Wie Emotionen Politik lenken – Trump, AfD und der Angriff auf die Demokratie

Studium generale-Abend mit Prof. Dr. Fritz Breithaupt, Diana Kinnert und Martina Kix

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Am 21. Mai 2025 diskutierten im fast ausgebuchten Helmut Schmidt Auditorium der Bucerius Law School der Literatur- und Kognitionswissenschaftler Prof. Dr. Fritz Breithaupt und die Publizistin und CDU-Politikerin Diana Kinnert über die Rolle von Emotionen in der Politik – und ihre Wirkung auf unsere Demokratien. Unter dem Titel „Trump, AfD und der Angriff auf die Demokratie: Wie Emotionen Politik lenken – und was dagegen hilft“ ging es um die Frage, wie rechtspopulistische Bewegungen kollektive Gefühle für sich nutzen – und welche Narrative dem etwas entgegensetzen könnten. Moderiert wurde der Abend von Martina Kix, Redakteurin im SPIEGEL-Ressort „Meinung & Debatte“.

Bereits in der Begrüßung machte Dr. Alexa Meyer-Hamme, Leiterin des Studium generale, deutlich, worum es an diesem Abend gehen sollte: Nicht nur um die bekannten Parolen und Strategien populistischer Akteure, sondern um die tiefer liegenden psychologischen Dynamiken – um Zugehörigkeit, Stolz, Hoffnung. Gefühle also, die rechte Bewegungen gezielt mobilisieren. Und um das Unbehagen vieler, die dem politischen Rechtsruck sprach- und fassungslos gegenüberstehen. Denn obwohl Trump und die AfD keine neuen Phänomene sind, obwohl autokratische und rechtspopulistische Kräfte in vielen Ländern schon lange erstarken, herrscht oft Ratlosigkeit. Für viele, die diesen Kurs nicht mittragen, ist das schwer zu begreifen. Umso größer das Bedürfnis, zu verstehen, was da eigentlich passiert – und was man dem entgegensetzen kann.

Zwischen Sturmflut und MAGA-Kappen

Fritz Breithaupt, Professor an der Indiana University, eröffnete den Abend mit einem eindrücklichen historischen Beispiel: Als Helmut Schmidt 1962 während der Hamburger Sturmflut unbürokratisch Hilfe anforderte – auch unter Missachtung der damaligen rechtlichen Grundlagen –, wurde er zum beliebten Krisenmanager. Nicht, weil er juristisch korrekt handelte, sondern weil die Menschen sich mitgenommen fühlten. Dieses Gefühl des „Mitgerissenwerdens“, so Breithaupt, sei bis heute ein zentrales emotionales Moment politischer Mobilisierung – bei Schmidt ebenso wie bei Trump.

Anhand seiner aktuellen SPIEGEL-Analyse „Im Rausch der rechten Narrative“ zeigte Breithaupt, wie emotional aufgeladene Erzählungen – vom bedrohten „eigenen Grundstück“ in den USA bis zur vermeintlich unterdrückten Meinung in Deutschland – zur zentralen Währung populistischer Politik geworden sind. Trump etwa stilisiere sich konsequent zum Einzelkämpfer, der gegen „die da oben“ kämpft – ein emotionales Angebot, das viele anneh­men.

 

Polarisierung durch Empathie?

Diana Kinnert, CDU-Politikerin, Unternehmerin und Autorin von „Die neue Einsamkeit“, schilderte ihre persönlichen Erfahrungen mit AfD-Anhänger:innen im Wahlkampf: Menschen, die sich kulturell abgehängt und politisch ignoriert fühlen, reagierten oft erst dann offen, wenn sie sich in ihren Sorgen ernst genommen fühlen. Das mache Gespräche möglich – erfordere aber auch viel Geduld.

Kinnert und Breithaupt waren sich einig: Populistische Bewegungen sprechen nicht nur die Wut an, sondern auch das tiefe Bedürfnis nach Sinn, Gemeinschaft und Gesehenwerden. Breithaupt warnte in diesem Zusammenhang vor der „dunklen Seite der Empathie“: Wer sich ausschließlich in Gleichgesinnte hineinversetzt, trage zur Polarisierung bei – weil Empathie dann nicht verbindet, sondern ausschließt.

Was dagegen hilft

In der lebhaften Diskussion ging es auch um aktuelle politische Fragen. Kinnert äußerte die Sorge, dass der neue Bundeskanzler Friedrich Merz die autoritäre Herausforderung möglicherweise unterschätze – und empfahl, weniger über „woke“ Feindbilder zu sprechen und sich stärker den eigentlichen gesellschaftlichen Konflikten zu widmen. Breithaupt betonte, wie wichtig es sei, die europäische Idee mit emotionaler Kraft zu verteidigen – nicht nur rational.

Die über 380 Gäste im Auditorium beteiligten sich engagiert an der Diskussion. Viele Fragen aus dem Publikum griffen das Thema Emotionen in der politischen Auseinandersetzung auf – auch beim anschließenden Empfang mit Brezeln und Wein wurde lebhaft weiter diskutiert.

 

Fazit

Der Abend machte deutlich: Wer die Stärke rechtspopulistischer Bewegungen verstehen will, muss über Gefühle sprechen – über die positiven ebenso wie über die negativen. Nur wer begreift, was Menschen emotional bewegt, kann überzeugende demokratische Gegennarrative formulieren. 

Text

ZSP

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