Jurist*innen und Verantwortung im Klimaschutz

Rechtsberatungsmarkt und Klimakrise? Alumnae und Alumni der Law School diskutieren über die Verantwortung der Jurist*innen in der Klimakrise

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Welche berufliche Verantwortung tragen Jurist*innen in der Klimakrise? Welche Mandate nehmen Kanzleien an und nach welchen Kriterien werden die Mandate ausgewählt? Wie kann man sich als Jurist*in für mehr Klimaschutz einsetzen? Diese und zahlreiche weitere Fragen standen im Zentrum der Podiumsdiskussion, die das Studium professionale in Kooperation mit der Interessengruppe Nachhaltigkeit des Alumnivereins der Bucerius Law School am 10. Februar 2022 veranstaltete. Die Moderation übernahm Dr. Lukas Mezger (Jg. 2006).

 

Viele Perspektiven und Möglichkeiten

Die Panellisten hatten sehr unterschiedliche berufliche Zugänge zu dem Thema. Zum einen diskutierte Dr. Jan Erik Spangenberg mit, Alumnus des Jahrgangs 2001 und Partner der Kanzlei Manner Spangenberg. Seine Kanzlei vertritt derzeit mehr als 1.200 Geschädigte einer Flutopferkatastrophe vor dem LG München.

Auch Dr. Silvia Ernst, Rechtsanwältin bei Geulen & Klinger, berichtete von den Mandaten ihrer Kanzlei. Diese reichen von spannenden Klimawandelklagen über baurechtliche Verfahren bis hin zu Enteignungsentschädigungsverfahren. Dabei betonte sie, dass auch dem Rechtsberatungsmarkt eine erhebliche Bedeutung bei der Bekämpfung des Klimawandels zukomme.

Gerade (junge) Jurist*innen würden dabei eine besondere Verantwortung für das Thema tragen. Aus diesem Grund achte ihre Kanzlei besonders darauf, wen sie beraten und vertreten. Sie empfahl den teilnehmenden Berufseinsteiger*innen, auch bei der Auswahl ihres zukünftigen Arbeitgebers auf Nachhaltigkeitsaspekte zu achten.

 

Im Spannungsfeld zwischen Interessenvertretung und Klimaschutz

Im Verlauf der regen Diskussion wurde das Spannungsfeld diskutiert, in dem sich viele Jurist*innen und Kanzleien befinden: Auf der einen Seite fühlen sie sich dem Klimaschutz verpflichtet, auf der anderen Seite müssen sie die Interessen ihrer Mandantschaft vertreten, die dem Klimaschutz nicht unbedingt dieselbe Bedeutung beimisst. Auch Dr. Marion Fischer, Rechtsanwältin bei Hogan Lovells in München, und Felix Jaeger, Rechtsanwalt bei Osborne Clarke, unterstrichen die besonderen Herausforderungen, denen ihre Kanzleien gegenüberstünden.

Sie betonten zugleich, dass auch Kanzleien, die man nicht unbedingt mit Klimaschutz in Verbindung bringen würde, etwas Gutes bewirken könnten, indem sie zum Beispiel auf berufsbedingte Flugreisen verzichteten. Gleichzeitig werde deutlich, dass Mandantschaft und (potenzielle) Arbeitnehmer*innen zunehmend Wert auf eine nachhaltige Positionierung ihrer Kanzlei legen. Auch Rückfragen aus dem Publikum offenbarten, dass viele vor der Herausforderung stehen, ihren persönlichen Berufsalltag mit ihrem Einsatz für den Klimaschutz zu vereinbaren.

 

Anstoß für eine breitere Debatte

Am Ende waren sich alle einig, dass noch eine Menge Handlungsbedarf besteht. In diesem Sinne war die Veranstaltung hoffentlich nicht die letzte ihrer Art, sondern nur der Anstoß für eine breitere Debatte über die Verantwortung der Jurist*innen in der Klimakrise.

Autor*in

Christopher Reibetanz und Jannis Graeve

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