Früherer Finanzminister Lahnstein zu Gast

Wie blickt jemand auf die aktuellen Krisen, der an vorderster Stelle die Bundespolitik in den 1970ern prägte und verschiedenste Ehrenämter bis heute betreibt? Michael Göring im Gespräch mit Manfred Lahnstein.

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Die neue Gesprächsreihe des Studium generale "Was ich schon immer einmal sagen wollte“ startete am Mittwoch, dem 5. Oktober 2022, mit Bundesfinanzminister a.D. Prof. Dres. h.c. Manfred Lahnstein (SPD). Staatssekretär, Kanzleramtschef, Bundesminister, Bundestagsabgeordneter; das alles war Lahnstein in seinem Leben schon. Hinzu kommt eine Zeit in der Brüsseler Politik der damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG) sowie eine Unternehmertätigkeit bei Bertelsmann. Obendrein war er in jungen Jahren sogar Teil einer erfolgreichen Jazzband. Ein solcher Lebensweg sorgt naturgemäß für viele persönliche Anekdoten. An diesen hat der ehemalige Bundesminister die Zuhörerinnen und Zuhörer gerne teilhaben lassen und darüber hinaus seine Ansichten zur Weltlage geteilt.

Prof. Dr. Michael Göring Michael Göring leitete als Vorstandsvorsitzender die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius von 1997 bis Ende 2021 äußerst erfolgreich. Der promovierte Anglist ist Autor von fünf Romanen und Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Werdegang

Manfred Lahnstein wuchs in einfachen Verhältnissen in der Nähe von Düsseldorf auf. Aufgrund des frühen Todes seines Vaters waren er und seine Geschwister früh zur Selbständigkeit gezwungen. Er studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Köln bevor er, nach ersten Berufserfahrungen in Deutschland, mit seiner jungen Familie nach Brüssel zog. In den 1970ern arbeitete er in der Bundespolitik, 1982 schied aus der Bundesregierung aus, um sich ab 1983 ganz aus der Politik zu verabschieden und in die freie Wirtschaft einzusteigen.

Der engagierte Europäer

Die Entscheidung, am politischen Geschehen der jungen EG mitzuwirken, traf in jungen Jahren Manfred Lahnstein aus voller Überzeugung. Auch heute noch halte er die Europäische Union für die beste Art, Zusammenarbeit zu gestalten. In diesem Zusammenhang kam das Gespräch auf die Wahlen in Italien. Lahnstein merkte an, dass er sich von der öffentlichen Debatte vor allem weniger Überheblichkeit und mehr Geduld gegenüber der neuen italienischen Regierung wünsche.

Manfred Lahnsteins Engagement gegen den Antisemitismus ist ebenfalls erwähnenswert. Der Deutsch-Israelischen Gesellschaft stand er eine Zeit lang als Präsident vor. Auch in der Universität Haifa wirkte er als „Chairman of the Board of Governors“ mit.

„Ich habe Vertrauen in Kanzler Scholz“

In Bezug auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sprach sich Lahnstein für Waffenlieferungen aus. Er verurteile den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine aufs schärfste. Gleichzeitig gab er zu verstehen, dass es auf eine behutsame und geordnete Vorgehensweise ankomme. Daraus ergebe sich sein Vertrauen für Bundeskanzler Olaf Scholz. Auch über die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der neuen Regierung sprach Manfred Lahnstein mit Michael Göring. Kritisch sehe er die Pläne zur Abfederung der Auswirkungen von Strom- und Gasknappheit. Außerdem halte er es für geboten, in der derzeitigen Situation Strom aus allen Quellen zu beziehen; auch aus Atomkraft. Denn ansonsten, so Lahnstein, würde eine schwere wirtschaftliche Lage drohen.

Der Kulturförderer

Der Kunst- und Kulturliebhaber engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich unter anderem für das Hamburger Thalia Theater, die Hamburger Staatsoper und Museen. Kultur sei ein wichtiger Baustein in seinem Leben, sie zu fördern sei ihm ein wichtiges Anliegen.

Im Anschluss an das Gespräch zwischen Michael Göring und Manfred Lahnstein hatte auch das Publikum die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Die Anwesenden nutzen die Chance den vitalen Vierundachtzigjährigen nach weiteren Einschätzungen zum Weltgeschehen zu befragen. Anschließend wurde bei Brezeln und Wein noch rege weiter diskutiert.

Die nächsten Termine der Gesprächsreihe „Was ich schon immer einmal sagen wollte“:
11. Januar 2023 und 3. Mai 2023

Autor*in

ZSP

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