In Kooperation mit dem Institute for Global Law and Policy (Harvard Law School), der SciencesPo Law School sowie der CBS Copenhagen Business School diskutierten Forscher:innen über die drängenden Fragen globaler Machtverhältnisse, normativer Ordnungen und gesellschaftlicher Transformation. Das Kolloquium fand zwischen dem 17. – 20. Juni 2025 an der Bucerius Law School statt.
Weltpolitische Umbrüche und neue Hegemonien
Der erste Tag stand im Zeichen weltpolitischer Umbrüche, neuer Hegemonien und postkolonialer Dynamiken. In verschiedenen Panels und Diskussionen ging es unter anderem um die Fragen, wie sich gegenwärtige globale Ordnungen historisch einordnen lassen, welche Rolle Begriffe wie „Kapitalismus“ oder „Autoritarismus“ spielen und ob neue Imperien oder alte Strukturen in neuem Gewand dominieren. Zudem fanden Diskussionen zu kolonialen Abhängigkeitsverhältnissen, globalen Lieferketten sowie dem Verhältnis von politischer Ökonomie und juristischer Methodologie statt.
Einen besonderen Akzent setzte die öffentliche Podiumsdiskussion mit dem Titel „Rights and the Rule of Law: Dark Legacies or Promise?“. Angesichts zunehmender autoritärer Entwicklungen wurde kritisch hinterfragt, welche Rolle Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte heute noch einnehmen können und ob sie nicht selbst Teil des Problems geworden sind.
Identität, Ideologie und die Verflechtung von Wissen und Macht
Der zweite Tag war dem Verhältnis von Gruppenidentität, Ideologie und gesellschaftlichem Bewusstsein gewidmet. Themen wie race, class und gender wurden in globalem Zusammenhang analysiert und kritisch hinterfragt. In den Diskussionsrunden tauschten sich die Teilnehmenden u. a. über den Bedeutungswandel kollektiver Identitäten, die Zukunft von Diversitäts- und Pluralismuskonzepten und die Rolle ideologischer „common sense“-Narrative aus. Ein besonderes Augenmerk galt der Verflechtung von Wissen und Macht: Welche Funktionen erfüllen intellektuelle Traditionen, Expert:innenwissen oder politische Forschung? Wie prägen sie rechtliche und gesellschaftliche Strukturen?
Wandel, Transformation und die Rolle des Rechts
Der dritte Tag drehte sich um die Frage nach Wandel und Transformation. In Diskussionen zu Recht als epistemischem System, zu technologischen Disruptionen und zu sozialen Kämpfen wurde ausgelotet, wie tiefgreifende Veränderung entstehen kann und welche Rolle das Recht dabei spielt. Abschließend wurde das Verhältnis von Reform und Umbruch, institutioneller Wandel und widerständige Praxis reflektiert: Ist ein tiefgreifender Wandel denkbar?
Neben dem inhaltlichen Programm ermöglichte das Kolloquium persönliche Begegnungen in entspannter Atmosphäre. Für die Mitglieder der Global Law Faculty des Institute for Global Law and Policy der Harvard Law School war das Kolloquium zugleich eine ausgezeichnete Vorbereitung für die eine Woche später stattfindende Global Scholars Academy an der Universität Stellenbosch in Südafrika. Dort nahmen rund achtzig Nachwuchswissenschaftler:innen vorwiegend aus dem „Globalen Süden“ teil. Auch Prof. Dr. Felix Hanschmann, Inhaber des Lehrstuhls Kritik des Rechts an der Bucerius Law School, nahm dort als Mitglied der Global Law Faculty teil.
Die Bucerius Law School dankt der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS für die Unterstützung dieser inspirierenden Veranstaltung.
