Wie lässt sich die Transformation so gestalten, dass sie sozial gerecht ist, zugleich aber auch wirtschaftlich tragfähig bleibt? Zur Diskussion dieser zentralen Frage lud die Bucerius Law School am 30. Juni 2026 anlässlich der Hamburg Sustainability Week ein.
Im Austausch hierzu waren Prof. Dr. Niko Paech (Postwachstumsökonomie und plurale Ökonomie), Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick (Transformation und Energiesysteme), Prof. Dr. Anita Engels (Gesellschaft und Handlungsmacht) sowie Prof. Dr. Michael Fehling (Recht und Rahmenbedingungen), gemeinsam mit der Moderatorin Nora Hecht, Studentin im Schwerpunktbereich „Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ an der Bucerius Law School. Die Begrüßung übernahm ihre Kommilitonin Ava Lukosch. Organisator:innen der Veranstaltung waren vor allem Merle Breckwoldt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Center for Interdisciplinary Research on Energy, Climate and Sustainability (CECS), und die Abteilung Recht & Gesellschaft an der Bucerius Law School.
Deindustrialisierung statt Green Growth?
Eine kontroverse Diskussion entstand zunächst rund um die Frage, ob ein fairer Wandel in unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung überhaupt denkbar sei; Niko Paech sieht in der gegenwärtigen Klimakrise vielmehr den Ansatzpunkt für eine Deindustrialisierung der deutschen Wirtschaft. Michael Fehling geht das zu weit. Er halte Änderungen im Wirtschaftssystem zwar durchaus für denkbar, plädiert jedoch für eine möglichst freiheitsschonende und akzeptanzwahrende Ausgestaltung. Auch Manfred Fischedick sieht ein Problem mindestens im Luxuskonsum. Er macht deutlich, dass umgekehrt gerade Einkommensschwächere besonders unter den Auswirkungen des Klimawandels und der Maßnahmen zur Emissionsminderung leide.
Wer muss handeln?
Deutlich wird: Die Rahmenbedingungen müssen sich ändern – zugleich fehlen hierfür derzeit politische Mehrheiten und Handlungswille. Anita Engels lenkt den Blick daher darauf, welche Handlungsoptionen wir als Gesellschaft haben, um eine gerechte Dekarbonisierung (doch) einzufordern: Die Gesellschaft müsse zusammenkommen und sich (etwa durch Divestments) gezielt für eine Defossilierung engagieren. So könnten strukturelle Veränderungen erzwungen werden. Besonders streitbar: Genügt das (Michael Fehling, Manfred Fischedick)? Könne es wirklich darauf ankommen, in der Breite zu überzeugen, fragt Niko Paech? Und: Sind tatsächlich nur die Einkommensstärkeren das Problem, oder ist klimaschädliches und -freundliches Verhalten mittlerweile heute nicht allen nahezu gleichermaßen zugänglich?
In der anschließenden Diskussion wurden vor allem die Begriffe Macht und Verantwortung im Klimaschutzkontext vertieft. Die Diskussionsteilnehmer:innen brachten hierzu die spezifischen Perspektiven ihrer Wissenschaftsdisziplin und Forschung ein. Für die Soziologin Engels sei ein Engagement im Kontext widriger gesellschaftlicher Machtverhältnisse eine Selbstverständlichkeit. Michael Fehling sieht in demokratischen Wahlen das zentrale Handlungsinstrument zur Änderung der Machtverhältnisse und rechtlichen Rahmenbedingungen. Paech fordert, sich in Suffizienz zu üben und das eigene Leben machtfrei zu gestalten. Fischedick betont, dass häufig politisch der Mut fehle, Regelungen entgegen wahrgenommener gesellschaftlicher Mehrheiten und Widerstände zu treffen.
Fazit
Der interessante Abend mit einer vielseitigen und kontroversen Diskussion endete mit einem Austausch im Foyer des Auditoriums.
Die Arbeit des CECS geht weiter: Am 05. Oktober 2026 findet die Jahrestagung des CECS zum Europäischen Emissionshandel statt. Hier geht es zum Programm und zur Anmeldung.