Das Zusammenspiel von Digitalisierung und Steuerrecht: Über unterschiedliche Perspektiven und neue Lösungsansätze

Interview mit dem Ideengeber und Verantwortlichen des Digital Tax Symposiums

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Mit dem „Digital Tax Symposium“ hat das Bucerius Center on the Legal Profession eine neue Veranstaltung in das Programm aufgenommen. Wir sprachen mit Dipl.-Finw. Tim Maciejewski (Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bucerius Law School), dem Ideengeber und Verantwortlichen des Symposiums.

 

Wie bist Du auf die Idee gekommen, die Veranstaltung „Digital Tax Symposium“ zu entwickeln und welche Berührungspunkte hast Du mit diesem Themenkomplex?

Dipl.-Finw. Tim Maciejewski: „Die Besteuerung der digitalen Wirtschaft wird mehr und mehr zu einem der meistdiskutierten Themen im Steuerrecht. Die öffentliche Debatte konzentriert sich dabei auf die (vermeintlich) unfairen Steuerpraktiken der global agierenden Digitalkonzerne und auch erste neu geschaffene „Digitalsteuern“ einzelner Staaten zielen vor allem auf Großkonzerne oder rein digitale Dienstleistungen. Die Digitalisierung ermöglicht aber nicht nur neue Geschäftsmodelle global operierender Unternehmen, sondern verändert wirtschaftliche Prozesse auch im viel kleineren Rahmen. In der Wissenschaft werden immer wieder einzelne Aspekte angesprochen und ich möchte mit der Tagung ein Forum für einen umfassenderen Austausch anbieten.“

 

Warum ist es so wichtig, verschiedene Beteiligte einzubinden, wie die Anwaltschaft, die Finanzverwaltung, die Finanzgerichtsbarkeit und die Wissenschaft?

Dipl.-Finw. Tim Maciejewski: „Alle Beteiligten haben eine eigene Perspektive auf steuerrechtliche Regelungen und Probleme. Aus Sicht der Unternehmen und ihrer Berater sind Steuern vor allem ein betriebswirtschaftlicher Faktor, der bei der wirtschaftlichen Planung berücksichtigt werden muss. Die Finanzverwaltung muss eine gleichmäßige und möglichst effiziente Steuererhebung sicherstellen und die Finanzgerichtsbarkeit über konkrete Auslegungsfragen oder über die Vereinbarkeit steuerrechtlicher Regeln mit höherrangigem Recht entscheiden. Die Wissenschaft blickt häufig auf übergreifende Entwicklungen oder das Zusammenspiel verschiedener Regelungen. Erst indem die unterschiedlichen Perspektiven zusammengeführt werden, lassen sich steuerrechtliche Probleme umfassend beleuchten und Lösungsvorschläge entwickeln.“

 

Welche aktuellen Entwicklungen gibt es an der Schnittstelle zwischen Steuerrecht und Digitalisierung?

Dipl.-Finw. Tim Maciejewski: „Auf Ebene der OECD wird über eine Reform der Regelungen des internationalen Steuerrechts diskutiert, nach denen die Gewinne multinational agierender Unternehmen zwischen den einzelnen Staaten aufgeteilt werden. Damit könnten sich – nicht nur für große Digitalunternehmen – die Maßstäbe bei grenzüberschreitenden Leistungen grundlegend ändern. Daneben haben einzelne Staaten bereits besondere Steuerregime für digitale Dienstleistungen eingeführt oder diskutieren über eine solche Einführung. Neben diesen rechtspolitischen Entwicklungen ergeben sich steuerrechtliche Fragen vor allem durch den Einsatz digitaler Technologien anstelle bekannter Instrumente. Beispielsweise wirft die Finanzierung von Unternehmen über Kryptotoken eine Vielzahl von Auslegungsfragen auf.“

 

Wir danken Herrn Maciejewski für das Gespräch.

Autor*in

Marianne Lüdemann

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