Die Bucerius Law School und die WHU – Otto Beisheim School of Management verbindet seit vielen Jahren ein akademisches Partnerschaftsabkommen. Seit 2020 ist die WHU Kooperationspartner der Bucerius Law School im Studiengang Master of Law and Business (MLB) an der Bucerius Law School. Wir sprachen mit der Programmdirektorin Professorin Dr. Christina Günther von der WHU und der Juniorprofessorin Dr. Nicole Gottschalck von der WHU über die Früchte dieser Zusammenarbeit und über Visionen für die Zukunft.
Frau Prof. Dr. Günther, Sie sind Professorin an der WHU und Programmdirektorin des Partnerschaftsabkommens zwischen WHU und Bucerius Law School.
Welche Idee steckt hinter dem akademischen Partnerschaftsabkommen?
Christina Günther: Die WHU und die Bucerius Law School sind seit 2006 verbunden. Dazu gehört, dass Bachelorstudierende an der Law School ein wirtschaftswissenschaftliches Zertifikat, das „Wiwi-Zertifikat“, erwerben können, das von der WHU koordiniert wird.
Umgekehrt gibt es für Bachelorstudierende an der WHU das Zusatzzertifikat in Wirtschaftsrecht, das Professor Dr. Carsten Jungmann von der Law School betreut. Seit 2020 kooperieren beide Hochschulen zudem wieder im Master of Law and Business (MLB): Studierende des Master of Law and Business der Bucerius Law School können diesen Abschluss erwerben, zu dem die WHU inhaltlich einen großen Beitrag leistet.
Warum ist beiden Hochschulen die Förderung dieser Interdisziplinarität wichtig?
Christina Günther: Hinter unseren Kooperationen steht der Gedanke, dass beide Disziplinen enorm voneinander profitieren können, wenn sie die Perspektive der anderen Seite verstehen. Wir sind überzeugt, dass dieses Verständnis schon im Studium geschaffen werden sollte. Sprich: dass die Studierenden zumindest in die Herangehensweise der anderen Disziplin hineinschnuppern können. Denn im späteren Arbeitsalltag wird man sicher zusammenarbeiten. Da ist es sehr hilfreich, verstanden zu haben, wie die andere Seite tickt.
Nicole Gottschalck: Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass an der WHU viele junge Menschen studieren, die sich vorstellen können, später ein eigenes Unternehmen zu gründen oder sich in Managementpositionen sehen. Das eine oder andere Tool aus dem Werkzeugkoffer der Rechtswissenschaften zu kennen ist für sie ein enormer Mehrwert. Umgekehrt haben viele Jurastudierende in ihrem Berufsleben später direkten Kontakt mit Wirtschaftswissenschaftler*innen – etwa, weil sie als Rechtsanwält*innen für Wirtschaftskanzleien arbeiten, selbst ein Unternehmen gründen wollen oder als Syndikus für ein Unternehmen tätig sind.
Frau Prof. Dr. Gottschalck, Sie sind als Juniorprofessorin der WHU an die Bucerius Law School abgesandt. Sie unterrichten ebenso Jurastudierende wie Studierende der Wirtschaftswissenschaften.
Was beobachten Sie für Gemeinsamkeiten und Unterschiede?
Nicole Gottschalck: Dadurch, dass ich an der WHU und der Law School unterrichte, bekomme ich das Beste aus beiden Welten mit. Die Studierenden zu vergleichen fällt mir jedoch schwer, zumal sie sich in unterschiedlichen Lebensphasen befinden. Die Studierenden im Master-of-Law-and-Business- Programm haben alle schon Berufserfahrung. Die Studierenden an der WHU, die ihren Bachelor starten, sind meist frisch aus der Schule. Einen kleinen Vergleich kann ich aber ziehen: Die Studierenden beider Hochschulen zeichnen sich durch einen besonderen Wissensdurst und eine schnelle Auffassungsgabe aus. Sie stellen sich bewusst dem Wettbewerb und wollen zu den Besten gehören. Deswegen suchen sie auch den Weg an diese beiden Hochschulen.
Christina Günther: Die Studierenden im Master-of-Law-and-Business-Programm platzieren sich übrigens gezielt in der Schnittstelle zwischen beiden Disziplinen. Der Anteil an Wirtschaftswissenschaften und juristischen Inhalten ist in diesem Masterprogramm nahezu 50 : 50. Das heißt: Diese Studierenden sind eher Generalisten, die beide Disziplinen miteinander verbinden möchten.
Findet sich die Interdisziplinarität auch in der Forschung? Gibt es gemeinsame Forschungsvorhaben zwischen beiden Hochschulen?
Nicole Gottschalck: Wir haben einen Grundstein dafür gelegt. Im November 2022 gab es die erste gemeinsame Veranstaltung der WHU und der Bucerius Law School, die ab jetzt jährlich wechselseitig an den Hochschulen stattfinden soll. Unter dem Titel „Business meets Law“ haben wir Wirtschaftswissenschaftler*innen und Jurist*innen aus Wissenschaft und Praxis für einen Tag an der Bucerius Law School zusammengebracht, um über Themen zu diskutieren, in denen die Disziplinen Schnittmengen bilden. Daraus ist zwar noch kein konkretes Forschungsprojekt entstanden, aber es gab einen aktiven, interdisziplinären Austausch. Zugleich wurde gerade von Dr. Sophie Burchardi und Dr. Jens Gerlach, beide Habilitierende der Law School, und mir ein Forschungsförderantrag gestellt, weil wir ein gemeinsames Projekt zur Nachhaltigkeit in der Lieferkette realisieren möchten.
Christina Günther: „Business meets law“ ist eine Plattform, um sich nicht nur als Lehrpersonen, sondern auch als Forschende zu begegnen. Gemeinsame Forschungsvorhaben sind ja nichts, das man mal eben auf die Beine stellt oder in Kooperationsabkommen verschriftlichen könnte. Sie entstehen mit der Zeit und dadurch, dass man feststellt, wo es gemeinsame Interessen und Themen gibt, für die man sich auch über mehrere Jahre zusammen in ein Forschungsprojekt begeben könnte. Deshalb haben wir an verschiedenen Stellen Gelegenheiten geschaffen, dass beide Fakultäten sich begegnen.
Was wünschen Sie sich für die Partnerschaft?
Nicole Gottschalck: Mein Traum ist, dass sich die Bachelorstudierenden der WHU und der Law School auch im Hörsaal begegnen; dass wir diese Highperformer zusammenbringen zu gemeinsamen Projekten. Ich stelle mir das wie eine Explosion an Ideen und Wissen vor.
Christina Günther: Wir machen das schon im Kleinformat: Die MLB-Studierenden der Law School kommen zu uns nach Düsseldorf an den zweiten Campus der WHU und tauschen sich dort mit einer Gruppe MBA-Studierender zum Thema „Whistleblowing“ aus. In Zukunft könnte ich mir vorstellen, ein gemeinsames Programm für Bachelorstudierende zu entwickeln, in dem es um die großen Herausforderungen unserer Zeit geht – Themen, die man nicht mehr nur von einer Disziplin aus betrachten kann oder sollte. Ein Programm, in dem wir gemeinsam Zukunftsgestalter*innen ausbilden
Aus Forschungsheft 2022 | 2023
