KI verstehen lernen: Neues Lehrmodul startet

Ein neues Lehrmodul vermittelt Jura-Studierenden KI-Kompetenz und setzt dabei auf praktische Anwendungen

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Der Reformbedarf in der juristischen Ausbildung wächst, insbesondere vor dem Hintergrund der digitalen Transformation. Die Bucerius Law School hat deshalb zum Start des neuen Studienjahrs innovative Ausbildungsformate kreiert, um das Studium den sich wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen. 

Damit überführt die Hochschule zentrale Forderungen des Wissenschaftsrats zur Stärkung der „intellektuellen Souveränität“ sowie Empfehlungen aus dem „Hamburger Protokoll: KI-Edition“ in die Studienpraxis. Das Ziel ist, den praktischen Umgang mit juristischen KI-Systemen mit Systemverständnis, kritischer Prüfung und Reflexionskompetenz zu verbinden. 

Ein Pflichtmodul für digitale Mündigkeit

Den curricularen Rahmen für die neuen Lehrinhalte bildet das neue Pflichtmodul „Digital Literacy“. Bereits im ersten Studienjahr vermittelt es Kompetenzen zur Orientierung, Anwendung, Verifikation und Reflexion. 

„KI-Kompetenz erschöpft sich nicht darin, einzelne Anwendungen bedienen zu können“, erklärt Dr. Florian Skupin, Executive Director Legal Technology an der Bucerius Law School und verantwortlich für das neue Modul. „Studierende müssen verstehen, auf welchen Grundprinzipien die Systeme beruhen, wofür sie geeignet sind und wo ihre Grenzen liegen. Zur KI-Kompetenz gehört insbesondere, Ergebnisse und Quellen kritisch zu überprüfen und die rechtlichen, ethischen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Technologieeinsatzes zu reflektieren. Denn auch wenn KI juristische Arbeit unterstützt, bleibt die Verantwortung für die rechtliche Bewertung beim Menschen.“ 

Im neuen Lehrmodul wird u.a. die Kanzlei Milbank mitwirken. Die Kanzlei ist seit Mai 2026 strategischer Partner der Hochschule und wird den Studierenden Praxiserfahrung näherbringen. Ziel der Kooperation ist es, im Zeitalter von KI einen Beitrag zur Ausbildung von Juristinnen und Juristen zu leisten.

Vom Reformvorschlag zur Studienpraxis

Zusätzlich hat sich die Hochschule mit vier führenden Legal-Tech-Unternehmen zusammengeschlossen. Ab Herbst 2026 erhalten Studierende kostenlosen Zugang zu den Anwendungen von Legora, Libra, Harvey und Beck-Noxtua. Ab diesem Studienjahr wird zudem „Digital Literacy“ – frei übersetzt „digitale Mündigkeit“ – zum verpflichtenden Bestandteil des Jurastudiums. 

„Die juristische Ausbildung muss sich weiterentwickeln, wenn sie auf eine Rechtspraxis vorbereiten will, die sich durch Künstliche Intelligenz grundlegend verändert. Als Reformhochschule wollen wir bei dieser Entwicklung vorangehen“, sagt Prof. Dr. Michael Grünberger, LL.M. (NYU), Präsident der Bucerius Law School. „Unsere Studierenden sollen die Möglichkeiten dieser Technologien souverän nutzen und zugleich das eigenständige juristische Denken entwickeln, das für verantwortungsvolle Rechtsgestaltung unverzichtbar ist. Damit zeigen wir, wie man die Forderungen des Wissenschaftsrats schnell und praktikabel umsetzen kann.“ 

Vier Partnerschaften für eine praxisnahe Ausbildung

Mit den vier von den Förderern zur Verfügung gestellten Systemen können Studierende unter didaktischer Anleitung konkrete Anwendungsszenarien erproben, die Möglichkeiten und Grenzen unterschiedlicher Anwendungen vergleichen und sich bewusst für oder gegen den Einsatz von KI entscheiden. Entscheidend ist dabei nicht allein der Zugang zur Technologie: Die Anbieter bringen ihre Expertise auch in Workshops und Schulungen auf den Campus. 

„Mit der Campus-Lizenz und unserer Praxiserfahrung wollen wir die Bucerius Law School dabei unterstützen, Studierenden nicht nur den Umgang mit KI zu zeigen, sondern ein echtes Verständnis dafür zu vermitteln: wo sie unterstützt und wo juristisches Urteilsvermögen weiterhin gefragt ist", sagt Jan Niklas Hasenpusch, der Operations & Strategy für Legal Engineering bei Legora verantwortet. „Dieser Austausch wirkt in beide Richtungen: Das Feedback der Studierenden zeigt uns, welche Fähigkeiten die nächste Generation von Juristinnen und Juristen tatsächlich braucht. Das prägt mit, wie wir die Plattform weiterentwickeln.“ 

KI-Integration als Teil einer umfassenden Reformstrategie

Die neuen Inhalte sind ein Baustein der Strategie 2030, im Rahmen derer die Bucerius Law School ihre juristische Ausbildung umfassend weiterentwickelt, um sie an die veränderten Anforderungen des Rechtsmarktes anzupassen. 

Denn der Rechtsmarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Die Studie “Legal Market Economics” des Bucerius Legal Innovation Hub zeigt: Während die Komplexität des Rechts zunimmt, stagniert die Zahl der verfügbaren juristischen Fachkräfte. Zugleich entwickelt sich Künstliche Intelligenz zu einem wichtigen Faktor für die Leistungsfähigkeit von Kanzleien, Rechtsabteilungen, Justiz und Verwaltung. Doch fehlende Kompetenzen und Ausbildungsstrukturen, die mit diesen Veränderungen nicht Schritt halten, bremsen die Entwicklung. 

Noch größeren Gestaltungsspielraum für neue Inhalte eröffnet ein neuer, vom staatlichen Prüfungsprogramm unabhängiger Bachelor of Laws. Der für 2027 geplante Studiengang verbindet eine fundierte juristische Ausbildung mit Digitalisierung und KI, Wirtschaft, Gesellschaft und Technologie sowie ausgeprägten Praxisanteilen. Er eröffnet einen kürzeren Weg in juristisch geprägte Tätigkeitsfelder, für die das Staatsexamen keine Voraussetzung ist. 

Text

Désirée Balthasar

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