Die Zukunft digitaler Rechtsberatung aus der Regulierungsperspektive

Ist der zukünftige Anwalt der bessere Mathematiker?

Am 19. November 2020 lud die recode.law HSG der Bucerius Law School im Rahmen des Studium professionale zur Podiumsdiskussion.

Eingeladen waren Dr. Christian Lemke, Präsident der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer und Vizepräsident der Bundesrechtsanwaltskammer, Dr. Philipp Plog, Managing Partner Deutschland Fieldfisher und Vorstandsmitglied im Legal Tech Verband Deutschland und Dr. Sven Bode, Mitgründer von Flightright und aktuell Geschäftsführer bei MyRight. Unter der Moderation von Kosima Kraus (Jahrgang 2018) diskutierten sie über die Zukunft des Anwaltsberufes, insbesondere die Zukunft von Legal Tech Unternehmen.

Seit einigen Jahren befinden sich Portale wie flightright.de oder geblitzt.de im Aufschwung, welche die Digitalisierung genutzt haben, um Rechtsberatung nahezu vollständig zu automatisieren. Diese sind insbesondere in Fällen, welche hundertfach und immer wieder in ähnlicher Weise vorkommen sehr viel kosteneffizienter als der klassische Anwalt und können somit die Rechtsberatung preisgünstiger am Markt anbieten.

Die Bundesrechtsanwaltskammer, vertreten durch Herrn Dr. Lemke, sieht diese Entwicklung skeptisch und warnt davor, dass der klassische Anwalt somit kritisch an Bedeutung verliere.

Probleme der derzeitigen Regulierung von Legal Tech Unternehmen
 

Als zentrales Problem der Regulierung des Rechtsmarkts machten die Podiumsteilnehmern die derzeitige unsichere Rechtslage aus. Da Legal Tech Unternehmen nicht unter die klassische Anwaltstätigkeit zu fassen seien, müsse für sie erst ein neuer Regulierungsrahmen geschaffen werden. Da der Gesetzgeber derzeit aber vor der Kodifizierung der Regulierung noch zurückschrecke und vielmehr auf die Entscheidungen der Gerichte warte, könnte die Schaffung einer sicheren Rechtsgrundlage noch Jahre brauchen. Dies würde, so Sven Bode, den deutschen Rechtsmarkt um ein unglaublich innovatives und einfach zugängliches Beratungsmodell bringen.

Regulierungsbeispiele aus dem Ausland
 

Als Beispiel für einen bereits funktionierenden Regulierungsansatz könnte Großbritannien dienen. Dort hätte sich die Regulierung von einer berufsständischen zu einer wettbewerblichen hin entwickelt, so dass dort nunmehr verschiedene Beratungsmodelle koexistieren.

Auch in den USA gäbe es einige Regulierungsversuche. Allerdings werde dort derzeit noch viel experimentiert. Sven Bode äußerte aber auch insoweit den Wunsch an den deutschen Gesetzgeber, durch Trial and Error eine funktionierende Regulierung zu schaffen.

Der Abend fand einen gelungenen Abschluss mit einer Fragerunde, in welcher die Studierenden die Möglichkeit hatten, ihre Fragen den Podiumsteilnehmern zu stellen.

Autor*in

Jonas Moscho

Hamburg