(Mangelnde) Diversität und Chancengleichheit

Prof. Dr. Felix Hanschmann spricht im Podcast „Follow the Rechtsstaat“ mit Prof. Niko Härting über die Bedeutung von Diversität und Chancengleichheit im juristischen Beruf.

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In der 47. Ausgabe des Podcasts „Follow the Rechtsstaat“ spricht Professor Dr. Felix Hanschmann, Inhaber des Lehrstuhls „Kritik des Rechts – Grundlagen und Praxis des demokratischen Rechtsstaates“ an der Bucerius Law School mit Professor Niko Härting, Rechtsanwalt in Berlin, Honorarprofessor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht und Mitherausgeber von „Follow the Rechtsstaat“, über Diversität, Migration und Chancengleichheit in allen juristischen Bereichen. Die Folge erschien am 05. Oktober 2023 und ist hier abrufbar.
 

Mangelnde Repräsentation

Nach Ansicht beider ist es auch im Jahr 2023 nach wie vor eine traurige Pflicht, über Chancengleichheit im juristischen Alltag sprechen zu müssen. Wenn nach wie vor Umgangsformen „aus gutem deutschem Haus“ gepflegt werden, fühlten sich beispielsweise migrantische Anwält*innen, schwule Juristen oder Bildungsaufsteiger*innen oft ausgeschlossen. Gerade Jurastudent*innen seien nach jedem denkbaren Diversitätskriterium eine sehr homogene Gruppe, so Hanschmann. Dieser Umstand wirke sich auf die Repräsentation anderer Gruppen auf den (juristischen) Bühnen dieses Landes aus.

Unter anderem gehen Hanschmann und Härting in dem Podcast folgenden Fragen nach:

  • Warum genau dominieren eigentlich „Deutsche der Generation 50+“ die rechtswissenschaftliche und -praktische Welt?
  • Wieso sehen wir so wenige Kolleg*innen mit Migrationshintergrund?
  • Welche Bedeutung hat Diversität allgemein in der Rechtswissenschaft und wie können wir sie erhöhen?



Erfordernis struktureller Änderungen

Abschließende Antworten auf derartig komplexe Fragen können naturgemäß nicht präsentiert werden, es werden jedoch Denkanstöße geliefert: So seien Jurastudent*innen mangels Studienreformen dem besonderen Risiko ausgesetzt, am Ende des Studiums das für die Karriere noch immer wesentliche Staatsexamen nicht zu bestehen. Auf dieses „Risiko des Scheiterns“ könnten sich aber insbesondere privilegierte Menschen einlassen. Derartige strukturelle Defizite setzten sich zudem in der späteren Karriere fort. Um das Problem anzugehen, müsste sich neben substanziellen Änderungen in der Ausbildung auch der „Habitus“ von Jurist*innen ändern. Es fehle an „Role Models“ für nicht-privilegierte Student*innen, die ihnen Mut machen, Jura (erfolgreich) zu studieren. Letztlich gehe es darum, Gefühle der Fremdheit und des Ausgegrenzt-Seins abzubauen.

Anlass für das Gespräch waren ein Interview sowie eine Keynote von Prof. Hanschmann im Rahmen der „Jungen Tagung Öffentliches Recht”. Er äußerte sich auf der Tagung von Nachwuchswissenschaftler*innen kritisch über einen „Habitus“, der nicht nur die Staatsrechtslehrertagungen dominiere: „Bürgerlich, weiß, ganz dominant weiß, ziemlich überwiegend männlich.“

Text

Tim Pöppel

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