Forschung profitiert vom Austausch. Um die Nachwuchswissenschaftler:innen der Law School zu unterstützen, hat Dr. Sophie Burchardi zusammen mit Dr. Jens Gerlach den Promovierendentag und ein Speeddating-Event für Promovierende ins Leben gerufen.
Wie ist die Idee zu den Veranstaltungen entstanden?
Wir merkten, wie sehr den Promovierenden der Austausch während der Corona-Lockdowns fehlte, und wollten für die Zeit danach Möglichkeiten schaffen, damit sie sich vernetzen und wieder an der Hochschule ankommen können. Jens Gerlach und ich fragten uns, wie wir gezielt die Nachwuchswissenschaftler*innen unterstützen können, und kamen auf die Idee für ein Speeddating und den Promovierendentag. Zwei Netzwerkformate, die für alle Doktorand*innen der Hochschule geöffnet sind.
Was passiert beim Promovierenden-Speeddating?
Beim Speeddating können sich die Wissenschaftler*innen in lockerer Atmosphäre kennenlernen und austauschen. Wir möchten mit dem Format Synergien schaffen und es den Promovierenden leichter machen, sich gegenseitig zu unterstützen. Woran arbeiten die anderen Promovierenden an der Hochschule? Was passiert an den anderen Lehrstühlen? Das kriegt man sonst oft nicht mit, dabei kann es durchaus einen Bezug zu den eigenen Forschungsprojekten geben. Immer drei Promovierende bilden beim Speeddating eine Gruppe, alle haben fünf Minuten Zeit, um ihre Promotionsprojekte zu pitchen. Was ist mein Thema? Warum mache ich das? Welche Herausforderungen gibt es? Nach 15 Minuten wechseln die Gruppen. Innerhalb von zwei Stunden lernt man so viele andere Wissenschaftler*innen kennen. Es ist immer ein gewinnbringender Abend für alle. Gerade auch für externe Promovierende sind solche Austauschformate sinnvoll.
Wie läuft der Promovierendentag ab?
Beim Promovierendentag steht ein intensiverer Austausch im Fokus. Hier wird inhaltlich gearbeitet und die Dissertationen sollen gemeinsam weiterentwickelt werden. Alle Doktorand*innen der Hochschule können sich anmelden, wir stellen dann thematisch passende Gruppen von etwa fünf Promovierenden zusammen. Diese können in ihren Gruppen die Gliederung oder ein Kapitel der Dissertation vorstellen und bekommen von den anderen im Rahmen einer Diskussionsrunde Feedback. Viele nutzen die Zeit auch, um ihre Vorträge für die Promotionsprüfungen zu üben. Jede Gruppe wird von einem Habilitierenden als Moderator unterstützt. Als Abschluss gehen alle gemeinsam essen. Ein schöner Ausklang, bei dem oft weiter diskutiert wird. Das mitzuerleben ist immer sehr inspirierend und zeigt, dass wir mit diesem Format einen echten Nerv treffen.
Warum ist der Promovierendentag so hilfreich?
Vor und mit anderen intensiv über die eigene Forschung zu sprechen hilft beim Systematisieren. Der rote Faden einer Arbeit wird schnell klar, wenn man anderen davon erzählt. Zudem kommt die Gruppe oft schneller zu guten Lösungsansätzen. Neue Perspektiven und Denkansätze machen jede Forschung besser. Die Gruppengespräche haben auch eine bestärkende Funktion: Sie motivieren, weiterzuarbeiten, wenn die Promotion vielleicht gerade stockt oder man sich in Selbstkritik übt. Immerhin sitzen alle im selben Boot. Es ist ein Geben und Nehmen, die Atmosphäre ist angenehm und offen. Das ist uns besonders wichtig – alle sollen sich wohlfühlen.
Ist es auch eine gute Vorbereitung in Sachen wissenschaftlicher Kommunikation?
Auf jeden Fall. Als Wissenschaftler*innen haben wir einen Kommunikationsauftrag, müssen unsere Forschungen vorstellen und sie pitchen.
Das gehört einfach dazu und das zu üben, ist wichtig. Die Aufregung vor dem ersten wissenschaftlichen Vortrag auf einer Tagung ist in der Regel groß. Da ist es toll, das schon mal gemacht zu haben und zu wissen: So schlimm ist das alles gar nicht.
Wie unterstützt die Law School die Events?
Beide Projekte sind angedockt an das Zentrum für wissenschaftliche Qualifikation der Bucerius Law School. Das gibt es schon länger, es bietet Promovierenden an der Hochschule ein umfangreiches Programm, das wir mit unseren zwei Eventformaten nun um den Baustein „Austausch“ ergänzen. Prof. Dr. Christian Bumke, der Leiter des Zentrums für wissenschaftliche Qualifikation, unterstützt uns dabei sehr. Er ist unglaublich engagiert, wenn es um die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses geht. Ohnehin geht es diesbezüglich an der Law School familiär und gemeinschaftlich zu. Viele Professor*innen setzen sich stark für die Nachwuchswissenschaftler*innen ein. Niemand wird allein gelassen – und dazu möchten wir mit unseren Formaten einen kleinen Beitrag leisten.
Aus Forschungsheft 2022 | 2023
