Neue Perspektiven: Zusatzqualifikation stärkt Blick für Diversität

Drei Studierende haben das Zertifikat „Intersektionalität & Diversity“ erworben und ergründeten, wie Gesetze eigentlich gestaltet sein sollten.

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Das Angebot vom Zentrum Gender & Diversity (ZGD) vereint Seminare verschiedener Hamburger Hochschulen und vermittelt fundierte Kenntnisse zu Diversität, Intersektionalität und gesellschaftlichen Ungleichheiten. Lasse Ahrens, Justus Maximilian Ahlers (genannt Maximilian) und Simon Baalmann haben im Juni 2025 als erste Studenten der Bucerius Law School das hochschulübergreifende Zertifikat „Intersektionalität & Diversity“ erworben. Die dafür erforderlichen Lehrveranstaltungen absolvierten sie über mehrere Monate hinweg, zwischen 2023 und 2025, an verschiedenen Hamburger Hochschulen.

Für die drei Studierenden war die inhaltliche Relevanz ausschlaggebend für ihre Teilnahme. „Diversity ist ein sehr aktuelles Thema, aber der Begriff wird oft unscharf verwendet, ohne dass eine vertiefte Auseinandersetzung stattfindet“, beschreibt Simon seine Motivation. Lasse ergänzt: „Im Jurastudium liegt der Fokus stark auf der Anwendung von Recht. Die Frage, wie Gesetze eigentlich gestaltet sein sollten, kommt dagegen häufig zu kurz.“ Maximilian hebt zudem die begrenzten interdisziplinären Berührungspunkte hervor: „An einer Hochschule mit nur einem Studiengang fehlt oft der Austausch mit anderen Fachrichtungen.“

 

Lernen über Grenzen hinweg

Inhaltlich reichte das Spektrum von theoretischen Grundlagen bis hin zu praxisnahen Fragestellungen. „Besonders prägend war für mich der intersektionale Ansatz – also die Erkenntnis, dass Diskriminierung nicht eindimensional ist, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren entsteht“, sagt Maximilian. Lasse ergänzt: „Man lernt, neue Perspektiven nicht vorschnell anhand eigener Erfahrungen zu bewerten, sondern sich methodisch offen mit ihnen auseinanderzusetzen.“

Der Praxisbezug spielte für die Studenten eine zentrale Rolle. „Im Kurs zu geflüchteten Familien wurde deutlich, wie stark rechtliche Vorgaben und tatsächliche Lebensrealitäten auseinandergehen“, erklärt Simon. „Viele Menschen können ihre Rechte faktisch nicht wahrnehmen, etwa aufgrund sprachlicher Barrieren oder fehlendem Zugang zu Verfahren.“

Das Zertifikatsprogramm umfasst mindestens vier Veranstaltungen im Umfang von insgesamt 10 ECTS-Punkten. Neben Pflichtmodulen wählen die Teilnehmenden aus einem umfangreichen Lehrangebot der beteiligten Hochschulen. „Wir haben Kurse an unterschiedlichen Einrichtungen besucht – unter anderem an der HAW, der Universität Hamburg und am ZGD selbst. Dadurch entstand ein deutlich breiterer Blick auf die Themen“, berichtet Simon.

 

Impulse für Studium und Engagement

Die im Rahmen des Zertifikats gewonnenen Erkenntnisse wirken sich auch auf das juristische Denken der Studierenden aus. „Die Auseinandersetzung mit Zugangshürden zum Recht hilft, die Menschen hinter den Fällen zu sehen und theoretische Inhalte stärker zu hinterfragen“, so Maximilian. Lasse betont den praktischen Nutzen: „Für mein kommunalpolitisches Engagement, insbesondere im Bereich der Geflüchtetenarbeit, nehme ich viele konkrete Impulse mit.“

Für Simon hat der interdisziplinäre Austausch einen großen Mehrwert: „Der Kontakt mit Studierenden und das Besuchen von Kursen aus anderen Studiengängen erweitert den eigenen Blick und eröffnet neue Perspektiven auf gesellschaftliche Fragestellungen.“

 

Herausforderungen und Eigeninitiative

Neben den inhaltlichen Gewinnen brachte das Programm gleichzeitig organisatorische Herausforderungen mit sich. Die Studenten empfanden beispielsweise den Umfang des Zertifikats für 10 ECTS als sehr aufwendig. Zusätzlich fanden die Veranstaltungen außerhalb des Campus und oft während der juristischen Pflichtvorlesung statt. Daher erforderte die Organisation ein hohes Maß an Eigeninitiative.

Auch die Diskussionskultur sei teils herausfordernd gewesen. Denn in einigen Kursen seien sehr grundlegende gesellschaftliche Fragen diskutiert worden, die aus juristischer Perspektive nicht immer leicht anschlussfähig gewesen seien. Das lag laut den Dreien vor allem an dem teils engen Meinungskorridor unter den anderen Teilnehmenden. Gleichzeitig betonen die Studierenden, dass insbesondere praxisnahe Formate wertvolle Einblicke und konkrete Lösungsansätze vermittelt hätten.

 

Bedeutung für die Ausbildung

Mit dem Zertifikat erwerben Studierende nicht nur fachliche Zusatzkompetenzen, sondern erweitern ihren Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge. Isabelle Müller-Pfister, Referentin des Studium personale und Diversity-Koordinatorin am ZSP, ordnet ein: „Das Zertifikat ermöglicht unseren Studierenden über das Studium generale hinaus, sich fundiert mit Fragen von Diversität und Intersektionalität auseinanderzusetzen und diese Perspektiven in ihr juristisches Denken zu integrieren. Gerade für eine verantwortungsbewusste juristische Praxis ist es entscheidend, gesellschaftliche Ungleichheiten zu erkennen und in rechtliche Überlegungen einzubeziehen.“

Für Simon, Lasse und Maximilian steht fest, dass sich der Aufwand gelohnt hat. „Das Zertifikat eröffnet einen multiperspektivischen Zugang zum Thema Diversity“, resümiert Maximilian. „Diese Perspektiven werden uns sowohl im Studium als auch im späteren Berufsleben begleiten.“

 

Text

Désirée Balthasar

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