viva con Agua ein kämpferisches Weltbild adoptiere – die Organisation sei für ihn viel mehr „love and play“.

Die Veranstaltung, die aufgrund der Corona-Pandemie über Zoom stattfand, schloss mit Fragen der Studierenden.

Autor: Arne Lemke
Foto und Copyright: Marco Fischer

Hamburg