„Das Buch ist heute eher so etwas Antiquiertes, die Datenbank das Normale“

Interview mit Lars Otteken zu seinem 20. Arbeitsjubiläum an der Bucerius Law School

Hätte er nicht in Hamburg angefangen zu arbeiten, wäre Lars Otteken vielleicht Geheimagent geworden ­– oder hätte zumindest Informationen für die Geheimagent*innen in der Bibliothek des BNDs bereitgestellt.

Seine Arbeit an der Bucerius Law School ist zwar vielleicht etwas weniger geheimnisumwogen, dafür findet der gelernte Bibliotheksassistent sie aber nicht minder spannend: Seit nunmehr 20 Jahren sorgt Lars Otteken nun schon dafür, dass Studierende und Lehrende Zugriff auf einen umfangreichen Katalog an Büchern, Zeitschriften und Sammelwerke haben und der digitale Bestand ausgebaut wird.

Im Interview erzählt er von seinen ersten Arbeitstagen und wohin die Bibliothek sich in 20 Jahren entwickeln könnte.


Wie kamen Sie damals an die Bucerius Law School?

2000 fiel mir während meiner Ausbildung zum Bibliotheksassistenten eine Ausschreibung der Bucerius Law School in die Hände. Parallel hatte der BND eine Stelle ausgeschrieben, das klang natürlich extrem geheimnisvoll, weil in der Ausschreibung quasi nichts drinstand. Hamburg war außerdem natürlich auch attraktiver als Pullach und die Arbeit an der Bucerius Law School klang interessant.  

An einem drückend heißen Augusttag kam ich so zum Bewerbungsgespräch in die Jungiusstraße 6 und schon in der darauffolgenden Woche begann ich meinen ersten Arbeitstag.


Was hat sich am meisten, was am wenigsten verändert?

Als ich an der Bucerius Law School angefangen habe, war ich ungefähr genauso alt wie die wissenschaftlichen Mitarbeiter, wenn nicht sogar wie die Studierenden, d.h. mein Arbeitsbeginn in Hamburg fühlte sich für mich so ähnlich an wie der Studienbeginn für die Studierenden, die in eine neue Stadt zogen. Mit einigen aus der Anfangszeit habe ich heute noch regelmäßig Kontakt.

Die Studierenden sind inzwischen natürlich jünger geworden, außerdem gibt es heute diese polohemdige Subkulturuniformiertheit nicht mehr so stark wie früher: Wenn man heute auf den Campus kommt, würde man – anders als vielleicht noch 2001 – nicht mehr direkt darauf kommen, dass hier alle Jura studieren. Außerdem sind die Studierenden digital deutlich affiner geworden: Das Buch ist heute eher so etwas Antiquiertes, die Datenbank ist das Normale. Das war vor zehn Jahren genau andersrum.


Was macht die Arbeit an der Bucerius Law School für Sie so besonders?

2000 standen wir vor folgender Herausforderung: Wir haben noch keine Bücher und nur einen Monat bis Studienbeginn. Bis dahin mussten wir irgendwie dafür sorgen, dass den Studierenden ein medial unterstütztes Lernumfeld geboten werden konnte. Also gaben wir Vollgas.

Seitdem wurde es nie langweilig, es gab und gibt immer die Möglichkeit, Dinge zu verändern. Das Schöne an der Arbeit bei uns ist dabei auch unsere Open Door Policy: Auch wenn sich die Bibliothek in den nächsten Jahren immer weiterentwickeln und digitaler werden wird, hoffe ich sehr, dass wir es schaffen, diesen menschlichen Faktor aufrechtzuhalten: Die Leute an der Hochschule sollen immer das Gefühl haben können, dass sie sich an jeden vom Bibliothekspersonal problemlos wenden können.


Welches Ereignis aus 20 Jahren Bucerius Law School ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Beruflich besonders in Erinnerung geblieben sind mir sicherlich die Bibliotheksumzüge, da war viel Organisation notwendig und im Pavillon auch dicke Jacken und kitschige „Kunstwerke“. Ansonsten erinnere ich mich noch gerne an die ersten Law School Partys, die wirklich spektakulär waren, und an viele schöne Betriebsausflüge.


Was ist für Sie der Bucerius Spirit?

Dass man gemeinsam in einem familiären Umfeld arbeitet und dabei flexibel über den Tellerrand hinausschaut. Dazu gehört auch – wie der Schriftzug auf dem Campus es sagt – ein bisschen Mut.

An der Bucerius Law School haben wir immer schon davon gelebt, dass sich nicht jeder nur auf seine Abteilung konzentriert, sondern dass man Problem gemeinsam so löst, dass es für alle gut ist. Man nimmt Rücksicht aufeinander und unterstützt sich gegenseitig. Es herrschte also eigentlich immer schon dieses „Wir-Gefühl“.


Das Interview führte Charlotte von Fallois.

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