„Wir sind eine Stadt der Pressefreiheit.“ Mit diesem Bekenntnis eröffnete Manuel J. Hartung, Vorstandsvorsitzender der ZEIT-Stiftung, den Abend – und verortete die Diskussion bewusst in der Hamburger Woche der Pressefreiheit, die mit Dutzenden Veranstaltungen stadt- und landesweit ein Zeichen setzt. Die Bühne im fast vollbesetzten Helmut Schmidt Auditorium war an diesem Abend dem leisen, aber wirkmächtigen Gegner gewidmet: Desinformation, die in wechselnden Gewändern – digital, politisch, gesellschaftlich – die Grundlagen der Demokratie angreift.
Einordnung und Auftrag
Die Journalistin Julia Stein (NDR) führte durch das Gespräch und umriss die Leitfragen: Wie konkret sind hybride Angriffe? Woran erkennen wir Desinformation – und wie lässt sie sich eindämmen, ohne den offenen Charakter demokratischer Debatte zu beschädigen? Als Impulsgeber sprachen die die FAZ-Autoren Dr. Markus Wehner und Reinhard Bingener zu ihrem Buch „Der stille Krieg. Wie Autokraten Deutschland angreifen“. Seit Jahren recherchieren beide zu verdeckter Einflussnahme und hybrider Kriegsführung autokratischer Staaten, v.a. Russland und China. Anschließend diskutierten sie mit US-Expertin und Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook (Bertelsmann Stiftung).
Hybride Kriegsführung: Viele Fronten, ein Ziel
Der Begriff „stiller Krieg“ fiel früh: Gemeint ist kein klassisches Gefecht, sondern ein permanenter Angriffsmodus, der die Grenzen zwischen Krieg und Frieden verwischt. Beschrieben wurden ein ausgebauter Sicherheitsapparat, der parallel auf Spionage, Sabotage und Desinformation setzt, und eine Taktik, die nicht auf das eine große Narrativ zielt, sondern auf die Erosion von Vertrauen in die westliche Gesellschaft. Statt Überzeugungsarbeit: Verunsicherung. Statt kohärenter Propaganda: Polarisierung. Themen werden opportunistisch besetzt – Migration, Pandemie, Energiepreise, Gaza –, Hauptsache, die gesellschaftlichen Bruchlinien vertiefen sich.
Ein Muster, das sich durch viele Beispiele zog: Low-Level-Agents und lose Netzwerke erledigen „Aufträge“ mit niedriger Schwelle – von Schmierereien an Hauswänden bis zu Brandanschlägen. Parallel kursieren gefälschte Medienbeiträge und Doppelgänger-Webseiten, die das Erscheinungsbild etablierter Redaktionen imitieren, um frei erfundene Meldungen glaubwürdig wirken zu lassen. Auf Social-Media-Plattformen multiplizieren Bots diese Inhalte binnen Sekunden. Die Absicht dahinter ist oft offenkundig, ein formales Bekenntnis überflüssig: „Wir sind da – und wir können“, lautet die implizite Botschaft.




