Am 8. und 9. Oktober 2026 fand an der Bucerius Law School in Hamburg der Auftaktworkshop der Veranstaltungsreihe „Konturen der BWL von morgen: Zukunftsentwürfe für Unternehmen und Gesellschaft“ statt. Unter dem Schwerpunktthema „Kapitalismus und Demokratie“ diskutierten 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland über die Zukunft der Betriebswirtschaftslehre (BWL) und die gesellschaftliche Rolle von Unternehmen.
Organisiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Birgit Weitemeyer, Inhaberin des Lehrstuhls für Steuerrecht und Direktorin des Instituts für Stiftungsrecht und das Recht der Non-Profit-Organisationen an der Bucerius Law School, und Prof. Dr. Barbara E. Weißenberger, Affiliate Professor of Accounting an der Bucerius Law School, gemeinsam mit Prof. Dr. Marc C. Hübscher (Deloitte/Universität Ulm), Prof. Dr. Stefan Dierkes (Universität Göttingen) und Prof. Dr. Martin Müller (Universität Ulm).
Der Workshop brachte Perspektiven aus der Betriebswirtschaftslehre, den Rechts-, Politik- und Geschichtswissenschaften sowie der Wirtschaftsethik und Organisationssoziologie zusammen.
Unternehmen zwischen Gewinn und gesellschaftlicher Verantwortung. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Frage, wie das Verhältnis von wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Verantwortung in Unternehmen angesichts sozialer, technologischer, ökologischer und politischer Herausforderungen künftig gestaltet werden sollte.
Ein Schwerpunkt lag auf alternativen Organisations- und Eigentumsformen. Diskutiert wurden unter anderem Sozialunternehmen, Stiftungsunternehmen und Modelle des Verantwortungseigentums. Sie eröffnen Möglichkeiten, wirtschaftliche Aktivitäten stärker an gesellschaftlichen Zielen auszurichten. Zugleich stellen sie die Betriebswirtschaftslehre und die Rechtswissenschaften vor neue Fragen.
Auch die institutionellen Voraussetzungen einer tragfähigen Balance zwischen Gewinnorientierung und gesellschaftlichem Zweck waren Gegenstand des Austauschs. Welche rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen ermöglichen es Unternehmen, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und gleichzeitig einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten?
Macht, Eigentum und demokratische Teilhabe
Ein weiterer Themenbereich betraf die Rolle von Unternehmen als gesellschaftliche und politische Akteure. Die Teilnehmenden diskutierten, wie unternehmerische Macht entsteht, welche Bedeutung Eigentumsstrukturen und Mitbestimmung haben und wie sich gesellschaftliche Interessen in Unternehmensentscheidungen berücksichtigen lassen.
Dabei rückte auch das Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie in den Fokus. Unternehmen folgen eigenen Entscheidungs- und Steuerungslogiken, die nicht zwangsläufig demokratischen Prinzipien entsprechen. Diskutiert wurde deshalb, unter welchen Voraussetzungen wirtschaftliche Organisationen demokratische Ordnungen unterstützen können und wo mögliche Spannungen bestehen.
Neue Perspektiven für die Betriebswirtschaftslehre
Über die einzelnen Themen hinaus beschäftigte sich der Workshop mit dem Selbstverständnis der BWL als wissenschaftlicher Disziplin. Zur Debatte stand, ob sich ihr Erkenntnisinteresse künftig stärker auf gesellschaftliche Wertschöpfung, die Verteilung wirtschaftlicher Erträge und institutionelle Verantwortung richten sollte.
Die Diskussionen verdeutlichten dabei unterschiedliche Positionen zur Weiterentwicklung des Fachs. Neben der klassischen Analyse wirtschaftlicher Entscheidungen könnten insbesondere Fragen der gesellschaftlichen Ordnung, der Unternehmensverfassung und der langfristigen Folgen unternehmerischen Handelns an Bedeutung gewinnen.
Der interdisziplinäre Austausch bot Gelegenheit, etablierte Perspektiven zu überprüfen und weiterführende Forschungsfragen zu identifizieren. Der Auftaktworkshop bildet damit einen Ausgangspunkt für die Veranstaltungsreihe „Konturen der BWL von morgen“, die den wissenschaftlichen Dialog über das Verhältnis von Unternehmen, Wirtschaft und Gesellschaft fortführen soll.
